Mit solch entspanntem Gesicht konnte man Ron Dennis nur selten erleben

Formel 1 2010

— 14.04.2010

McLaren: Die neue Unabhängigkeit als Vorteil

Ron Dennis sieht in der Trennung von Teilhaber Mercedes positive Aspekte: "Es war kein Deal aus Liebe, aber eine Win-Win-Situation"

McLaren tritt 2010 wieder als unabhängiges Team in der Formel 1 an. Nachdem sich Mercedes mit dem Kauf von Brawn eine eigene Werksmannschaft gönnte, trennte man sich von den McLaren-Anteilen. Die Briten sind "nur" noch Kunde der Stuttgarter. Rein sportlich hat diese Veränderungen bislang keine auffälligen Konsequenzen gehabt. Jenson Button und Lewis Hamilton fahren auch mit Kundentriebwerken auf höchstem Niveau.

"Die Trennung verlief wirklich in aller Freundschaft", betont Ex-Teamchef Ron Dennis im Magazin 'Arabian Business'. Der 62-Jährige erklärt, warum es früher oder später zu solch einer Entwicklung kommen musste: "Sie wollten seit Jahren die volle Kontrolle übernehmen, aber wir haben ihnen immer wieder erklärt, dass wir das nicht wollen. Je mehr sie es forderten, umso deutlicher haben wir uns dagegen gewehrt."

Man habe mehrere Gründe gehabt, sich gegen eine Übernahme durch Mercedes zu wehren. Zum einen habe Dennis seine Mannschaft in rund 30 Jahren aufgebaut, ein Kind gibt man so schnell nicht aus dem Haus. Zweitens dienten die Entwicklungen bei beispielsweise BMW, Honda und Toyota als abschreckende Beispiele. "Wenn ein Hersteller die Kontrolle hat, ist das nicht immer gut", so der Chef der McLaren-Gruppe. "Da können die Vorstände mal ganz schnell ausgetauscht werden. Die Meinungen ebenso."

"Ich habe Mercedes-Benz immer wieder gesagt, dass wir nicht zum Verkauf stehen. Sie haben indes immer wieder gefordert", beschreibt Dennis die Rangeleien mit dem Partner. "Wir wollten unsere Unabhängigkeit und haben damit die Trennung letztlich mit verschuldet. 2008 mussten wir unsere Zustimmung für die Motorenlieferung an Brawn geben. Genau dort fand Mercedes das, was sie bei uns immer suchten."

"Wir waren Partner von Mercedes und sind es immer noch", sagt Dennis. "Auf der Strecke sind wir Gegner, aber abseits der Strecke sind wir Freunde geblieben. Das alles war kein Deal aus Liebe, aber eine Win-Win-Situation. Sie haben volle Kontrolle über ein Grand-Prix-Team und wir Unabhängigkeit. Wir bekommen nach wie vor die Motoren, können aber unsere Marke McLaren viel besser in den Vordergrund rücken. Uns war immer klar, dass ein solcher Schritt kommen würde. Das war einfach nur logisch."

Der 62-jährige Geschäftsmann hat heutzutage mit dem Tagesgeschäft des Formel-1-Rennstalls nur noch wenig zu tun. Dennis kümmert sich fast ausschließlich um sein Sportwagenprojekt. "In der Formel 1 ist es ein extremer Wettbewerb. Alles strömt auf dich ein, es ist wie ein anhaltender Hagel durch Medien, durch Sponsoren. Man legt sich einen Schutzpanzer zu. Man schottet sich ab, auch als Mensch. So etwas macht einen auf Dauer unzufrieden, weil man nicht authentisch sein kann."

Der sonst oft unnahbare Dennis öffnet sich weiter: "Man fühlt sich fast ständig irgendwie verfolgt. Man hat ständig das Gefühl, gleich geht die Tür auf und dir hält wieder einer ein Mikrofon unter die Nase." Auf Basis dieser Erkenntnisse ist der Brite höchst glücklich, sich aus dem Formel-1-Zirkus verabschiedet zu haben. "Wenn man das mal hinter sich lässt, dann wird man wieder entspannter. Und man wird dadurch sicherlich ein angenehmerer Mensch."

Fotoquelle: xpb.cc


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