Tom Kristensen war in Australien einer von vier FIA-Rennkommissaren

Formel 1 2010

— 25.04.2010

Piloten als Kommissare: Viel Arbeit, viel Freude

Seit Saisonbeginn sind erfahrene Rennpiloten als Rennkommissare im Einsatz: Positives Zwischenfazit von Tom Kristensen und Nico Hülkenberg

In den vergangenen Jahren haben die Entscheidungen der Rennkommissare in der Formel 1 oft viel Diskussionsstoff beschert. Man denke beispielsweise an die nachträgliche Bestrafung von Lewis Hamilton in Belgien 2008, wo der Brite wegen eines streitbaren Manövers gegen Kimi Räikkönen den Sieg verlor. Der Ruf nach erfahrenen Kommissaren war damals besonders laut. 2010 wurde er endlich erhört. Seit dem Saisonstart steht den drei Kommissaren immer ein Pilot als Berater zur Seite.

Beim Saisonauftakt war Ex-Weltmeister Alain Prost in FIA-Mission unterwegs, in Malaysia war es Johnny Herbert, zuletzt in China griff man auf die Erfahrungen von Alexander Wurz zurück. Mit Tom Kristensen war in Australien ein Pilot als Rennkommissar vor Ort, der zwar nie ein Formel-1-Rennen absolviert hat, aber dessen umfangreicher Erfahrungsschatz von acht Le-Mans-Siegen und vielen DTM-Einsätzen unbestritten ist.

Fahrer bringen neuen Blickwinkel ein

"Es ist eine Rolle mit viel Verantwortung", beschreibt der Däne seine Eindrücke aus Melbourne im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Kristensen lobt die Initiative der FIA, er füllt die Rolle gern aus: "Wir Fahrer haben ein besseres Verständnis für gewisse Situationen. Die drei Stewards kennen wahrscheinlich den Text im Regelbuch besser, ich dafür aber die Geschehnisse im Rennen aus Pilotensicht. Da gibt es immer wieder Dinge zu diskutieren."

"Mister Le Mans" hatte in Melbourne keinesfalls ruhige Zeiten. Der 42-Jährige war von Donnerstag bis Sonntag im Dauereinsatz. "Ich will keine Details aus den Diskussionen preisgeben, aber ich hatte schon in den Trainings und während des Qualifyings viele Erörterungen mit den drei Stewards. Ich habe gespürt, dass es ihnen sehr wichtig ist, meine Meinung zu hören. Aber: Wir sind nicht die Polizei, sondern nur Berater."

Für Kristensen geht es im Zuge der Neuregelung der Rennbeobachtung vor allem um eines: "Unser Sport soll dadurch noch besser werden. Es ist wichtig, dass die drei Jungs auf dem Podium auch später tatsächlich als erste Drei gewertet werden." Mit der Beratung durch erfahrene Piloten sei es den Rennkommissaren möglich, kurzfristig wichtig Entscheidungen zu treffen, die nachvollziehbar und vor allem für alle Beteiligten akzeptabel seien.

"Das ist sehr positiv", lobt auch Nico Hülkenberg die Neuregelung auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Wenn man nie Rennen gefahren ist und noch nie in einem Formel-1-Auto saß, dann kann man gewisse Dinge einfach gar nicht wissen. Ein Rennkommissar weiß doch gar nicht, wie eingeschränkt unsere Sicht ist. Es geht bei uns um den Bruchteil einer Sekunde, wenn wir Entscheidungen treffen - die dann gut, oder schlecht sind."

Lob von Hülkenberg

"Ich will den anderen Rennkommissaren nichts absprechen. Wir brauchen diese Leute. Ich bin aber jedenfalls sehr froh, dass ein Rennfahrer dabei ist", sagt der Williams-Pilot. Die Akzeptanz ist den neuen rennfahrenden Kommissaren sicher: "Ich betrachte einen Rennfahrer in dieser Rolle als neutrale Person. Dieser Fahrer wird auch mal solche Situationen gehabt haben. Er weiß, worüber er redet", erklärt Hülkenberg.

"Es gibt bisher ausschließlich positive Signale", freut sich Kristensen. Es sei für ihn eine Ehre, als Formel-1-Rennkommissar benannt worden zu sein. Auch Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich stimmte dem "Nebenjob" sofort zu. "Wenn mich Jean Todt nochmal anruft, mache ich es gern noch einmal", kündigt der dänische Audi-Werksfahrer an. Unter anderem sollen auch Heinz-Harald Frentzen und Damon Hill als Kommissare fungieren.

Dass Kristensen gern einen weiteren Einsatz als Rennkommissar haben möchte, liegt auch an einem anderen Fakt: "Man hat in den Räumen der Rennleitung den besten Blick auf das Rennen - besser als auf jedem Fernseher", lacht der achtmalige Le-Mans-Champion. "Man hat sehr viele Monitore, kann alles ganz genau beobachten und außerdem verfolgt man die Funksprüche der Teams. Näher dran kann man kaum sein."

Fotoquelle: xpb.cc


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