Colin Kolles treibt seine HRT-Mannschaft unermüdlich weiter voran

Formel 1 2010

— 21.05.2010

Kolles und der harte HRT-Kampf

HRT-Teamchef Colin Kolles über die weiteren Ziele 2010 und die Aussichten für das kommende Jahr: Dallara-Vertrag gekündigt, 2011 kommt der Eigenbau

Dass es die Campos-Nachfolgemannschaft HRT überhaupt pünktlich zum Saisonstart nach Bahrain geschafft hat, bezeichnet Teamchef Colin Kolles noch heute als seinen größten Erfolg. Die beiden von Dallara entworfenen Formel-1-Boliden der Spanier sind allerdings in der Hackordnung der Königsklasse ganz hinten. Das hat seine Gründe: Von mehreren Seiten war zu hören, dass der italienische Chassisbauer schlechte Arbeit abgeliefert hat.

Die Beziehung zwischen HRT und Dallara ist nicht schlecht, sondern sie ist schlicht nicht mehr existent. Der Vertrag mit den Italienern wurde gekündigt. "Das war das erste, was ich gemacht habe", gibt Kolles im Interview mit 'Autosport' zu Protokoll. Mit bescheidenen Mitteln wollen die Spanier ihr Fahrzeug nun langsam voranbringen. "Wir wollen zwei Updates präsentieren. Wir konzentrieren uns auf Frontflügel und Diffusor. Wir können nicht das Auto als Ganzes bearbeiten", so der Teamchef.

Finanzen und Feedback: Möglichst viel, möglichst billig

Über der weiteren Zukunft von HRT standen kurz nach dem Saisonstart viele Fragezeichen. Die beiden Boliden sind grau, kaum farbenfrohe Sponsoren sind zu erkennen. Es mangelt an Geld. "Zeit ist aber unser größtes Problem", erklärt Kolles. "Wir haben ein Problem mit dem Auto. Wir wollen nun wenigstens versuchen, möglichst professionell aufzutreten. Wenn man uns im Fahrerlager sieht, dann merkt man kaum, dass wir bis Februar nicht einmal existierten."

Der gebürtige Rumäne erwartet von seiner Mannschaft und vom gesamten Umfeld in erster Linie "konstante Fortschritte - es muss täglich vorangehen", weil er seinen Traum noch nicht aufgegeben hat. "Wir wollen bestes neues Team werden", so Kolles selbstbewusst. "Wir haben ein starkes Team. Aber natürlich gibt es noch viel Arbeit." Aus diesem Grund holte man sich mit Christian Klien einen erfahrenen Mann als Testpiloten.

"Das war einfach nur logisch", erklärt der HRT-Teamchef. "Man erinnere sich an Force India. Dort haben wir damals ein 'Shootout' mit mehreren Fahrern veranstaltet, der Titel kam aber nur über die Presse. Für uns war es die Möglichkeit, das Feedback von mehreren Piloten zu bekommen. Nur dadurch haben wir das Auto verbessern können, ohne dafür Geld in die Hand nehmen zu müssen. Unsere Piloten sind noch keine vergleichbaren Autos gefahren. Wir brauchen Feedback, um die größten Baustellen auszumachen."

Chassisbau und Verträge: Was wird Willis machen?

Die Technikabteilung wird bald auf zwei Hochzeiten tanzen müssen. HRT will für 2011 ein eigenes Auto bauen. Der erfahrene Techniker Geoff Willis soll die Fäden beim Eigenbau ziehen. "So ist der Plan. Es gibt da zwischen uns eine eindeutige Vereinbarung", sagt Kolles, der allerdings die Frage nach der vertraglichen Bindung Willis' an HRT nicht beantworten möchte. "Wir haben ein gutes Verhältnis" - so umschifft der Deutsche die Nachfrage.

Willis selbst scheint von der großen Herausforderung HRT noch nicht ganz überzeugt. "Ich muss mir ernsthafte Gedanken machen, ob es für mich interessant ist, bei einem Team zu bleiben, dessen Auto am Ende des Feldes herumfährt", hatte der frühere Red-Bull-Techniker Anfang April im Interview mit 'Motorsport-Total.com' verraten. "Es muss genug Geld vorhanden sein, um etwas bewegen zu können", sagt Willis.

Ursprünglich wollte Willis bis zum Grand Prix von China eine endgültige Aussage zu seiner Zukunft treffen, doch dies ist bislang ausgeblieben. Die finanzielle Seite des Teams wird konsequent beackert. "Wir sind jeden Tag dran", verspricht Kolles. Bernie Ecclestone hatte kürzlich anklingen lassen, dass sich HRT schon jetzt in argen finanziellen Nöten befinde. Diese Einschätzung wurde von Kolles jedoch umgehend zurückgewiesen.

Fotoquelle: xpb.cc


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