Ein eher untypisches Bild: Michael Schumacher vor Lewis Hamilton

Formel 1 2010

— 19.04.2010

Schumacher: Richtige Antwort in Barcelona?

Mercedes plant große Updates für Barcelona, die Michael Schumacher helfen könnten - Vulkanausbruch möglicherweise eine Entwicklungsbremse

Michael Schumacher muss sich nach seinen Leistungen in den ersten vier Saisonrennen, die doch ein wenig hinter den Erwartungen vieler Fans zurückgeblieben sind, viel Kritik gefallen lassen. Insbesondere nach dem gestrigen Regenrennen in Schanghai, bei dem er von den "jungen Wilden" regelrecht entzaubert wurde, nehmen ihn die Medien schonungslos ran.

Der 41-Jährige gibt selbst zu, dass er sich beim Grand Prix von China nicht mit Ruhm bekleckert hat, allerdings lässt er sich vom durchwachsenen Auftakt in Übersee nicht aus der Ruhe bringen. Vielmehr will er nun all seine Klasse, die er in der Vergangenheit schon so oft bewiesen hat, in die Waagschale werfen, um den Mercedes-Silberpfeil mehr in seine Richtung zu entwickeln. Mit dem Fahrverhalten des MGP W01 kam er bisher nämlich mehr schlecht als recht klar.

Großer Schritt in Barcelona?

Teamchef Ross Brawn hat zwar schon während der Überseerennen einzelne Updates veranlasst, zum Beispiel einen neuen Heckflügel, der genau wie die McLaren-Variante mit dem Strömungsabriss-Phänomen spielt, doch die Zeit für größere Modifikationen haben die Ingenieure in Brackley erst in den drei Wochen zwischen Schanghai und Barcelona. Für Schumacher geht die Saison also mit dem Beginn der Europatournee am 9. Mai in Barcelona so richtig los.

Mercedes erhofft sich dort eine Verbesserung, aber wie groß diese ausfallen wird, ist unmöglich vorherzusehen: "Heute zu sagen, dass wir in Barcelona auf Pole stehen, wenn wir vier Zehntel finden, klingt zwar gut, aber das ist enorm schwierig", weiß Sportchef Norbert Haug. "Ich bin mir sicher, dass wir uns verbessern werden, aber wenn wir vier Zehntel finden und unsere Gegner sechs, dann wird der Rückstand noch größer."

"In Schanghai haben wir einen guten Schritt gemacht und ich glaube, dass auch der nächste Schritt gut sein wird, aber wir sind nicht zufrieden, solange wir nicht regelmäßig um Pole-Positions und Siege kämpfen", erklärt der Deutsche und fügt realistisch an: "Ob das schon in Barcelona passieren wird? Da habe ich ehrlich gesagt meine Zweifel, denn das wäre ein sensationeller Sprung, den Rückstand in nur vier Rennen wettzumachen."

Schumacher stärkt er weiterhin den Rücken: "Michael ist eine Institution, er bringt sich in unser Team ein", lobt Haug. "Keine Angst, er hat das Autofahren nicht verlernt. Wir haben ihn und das Fahrzeug noch nicht so zusammengebracht. Spätestens in Barcelona werden wir das klären. Ich denke aber, an diesem Auto ist etwas. Das müssen wir allerdings erst noch untersuchen. Das kann man bei den Überseerennen nicht in den Griff kriegen, weil die Autos nicht zurückgeflogen werden."

Vulkanausbruch als Spielverderber?

Was Haug zum Zeitpunkt dieses Interviews noch nicht wusste: Durch den Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island ist derzeit der europäische Luftraum gesperrt und das Material der Formel-1-Teams steckt noch in China fest. Das bedeutet, dass Mercedes wertvolle Zeit verliert, die man sonst dazu nutzen hätte können, um Schumachers Problemen mit dem MGP W01 auf den Grund zu gehen. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben...

Abschreiben sollte man einen siebenfachen Weltmeister ohnehin nie: "Ich würde nicht zu früh den Stab brechen", warnt der Mercedes-Sportchef. "Eines müssen wir ganz klar sehen: Michael stellt sich dem Wettbewerb. Er hätte das nicht nötig. Der wahre Sportler wird sicherlich sagen: 'Chapeau, Hut ab - der stellt sich!' Er könnte es sich leichter machen, aber das ist seine Leidenschaft. Wir werden noch begeisternde Rennen von Michael sehen. Hundertprozentig!"

Bei Nico Rosberg ist das jetzt schon der Fall, denn obwohl der deutsche Silberpfeil vom Speed her hinter Red Bull, McLaren und Ferrari wohl nur die Nummer vier im Feld ist, gelang dem Weltmeistersohn zuletzt zweimal hintereinander der Sprung auf das Podium. In Schanghai hätte er unter Umständen sogar gewinnen können, wenn er nicht kurz vor den entscheidenden Ereignissen im Rennen die Führung wegen eines Fahrfehlers an Jenson Button abgegeben hätte.

Im Vergleich zu den ersten drei Rennen wirkte Mercedes stark verbessert. Das war laut Rosberg keine Eintagsfliege: "Ich glaube nicht, dass uns diese Strecke besonders entgegenkommt, sondern wir haben echte Fortschritte gemacht", sagt er. "Mit so einem großen Schritt hätten wir gar nicht gerechnet. Der Heckflügel ist nur ein Teil davon, aber besonders für die nächsten Rennen erwarten wir zahlreiche technische Neuerungen."

Rosberg sieht noch großes Potenzial

"Ich glaube, unser Entwicklungsplan ist sehr ermutigend", gibt Rosberg zu Protokoll. "Wenn ich sehe, wie nahe wir heute an Red Bull dran waren, dann bin ich für die nächsten Rennen guter Dinge. Natürlich ist es nicht einfach, denn die anderen pushen auch wie verrückt, aber wir wollen es noch besser machen und den Abstand verkürzen. Vier Zehntel sind nicht viel. Ferrari haben wir schon fast eingeholt. Danach kommt nur noch Red Bull."

Ein erster Schritt in die richtige Richtung war der neue Heckflügel, der in Schanghai von beiden Fahrern eingesetzt wurde. Durch einen Strömungsabriss auf den Geraden bringt diese Modifikation mehr Topspeed und umgerechnet rund eine Zehntelsekunde pro Runde. Wenn das System einmal optimiert ist, ähnlich wie bei McLarens F-Schacht, erwartet sich das Team aber noch einmal eine deutliche Steigerung.

"Das Phänomen, das angestrebt wird, ist ziemlich klar, aber es wird unterschiedliche Lösungsansätze geben. Da liegt sicher keine halbe Sekunde drin, aber wenn du hier ein Zehntel und da ein Zehntel findest, dann bringt dich das auch voran", erklärt Haug. Brawn fügt an: "Das McLaren-System ist sehr clever und sehr schwierig zu kopieren. Im Gegensatz zu unserem ist es aktiv, es wird also vom Fahrer gesteuert. Unser System ist passiv."

Heißt im Klartext: Während bei McLaren der Fahrer auf den Geraden mit seinem Knie steuern kann, wann er den Strömungsabriss am Heckflügel auslösen möchte, passiert dies bei Mercedes ab einer gewissen Geschwindigkeit automatisch. Das ist insgesamt gesehen weniger effizient. Aber: "Wir arbeiten auch an einer vollwertigen Lösung, die wir hoffentlich bis Barcelona fertig haben werden", kündigt Brawn an.

Fotoquelle: xpb.cc


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