Mark Webber hat nach dem Sieg in Barcelona allen Grund zum Strahlen

Formel 1 2010

— 09.05.2010

Das große Siegerinterview mit Mark Webber

Barcelona-Sieger Mark Webber in der FIA-PK: Über seine Solofahrt beim Grand Prix von Spanien und ein ganz besonderes Geschenk an die Fans

Frage: "Mark, Fernando hat dich und Red Bull am Freitag als unschlagbar beschrieben. Heute habt ihr das bewiesen. Du musst sehr glücklich sein, nicht wahr?"
Mark Webber: "Ja, total! Durch das Qualifying hatten wir eine hervorragende Ausgangsposition. Wir wussten, dass der Weg zur ersten Kurve hier ziemlich weit ist und dass wir einige Autos hinter uns hatten, die auf den Geraden sehr schnell sind, also war es besonders wichtig, den Start hinzubekommen und als Führender durch die erste Kurve zu fahren."

"Wir hatten einen guten Kampf und dann fand ich im ersten Stint einen guten Rhythmus. Ich achtete auf die Reifen, denn ich wollte die weichere Mischung unbedingt über die Runden bringen. Alle lernen noch von Strecke zu Strecke dazu, wie sich die Reifen verhalten. Wir hatten schon eine Ahnung, wie sie sich entwickeln müssten, aber man weiß ja nie. Aber sie haben den Stint gut überstanden. Der Boxenstopp war sauber. Zu dem Zeitpunkt war noch Seb hinter mir, nach dem Boxenstopp dann Lewis. Da musste ich den Abstand nur noch kontrollieren."

Einsame Fahrt an der Spitze

"Ich schonte das Auto, den Motor und die Reifen so gut wie möglich, denn diese Grands Prix dauern ziemlich lang und die Autos werden nur für eine bestimmte Distanz gebaut. Das Team war diese Woche unglaublich, hat die Autos rechtzeitig fertig bekommen. Dafür waren lange, lange Nächte erforderlich. Auch in der Fabrik haben sie hart gearbeitet. Sie arbeiten in den Ferien, Red Bull und Renault haben alles gegeben. Ich als Fahrer habe meinen kleinen Beitrag geleistet und am Ende hat es zu einem fantastischen Ergebnis gereicht. Ich bin absolut überwältigt."

Frage: "Ein Red Bull war zuverlässig, der andere nicht. Wie glaubst du, dass sich die Weltmeisterschaft nach diesem Rennen entwickeln wird?"
Webber: "Es ist noch früh. Es gibt einige konkurrenzfähige Autos, vor allem Red Bull, Ferrari und McLaren, aber es hat auch einige andere starke Fahrer, also liegt noch ein langer, langer Weg vor uns. Wir müssen mal abwarten, wie das Auto auf unterschiedlichen Strecken läuft. Die Autos reagieren sehr unterschiedlich auf verschiedene Strecken, insofern kann in den nächsten fünf oder sechs Monaten noch eine Menge passieren."

"Du brauchst ein schnelles Auto, aber du brauchst auch eines, das dich nie hängen lässt. Der Ausfall von McLaren heute zeigt, dass alle am Limit sind. Ferrari hatte schon Motorschäden. Wir könnten natürlich Traktoren bauen, aber die wären zu langsam. Formel-1-Autos müssen genau am Limit sein. Da suchen alle den besten Kompromiss."

Frage: "Wie viel bedeutet dir dieser Sieg?"
Webber: "Es ist ein besonderer Sieg. Der erste ist immer speziell, aber dieser steht dem nicht in viel nach. Ich musste gestern sehr hart arbeiten - auch wenn man das in der Formel 1 sowieso immer muss. Die Pole war entscheidend. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl im Auto. Es war am Start nicht einfach, aber dann sah ich, wie der Vorsprung größer wurde, und das hilft natürlich. Ich baute dadurch Vertrauen auf und dann konnte ich mich absetzen."

"Die Reifen habe ich ja schon angesprochen. In den ersten zehn bis 15 Runden sind die Autos sehr schwer und man muss aufpassen, dass man den Reifen nicht zu viel zumutet. Ich habe mitbekommen, dass Lewis und Seb Positionen getauscht haben. Von da an kontrollierte ich den Abstand nur noch und ich pflügte durch den Überrundungsverkehr, von dem es heute ziemlich viel gab. Die meisten Jungs gehen brav aus dem Weg, aber eben nicht alle, daher drehte ich ein paar schnelle Runden, nur um auf der sicheren Seite zu sein."

"Es war eine sensationelle Leistung des Teams. Wir hatten im Qualifying und im Rennen ein absolut fehlerfreies Grand-Prix-Wochenende und heute haben wir alles sehr gut umgesetzt. Seb wäre mit einem reibungslosen Rennen wohl Zweiter geworden, also sind uns ein paar Konstrukteurspunkte durch die Lappen gegangen, aber für mich war es ein besonderer Tag. Leider kann ich mich heute Abend nicht betrinken, denn am Mittwoch sind wir schon wieder an der Strecke!"

Frage: "Warst du überrascht, dass du dich am Anfang von Sebastian absetzen konntest?"
Webber: "Ja. Mit einigen Runden war ich nicht zufrieden. Du redest dir immer ein, dass hier und da etwas mehr gegangen wäre, aber ich dachte, Seb würde ähnliche Probleme haben. Es war also eine Überraschung, aber eine angenehme. Das macht einem das Leben schon einfacher."

Besonderer Dank an die Crew

Frage: "Du hast dich dieses Wochenende immer wieder bei deinem Team bedankt. Kannst du ein paar Beispiele dafür nennen, wie sich dir nahestehende Menschen für dich eingesetzt haben?"
Webber: "Es begann schon am Rückweg von Schanghai. Viele Leute steckten dort fest. Unser Team war davon vielleicht weniger betroffen, aber auf einmal waren viele Zeitpläne verzögert. Man musste wieder in den Rhythmus finden, das Rennteam musste in die Fabrik und in der Fabrik musste alles wieder in Schwung kommen. Dabei wurden astronomische Stunden gearbeitet."

"Vor ein paar Wochen hatten wir einen Feiertag am Montag. Die Jungs haben aber alle gearbeitet, um das Auto vorzubereiten, und sie haben noch dazu Überstunden geschoben. Okay, das tun vielleicht alle Teams, aber unsere Jungs arbeiten mit besonderer Intensität. Ihnen werden Dinge aufgetragen und sie hinterfragen das nicht einmal. Alle ziehen an einem Strang."

"Kenny (Handkammer; Chefmechaniker) kam heute mit auf das Podium. Er ist schon lange in der Formel 1 und ich fand es schön, ihn das erste Mal auf das Podium mitzunehmen. Er hat schon viele, viele Grands Prix als Chefschrauber gewonnen, gemeinsam mit seinen Soldaten. Gut, dass wir von Red Bull geführt werden, denn das Zeug hält die Jungs wach, wenn sie wieder mal Überstunden schieben! Okay, Seb hatte heute nicht das beste Rennen, aber es gab keine Fehler an den Autos, obwohl die Jungs unter enormer Belastung standen. Das ist stark."

Frage: "Du scheinst dich über diesen Sieg besonders zu freuen..."
Webber: "Ja. Wir sind in Spanien. Alle Siege waren schön. Brasilien war vielleicht ein bisschen von Jensons Titelgewinn überschattet, aber heute war Fernandos Heimrennen. Es war mein Tag und ich bin sehr glücklich. Ich startete von Pole und konnte das Rennen konzentrieren. Solche Siege passieren nicht jeden Tag."

"Ich habe gesagt, wenn ich dieses Jahr mein erstes Rennen gewinne, mache ich etwas anderes, also habe ich meinen Helm ins Publikum geschmissen. Das ist ein Geschenk an die Fans, die in der Formel 1 nicht immer am besten behandelt werden. Es ist der erste Saisonsieg eines Fahrers von der Pole-Position und es ist der zehnte Sieg hintereinander des Polesetters auf dieser Strecke. Die Pole ist hier einfach wichtig. Wir haben es hinbekommen."

Frage: "Jetzt geht es weiter nach Monaco. Wird euer Auto dort gut sein?"
Webber: "Das sollte es. Wir wissen, dass es eine besondere Strecke ist, einmalig auf dem Kalender. Es ist eine sensationelle Herausforderung für die Fahrer. Wir alle fahren gerne dort. Wenn man heute eine Strecke so designen wollte, wäre das sicher nicht mehr möglich. Monaco ist am Limit. Wir alle wissen das. Außerdem fahren wir schon am Donnerstag und haben dann am Freitag Pause. Die ganze Atmosphäre ist gut und es ist ein besonderer Grand Prix. Uns allen ist klar, dass die erste Startreihe auch dort entscheidend ist."

Frage: "Es wird vielleicht einige Australier auf den Jachten geben..."
Webber: "Viele Australier arbeiten auf den Booten. Heute habe ich auch ein paar australische Flaggen gesehen - leider nicht so viele wie spanische! Es war schön, dass Fernando bei seinem Heimrennen mit uns auf dem Podium stand, aber ein paar mehr australische Flaggen hätten mich gefreut."

Fotoquelle: xpb.cc


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