Podium: Fernando Alonso übergießt Sieger Mark Webber mit Champagner

Formel 1 2010

— 09.05.2010

Barcelona: Souveräner Sieg für Webber

Mark Webber gewinnt den unerwartet spannenden Spanien-Grand-Prix vor Fernando Alonso - Sebastian Vettel und Lewis Hamilton im Pech

Mit dem eigentlich vorprogrammierten Red-Bull-Doppelsieg ist es heute in Barcelona zwar nichts geworden, aber zumindest für einen einfachen Triumph hat es nach dem bislang so dominanten Wochenende dann doch gereicht. Mark Webber lieferte im Rennen eine souveräne Vorstellung ab und sicherte sich beim Grand Prix von Spanien seinen ersten Saisonsieg.

Doch während Webber an der Spitze meist ganz einsam unterwegs war, wurde dahinter erstaunlich viel Action geboten. Es blieb sogar bis zum Schluss spannend, denn Sebastian Vettel musste seinen Red Bull mit massiven Bremsproblemen ins Ziel schleppen und erbte einen Podestplatz nur durch einen späten Ausfall von Lewis Hamilton (McLaren). Profiteur der Probleme der beiden war Lokalmatador Fernando Alonso (Ferrari), der vom vierten auf den zweiten Platz nach vorne kam.

Vorentscheidung am Start

Bei angenehm warmen 20 Grad und durchgehend trockenen Bedingungen ging es schon am Start interessant los: Vettel kam gut von der Linie weg und setzte sich rechts neben Webber, hatte dadurch aber die Außenbahn in der ersten Kurve und musste knapp zurückstecken. Beinahe hätte aber Hamilton die beiden Red Bulls mit F-Schacht-Boost überrumpelt, wenn er nicht beim Erlöschen der Ampel etwas zu langsam in die Gänge gekommen wäre.

So blieb die Reihenfolge auf den vordersten Positionen unverändert. Weiter hinten kam es zu einer Berührung zwischen Nico Rosberg (Mercedes) und Robert Kubica (Renault), durch die Rosberg in die Wiese musste, und auch Pedro de la Rosa (Sauber) touchierte einen Konkurrenten, was beim Spanier zu einem Reifenschaden führte. Ein paar Kurven weiter segelte dann Bruno Senna (HRT) quer durchs Kiesbett - der Rookie hatte sich einfach verschätzt.

Einer der Gewinner des Starts war Lokalmatador Jaime Alguersuari (Toro Rosso), der sich mit dem Messer zwischen den Zähnen vom 15. auf den neunten Rang verbesserte. Vorne sortierte sich indes alles ein - und es roch nach der üblichen Barcelona-Prozession, als Webber schon nach zwei Runden 0,9 Sekunden vor Vettel und 1,7 vor Hamilton in Führung lag. Allerdings konnten sich die Red Bulls nicht ganz so dramatisch absetzen, wie man das nach den Trainings befürchten musste.

Rennen zum Vergessen für Rosberg

Vitantonio Liuzzi (Force India), der kurz vor Schluss mit Defekt ausrollte, eröffnete in der zwölften Runde die regulären Boxenstopps. In Runde 14 kamen Michael Schumacher (Mercedes) und Felipe Massa (Ferrari) gleichzeitig rein - und dann auch Rosberg, bei dem es eine Panne gab: "Ich habe im Spiegel gesehen, wie ein Mechaniker die Hände über die Augen geworfen hat. Da dachte ich mir, ich bleibe lieber mal stehen - und dann kamen sie auch schon angerannt", schildert der Deutsche.

Während der Nachmittag für ihn - bis auf einen Zweikampf mit Nico Hülkenberg (Williams) um Platz 15, den er dank eines tollen Überholmanövers gewann - damit praktisch gelaufen war, spitzte sich an der Spitze die Spannung zu. Denn im 16. Umlauf kam Vettel an die Box, eine Runde später Webber und Hamilton - und Vettel fiel trotz des an und für sich positiven ersten Boxenstopps hinter Hamilton auf Platz drei zurück!

Was war passiert? Vettel konnte nach seinem Boxenstopp offenbar nicht sofort losfahren, weil gerade ein anderes Auto die Boxenstraße entlangkam. Beinahe hätte es trotzdem gegen Hamilton gereicht, denn dem McLaren-Piloten stand in der ersten Kurve ein Nachzügler im Weg. Damit alle drei Autos heil durch die Kurve kommen konnten, musste Vettel die asphaltierte Auslaufzone nutzen, womit er im Zweikampf geschlagen war.

Vettel mit mehreren Problemen

Von da an erlebte der Red-Bull-Pilot einen Nachmittag zum Vergessen: Während Teamkollege Webber vorne ein einsames Rennen fuhr, hatte Vettel keine ernsthafte Chance, Hamilton zu attackieren. Doch es sollte noch schlimmer kommen: "15 Runden vor Schluss traten Bremsprobleme auf. Da musste ich dann froh sein, überhaupt ins Ziel zu kommen." Ganz zum Schluss musste Vettel fast komplett auf das Bremspedal verzichten und stattdessen mit dem Motor bremsen.

Mit offensichtlichen Bremsproblemen kam Vettel zwischendurch von der Strecke ab, anschließend absolvierte er einen weiteren Boxenstopp. An vierter Stelle liegend hatte er zwar nach hinten genügend Puffer zu Schumacher, aber das Podium schien verloren - bis in der drittletzten Runde Hamilton mit Reifenschaden abflog! "Heute ist eine Menge schief gelaufen", fasst Vettel seinen schwierigen Renntag zusammen.

"Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll, denn das Rennen ist fürchterlich gelaufen, aber ich bin trotzdem Dritter geworden. Das sind wertvolle Punkte", grinst er und berichtet: "Der Start war okay, aber es hat sich nicht gelohnt, das Risiko gegen Mark einzugehen. Innen war weniger Grip, also probierte ich es außen, aber es hat nicht gereicht. Dann hatte ich ein bisschen Probleme mit der Balance, aber Mark war heute einfach nicht zu schlagen."

Reifenschaden bei Hamilton

Hamiltons Abflug in der schnellen Renault-Kurve kam nicht ganz aus dem Nichts, denn der Weltmeister von 2008 hatte schon ein paar Runden zuvor abbauenden Grip gemeldet. Dass gerade das linke Vorderrad in Barcelona extremen Belastungen ausgesetzt ist, weiß man - und just links vorne trat der Reifenschaden auf. Dadurch rutschte plötzlich noch Alonso auf den zweiten Platz nach vorne, für den es eigentlich nicht mehr nach einem Podium ausgesehen hatte.

"Ich bin sehr glücklich über den zweiten Platz. Wenn du am Ende noch unerwartet zwei Positionen gewinnst, ist das sehr positiv", freut sich der Ferrari-Pilot. "Das Wochenende war aber nicht fantastisch. Platz vier im Qualifying war okay, Platz zwei im Rennen gut. Aber man hat klar gesehen, dass wir uns in einigen Bereichen noch steigern müssen, wenn wir es mit Red Bull aufnehmen wollen. Dafür haben wir hier viel gelernt."

Tolle Leistung von Schumacher

10,8 Sekunden hinter Vettel kam Schumacher ins Ziel, der im Gegensatz zu Teamkollege Rosberg ein reibungsloses Rennen erlebte. Der siebenfache Weltmeister behauptete am Start den sechsten Platz und gewann eine Position durch den Boxenstopp von Jenson Button (McLaren). Wie sich Schumacher den aus der Box kommenden Titelverteidiger außen in der ersten Kurve schnappte, erinnerte an frühere Glanzzeiten - eindeutig das Manöver des Tages!

In der Folge verteidigte er sich mit klar unterlegenem Fahrzeug gegen den schnelleren Button, der auf den Geraden mit F-Schacht-System einen deutlich besseren Topspeed hatte. Aber Schumacher packte seine ganze Routine aus. "Die Zweikampfsituation konnte ich gut kontrollieren", analysiert der Vierte des Rennens, der am Ende doch 1,5 Sekunden Vorsprung auf Button hatte - und damit das bisher beste Ergebnis seit dem Comeback nach Hause fuhr.

Aber ein Wehrmutstropfen bleibt bei Mercedes: "Wir waren sehr langsam, besonders ich. Im Rennen ging gar nichts mehr. Da mache ich mir schon Sorgen", seufzt Rosberg, und auch Sportchef Norbert Haug sagt selbstkritisch: "Das war gar nichts vom Speed, doch Michael hat seine Klasse gezeigt und Weltmeister und Tabellenführer Button auf der Strecke geschlagen - obwohl er dazu nicht das perfekte Auto hatte."

Massa mit lädiertem Frontflügel

Nur zwei Sekunden hinter Button kam Felipe Massa (Ferrari) ins Ziel, der klar im Schatten von Alonso stand. Noch vor Rennmitte hätte sein Rennen auch beendet sein können, als er beim Überrunden ins Heck von Karun Chandhok (HRT) krachte und sich dabei den Frontflügel beschädigte. Die Boxencrew war schon bereit zum Nasenwechsel, aber dann merkte Massa: Es geht doch. Und sein Renningenieur funkte: "Du bist jetzt sogar eine halbe Sekunde schneller..."

Adrian Sutil (Force India) fuhr nach einer hervorragenden ersten Runde ein starkes Rennen und wurde Siebter, obwohl er Kubica über weite Strecken im Genick hatte. Rubens Barrichello (Williams) und Alguersuari rutschten ebenfalls noch in die Punkte. Letzterer handelte sich eine Durchfahrstrafe ein, als er beim Überrunden von Chandhok zu früh auf die Ideallinie zurückwechselte und dem HRT-Piloten über den Frontflügel fuhr.

Apropos Durchfahrstrafe: So eine gab es auch für Liuzzi, weil er bei einem Duell mit Sébastien Buemi (Toro Rosso) in der ersten Kurve zu aggressiv agierte. Buemi schied später aus. Insgesamt kamen 19 Autos in die Wertung; Heikki Kovalainen (Lotus) konnte wegen eines Getriebeproblems nämlich gar nicht erst starten. Den "kleinen" Grand Prix der neuen Teams gewann heute übrigens Jarno Trulli (Lotus) mit drei Runden Rückstand, aber 1,4 Sekunden vor Timo Glock (Virgin).

Sauber wieder ohne Punkte

Das Sauber-Team, das sich für das Rennen so viel ausgerechnet hatte, erlebte einen enttäuschenden Nachmittag, denn Kamui Kobayashi verspielte den Bonus der guten Startposition schon am Start, während de la Rosa ebenfalls früh k.o. ging. Vitaly Petrov (Renault) ließ zwischenzeitlich mit schnellen Rundenzeiten aufhorchen, schrammte aber als Elfter um sieben Sekunden an einem Punkt vorbei. Sieger Webber konnte das alles aber egal sein.

"Ich bin überglücklich", jubelt der Australier. "Nach dem Qualifying hatten wir eine gute Ausgangsposition und ich habe die erste Kurve gewonnen. Das war eine sehr wichtige Phase im Grand Prix. Dann kam ich nach und nach in meinen Rhythmus, ich habe ein bisschen auf die Reifen geachtet - und die Boxenstopps waren auch sauber. Als ich dann Lewis hinter mir hatte, ging es nur noch darum, den Abstand zu kontrollieren."

In der Weltmeisterschaft führt damit weiterhin Button, der mit seinen heutigen zehn Punkten insgesamt bei 70 Zählern steht. Es liegen jedoch acht Fahrer innerhalb von 26 Punkten, sodass nach erst fünf von 19 Rennen noch alles offen ist. Schumacher (22) ist derzeit Neunter. Bei den Konstrukteuren liegt McLaren (119) vor Ferrari (116) und Red Bull (113). Weiter geht es schon am kommenden Donnerstag mit dem Freien Training in Monte Carlo.

Fotoquelle: xpb.cc


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