Vom Rascasse-Manöver 2006 will Michael Schumacher in Monaco nichts hören...

Formel 1 2010

— 12.05.2010

Schumacher: "Ich rede nicht über 2006..."

Mercedes-Pilot Michael Schumacher in seiner Medienrunde über das "Parkmanöver" in der Rascasse und die Chancen im diesjährigen Rennen

Fünfmal durfte Michael Schumacher nach dem Großen Preis von Monaco bisher schon in der Fürstenloge vorstellig werden, um sich dort den größten Pokal abzuholen. 2010 kehrt der 41-Jährige zurück an den Ort, der ihn noch immer sehr fasziniert. In seiner Medienrunde gibt sich Schumacher vor dem Trainingsauftakt der Formel 1 betont entspannt und aufgeregt zugleich. Über die Rascasse-Affäre von 2006 spricht der siebenmalige Weltmeister nicht - über Barcelona hingegen sehr wohl.

Frage: "Michael, in Barcelona konntest du deine bislang beste Leistung seit deiner Rückkehr zeigen, indem du Rang vier belegt hast..."
Schumacher: "Dennoch fehlte uns im Vergleich zu Red Bull einiges an Leistung. Sogar auf Ferrari und McLaren haben wir einiges eingebüßt. Als Team haben wir aber großartige Arbeit geleistet."

"Meine Jungs waren beim Boxenstopp schlichtweg fantastisch. Sie haben es mir letztendlich ermöglicht, diese Position einzunehmen. Nur so konnte ich Jenson attackieren. Überholen ist nicht einfach in Barcelona, auch wenn er den Geschwindigkeitsvorteil hatte. Es ist uns gelungen, vor ihm zu bleiben. Wir hatten einen interessanten Nachmittag. Es war eine schöne Herausforderung, die mir viel Spaß gemacht hat."

Frage: "Du hast hier in Monaco bereits fünfmal gewonnen. Dieser Kurs gilt als Fahrerstrecke. Freust du dich schon auf dieses Wochenende?"
Schumacher: "Allerdings. Wie Sie schon sagten: Es ist eine sehr interessante Strecke. Für uns Fahrer stellt dieser Kurs eine große Herausforderung dar, was logischerweise die Natur der Rennbahn mit sich bringt."

"Irgendwie ist es aber schon paradox: Wir Rennfahrer streben immer nach einer besseren Sicherheit und danach, möglichst sichere Strecken zu haben. Auf der anderen Seite reisen wir alljährlich nach Monte Carlo und tragen dort ein Rennen aus. Das macht aber großen Spaß."

Ein Sieg in Monte Carlo ist etwas Besonderes

Frage: "Du hast in deiner Karriere schon so viele Rennen gewonnen, aber was macht einen Rennsieg in Monte Carlo so besonders?"
Schumacher: "Die Strecke an sich. Man fährt hier mit unglaublich hoher Geschwindigkeit direkt an den Leitplanken vorbei. Die technische Herangehensweise an diesen Kurs ist einfach einmalig."

"Hinzu kommt die über 60-jährige Geschichte der Formel 1 in Monaco. Das komplettiert gewissermaßen diesen einzigartigen Event. Monaco ist etwas Besonderes und das ist doch ein guter Grund, um hier gewinnen zu wollen."

Frage: "Was macht diesen Kurs zu einer Fahrerstrecke? Wie kann sich ein Pilot in Monaco besonders in Szene setzen?"
Schumacher: "Du bist bei dieser hohen Geschwindigkeit stets am Rande der Leitplanken unterwegs. Du brauchst ein optimales Setup und musst den Fluss der Strecke erkennen. Das ist etwas sehr Spezielles."

"Auf anderen Strecken gibt es Auslaufzonen und ein paar Randsteine mehr, die du verwenden kannst. Da hast du dieses eine Prozent mehr Sicherheit. Hier in Monte Carlo kannst du dir keinerlei Fehler erlauben. Darüber hinaus muss dein Timing stimmen. Die Einstellungen des Autos und dein Gefühl für diese Rennstrecke sind entscheidend."

"In manchen Jahren passt eben alles perfekt zusammen: Du hast die richtige Temperatur, die richtigen Rahmenbedingungen und du lieferst eine fantastische Arbeit ab. Andererseits kann es auch passieren, dass du dasselbe Auto fährst, es aber nicht hinbekommst."

In Monaco muss alles passen

Frage: "Alle vier Weltmeister, die hier am Start sind, haben in Monaco bereits gewonnen. Wie würdest du das bewerten? Ist ein Sieg in Monte Carlo so prestigeträchtig wie ein WM-Titel?"
Schumacher: "Nicht ganz, aber man könnte es vielleicht direkt darunter einordnen."

Frage: "Wie wir wissen, kann der Fahrer in Monte Carlo den Unterschied ausmachen. Glaubst du daher, dass Mercedes etwas näher an Red Bull und die anderen Topteams heranrücken kann?"
Schumacher: "Es handelt sich um eine Fahrerstrecke, das ist richtig. Die Piloten scheinen hier dazu in der Lage zu sein, die Abstände etwas anders zu gestalten als auf normalen Kursen."

"Wir haben nun aber eine ganze Reihe an Topautos und auch eine größere Anzahl von Topfahrern in eben diesen Autos. Es wird also zweifelsohne sehr schwierig, einen deutlichen Unterschied auszumachen. Das ist meine Meinung, aber da kann ich auch falsch liegen."

"Es gibt Jahre oder auch Tage, an denen alles zusammenläuft. Da kannst du einfach dieses Extraquäntchen herausholen und wirkst dadurch beinahe übermenschlich. Manchmal hängst du dich genau so sehr rein, bringst es aber nicht auf den Punkt. Du kannst es dir nicht erklären."

"Wir müssen also abwarten, wie dieses Wochenende für uns verläuft und wie gut unser Auto zu dieser Strecke passt. Es geht darum, ein passendes Setup und einen guten Rhythmus zu finden. Letztendlich müssen auch noch die Rundenzeiten stimmen. Es müssen also zahlreiche Faktoren zusammen kommen."

Die Qualifikation als Härtetest

Frage: "Du bist einer der wenigen Fahrer, die noch mit einem viel größeren Starterfeld in Monte Carlo unterwegs waren. Kannst du dich daran erinnern, wie es war, als du als einer von über 26 Fahrern hier eine Qualifikation bestritten hast? Wie war damals die Verkehrslage?"
Schumacher: "Heute liegt das Feld insgesamt etwas enger zusammen."

"Vor einigen Jahren war es noch vollkommen normal, dass es zwischen den Schnellsten und den Langsamsten einen Unterschied von fünf bis sechs Sekunden gab. Je weiter man im Feld zurückging, umso größer wurden die Abstände. In Bezug auf die Rundenzeiten ist der Wettbewerb nun deutlich enger."

"Wir haben 24 Fahrzeuge auf einer Strecke von 3,6 Kilometern Länge - damit hat jedes Auto ungefähr 200 Meter Raum, wenn alle Fahrer unterwegs sind. Das ist nicht viel, gerade in Bezug auf die Qualifikation. Die erste Teilsession des Zeittrainings wird also gewiss überaus interessant. Wir Fahrer hatten vorgeschlagen, diese erste Einheit aufzuteilen. Zum Beispiel in zwei Gruppen, um jeder Gruppe zehn Minuten zu geben."

"Einige Teamchefs waren aber der Ansicht, dass sie von der normalen Variante und dem zu erwartenden Chaos mehr profitieren könnten. So ist die Ausgangslage und damit müssen wir uns nun auseinander setzen. Schauen wir einmal, wer darunter leiden muss."

Schumacher zur Rascasse 2006: Kein Kommentar

Frage: "Bei deiner bis dato letzten Qualifikation gab es eine Kontroverse um dein Manöver in der Rascasse-Kurve. Wenn du nun mit etwas zeitlichem Abstand darauf zurückblickst, bereust du dann etwas?"
Schumacher: "Es würde ja nichts daran ändern, wenn wir uns nun erneut damit befassen. Wir schrieben jetzt schließlich das Jahr 2010. Ich hatte damals aber viel Spaß im Rennen. Ich bin von hinten losgefahren und kam als Fünfter an. Das war klasse."

Frage: "Das Wort 'Entschuldigung' kommt einem generell nur schwer über die Lippen. Ist das der Grund, weshalb du nicht dazu in der Lage bist, dich für die Ereignisse von vor vier Jahren zu entschuldigen?"
Schumacher: "Wie ich schon sagte: Ich rede hier über 2010 und nicht über 2006. Ich denke, zu dieser Sache wurde bereits genug gesagt. Meiner Meinung nach besteht kein Grund, tiefer in diese Materie einzusteigen."

Frage: "Als du in Imola 2006 den Pole-Position-Rekord von Ayrton Senna gebrochen hast, warst du in der anschließenden Pressekonferenz überaus emotional. Solltest du hier gewinnen, würdest du Sennas Monaco-Rekord an Siegen einstellen. Was würde dir das bedeuten? Würdest du ähnlich emotional reagieren, wo dies doch der Platz ist, an dem Ayrton dominierte?"
Schumacher: "Emotional zu sein ist etwas Natürliches. In den Drehbüchern zu Filmen steht genau, wann es emotional wird."

"Ich kann hingegen nicht vorhersehen, welche Gedanken mir durch den Kopf gehen werden, wenn ich was auch immer erreiche. Die Frage ist doch vielmehr: Können wir an diesem Wochenende einen Sieg holen oder nicht? Das müssen wir einfach abwarten."

"Wenn wir uns an Barcelona erinnern, dann macht es vielleicht keinen Sinn, über Siege zu sprechen. Wir lagen dort schließlich ziemlich weit zurück. Im Hinblick auf Nicos Leistung in China waren wir dort aber sehr nahe dran. Wer weiß also, was uns diese Strecke in dieser Kombination zu bieten hat?"

Ist Mercedes in Monte Carlo siegfähig?

Frage: "Mercedes setzt an diesem Wochenende wieder auf ein Fahrzeug mit kürzerem Radstand. Wirst du damit zurecht kommen? Es scheint, dass dir der längere Radstand am W01 viel besser liegt..."
Schumacher: "Der längere Radstand bietet mir offensichtlich eine größere Bandbreite an Setupvarianten. Dadurch habe ich, wie ich schon in Barcelona betonte, mehr Möglichkeiten, um das Auto einzustellen."

"Wenn aber der längere Radstand mit vielen Setupansätzen langsamer ist als der kürzere Radstand mit wenigen Setupoptionen, dann setze ich doch auf den kürzeren Radstand. Und genau mit einem solchen Szenario werden wir es hier höchstwahrscheinlich zu tun bekommen."

Frage: "Noch kannst du dir vermutlich nicht sicher sein, wie sich der Mercedes hier verhalten wird. Haben die Simulationen diesbezüglich einige Anhaltspunkte geliefert?"
Schumacher: "Leider nicht. Wir als Team waren wirklich überrascht von den Leistungen, die wir in China und anschließend in Barcelona zeigen konnten."

"Das war ein großer Unterschied, den wir zum Teil verstehen. Zum Teil verstehen wir diese Sache aber auch nicht. Monaco ist auf jeden Fall eine große Unbekannte, weil diese Rennstrecke überaus speziell ist. Monte Carlo unterscheidet sich deutlich von allen anderen Kursen, die wir bislang besucht haben."

Fotoquelle: xpb.cc


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