Der Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island behindert die internationale Luftfahrt

Formel 1 2010

— 18.04.2010

Vulkanausbruch beschäftigt die Formel 1

Wie die Transsibirische Eisenbahn die Formel 1 retten könnte und welche Auswirkungen die Sperre des Luftraums sonst noch hat

Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull in Island beschäftigt auch die Formel 1, denn aufgrund der Sperre weiter Teile des europäischen Luftraums ist es derzeit schwierig, zurück nach Europa zu kommen. Auch zwei 'Motorsport-Total.com'-Mitarbeiter sitzen derzeit in Helsinki beziehungsweise Schanghai fest und können vorerst nicht in die Heimat zurückkehren.

Im Fahrerlager kursieren schon erste Gerüchte, dass der Grand Prix von Spanien am 9. Mai abgesagt werden muss, aber das scheint übertriebene Panikmache zu sein. "Wenn wir drei oder vier Tage verlieren, ist es kein Problem", erklärt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, "aber ab einer Woche wird es eine Herausforderung. Wir kriegen das hin, aber um die Autos mache ich mir ehrlich gesagt mehr Sorgen als die Menschen."

Transsibirische Eisenbahn als Alternative?

"Einige haben schon Karten für die Transsibirische Eisenbahn gekauft", berichtet der Brite, der über die Situation bei aller Ernsthaftigkeit noch lächeln kann: "Auf jeden Fall werden wir bei der Heimreise Spaß haben! Aber im Ernst: Um die Menschen mache ich mir keine Gedanken, denn die werden schon nach Hause kommen, wenn auch vielleicht auf etwas anstrengenderem Weg als sonst. Aber wir müssen die Autos zurückbringen."

"Noch gab es keine Auskunft von den Frachtunternehmen. Das Equipment war schon lange nicht mehr in der Fabrik, wo wir einen angemessenen Service durchführen sollten. Wir haben vier Chassis und wir haben während dieser Überseereise rotiert. Eines ist aber als Ersatzchassis hier in China. Wir haben auch eine Reihe von Updates für Barcelona. Das könnte alles ein bisschen chaotisch werden", befürchtet Whitmarsh.

Einige Teams hatten schon an diesem Wochenende Probleme mit dem gesperrten Luftraum, zum Beispiel Virgin: "Eigentlich hatten wir für China ein recht interessantes aerodynamisches Update eingeplant, doch dieses Paket blieb in Großbritannien hängen und ist nicht hier", schildert Technikchef Nick Wirth, der genau weiß: "Diese Geschichte hört man an diesem Wochenende in der Boxengasse vermutlich öfter..."

Das große Problem ist, dass nur eine Woche nach Barcelona schon Monte Carlo stattfindet, zwei Wochen später dann Istanbul. Sollte der Luftraum weiterhin nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden können, würde das logistisch enorme Schwierigkeiten bereiten. Wirth: "Ich habe den Zeitplan nicht vor mir, aber ich kann nur sagen, dass sich alle große Sorgen darüber machen. Wir müssen wirklich unheimlich viel Druck machen, um es auf die Reihe zu bekommen."

Es geht nicht nur darum, rechtzeitig nach Hause zu kommen, sondern auch darum, in der Heimat genug Zeit zu haben, denn "es stehen schließlich noch Crashtests und andere Dinge an", so der Virgin-Mann. "Wir haben in Großbritannien alle Teile vorrätig, müssen nur eben zwei Autos fertigstellen. Momentan haben wir ein Auto in Arbeit. Wir können natürlich auch Hölzchen ziehen und derjenige, der das kürzere zieht, bekommt das alte Auto, der andere die Neuausführung."

Probleme auch für Monaco und Türkei

"In Bezug auf Monaco", fährt Wirth fort, "hat natürlich jeder das gleiche Problem, denn das anschließende Rennen in der Türkei ist für uns wie ein Überseelauf. Im Prinzip macht sich der gesamte Formel-1-Zirkus auf und fährt in den Süden Italiens, wo die Fracht auf die Fähre geladen wird, die dann anschließend zweieinhalb Tage unterwegs ist. Anschließend geht es auch schon wieder nach Kanada. Die Formel 1 ist eben hart."

"Es hat noch kein Chaos verursacht, aber eine Menge Spekulationen", fügt Whitmarsh an. "Am Donnerstag hätten neue Teile ankommen sollen, aber der Flug wurde gestrichen. Also fuhr einer unserer Mitarbeiter fünf Stunden bis Paris, um noch einen Flug um 23:00 Uhr zu erwischen. Der Flug wurde auf 22:10 Uhr vorverlegt und unser Mann war um 22:00 Uhr in Paris, er hat es also gerade noch geschafft. Eine tolle Story!"

Unklar ist, wie lange der Luftraum noch gesperrt bleiben wird, denn der Eyjafjallajökull ist nach wie vor aktiv. Der letzte Ausbruch fand 1821 statt. "Damals hat es zwei Jahre gedauert", zeigt sich Whitmarsh besorgt, relativiert aber: "Die Sorgen von McLaren und der Formel 1 sind vergleichsweise gering im Vergleich zu den Auswirkungen auf den Rest der Welt, wenn der Vulkan wirklich zwei Jahre lang aktiv sein sollte..."

Für die Journalisten und andere Personen, die mit der Formel 1 um die Welt reisen, ergibt sich schon kurzfristig ein praktisches Problem, weil die meisten Visa nächste Woche auslaufen. Wer also gezwungen ist, länger in China zu bleiben, muss sich a) um eine Verlängerung des Visums kümmern oder hat b) Konsequenzen seitens der chinesischen Behörden zu befürchten. Unser Reporter vor Ort fliegt stattdessen nicht wie geplant nach München, sondern weicht nach Südafrika aus.

Dass man sich mit den chinesischen Behörden nicht anlegen sollte, weiß der ehemalige McLaren-Sportdirektor Dave Ryan, seit "Liegate" vielen Fans ein Begriff, ganz genau. Ryan blieb nämlich laut McLaren-Auskunft bei einem China-Aufenthalt in den 1960er-Jahren um zwei Tage länger im "Reich der Mitte", als man ihm eigentlich gestattet hatte, weshalb ihm bei den Grands Prix ab 2004 jeweils die Einreise verweigert wurde...

Fotoquelle: Boaworm


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