Wer setzt sich bei Mercedes durch: Michael Schumacher oder Nico Rosberg?

Formel 1 2010

— 22.05.2010

"Schumis" Ex-Kollegen: "Nico muss aufpassen!"

J.J. Lehto und Co. warnen Nico Rosberg vor Michael Schumacher - Sportchef Norbert Haug trauert möglicher Siegchance in Monte Carlo nach

Nico Rosberg hatte das teaminterne Duell bei Mercedes im ersten Saisondrittel klar im Griff, liegt in den Qualifyings mit 5:1 und in der Punktewertung mit 56:22 vor Comeback-Superstar Michael Schumacher. Doch mit der Einführung einer neuen Ausbaustufe des Silberpfeils in Barcelona drohte das Kräfteverhältnis erstmals zu kippen.

Für das Kurvengeschlängel in Monte Carlo rüstete Mercedes einmalig vom langen auf den kurzen Radstand der Überseerennen zurück, ab Istanbul wird aber wieder die längere Variante zum Einsatz kommen. Sogar Rosberg selbst betont zwar beharrlich, dass diese Modifikationen auch ihm helfen müssten, aber die Verschwörungstheoretiker lassen sich davon nicht überzeugen. "Armer Nico", meint beispielsweise J.J. Lehto in der 'Auto Bild motorsport' . "Michael ist gerade wieder dabei, Auto und Team um sich herum aufzubauen. Nico leidet darunter."

Lehto erinnert sich an extreme Setups

"Michael fuhr schon früher extreme Abstimmungsvarianten. Er liebt eine direkte Front und ein loses Heck. Damit hatten damals bei Benetton Riccardo Patrese, Jos Verstappen und ich Probleme", erklärt der Finne, der 1994 vier Grands Prix an der Seite Schumachers bestreiten durfte. "Die jungen Piloten fahren heute ganz anders. Es würde mich wundern, wenn ein Auto, mit dem Michael zufrieden ist, Nico liegt."

"Nico muss aufpassen", glaubt auch Martin Brundle, 1992 neben dem angehenden deutschen Superstar der Routinier im Benetton-Team. "Michaels Stärke war schon früher, dass er extrem hart gearbeitet hat. Wie Lauda, Senna und Prost dachte er selbst im Hotel noch stundenlang darüber nach, was er besser machen kann. So zog er das Team automatisch auf seine Seite, weil er immer wieder mit neuen Ideen kam."

Allerdings meint der Brite, dass die Verschwörungstheorien, wie sie in manchen Internetforen kursieren, aus der Luft gegriffen sind, denn: "Mercedes gibt nicht hunderte Millionen Euro aus, um dann ihren WM-Anwärter langsamer zu machen. Aber vielleicht ist es aus Versehen passiert, dass man Nico geschwächt hat, weil man eigentlich Michael stärken wollte", so Brundle. Den bisher schnelleren Fahrer absichtlich einzubremsen, würde tatsächlich keinen Sinn machen.

Der leidgeprüfte Ex-Schumacher-Teamkollege Rubens Barrichello findet es "komisch, was da gerade passiert", allerdings sieht er bei allen Zweifeln daran, ob bei Mercedes alles mit rechten Dingen zugeht, doch eine ganz andere Situation als zu seiner Zeit bei Ferrari: "Damals endete es immer darin, dass ich für Michael fahren musste. Jetzt ist die Situation anders. Beide Fahrer sind gleichberechtigt." Schumacher sei aber "ein guter Politiker".

Rosbergs beste Chance ist, die Sache mit dem eigenen Speed zu kontrollieren, denn dann muss sich Mercedes früher oder später auf ihn konzentrieren. Das wäre dem Youngster am vergangenen Wochenende in Monte Carlo auch beinahe gelungen, denn nach dem zweiten von drei Qualifyings lag er noch an der Spitze des Feldes. Im letzten Abschnitt sind dem Kommandostand dann aber strategische Fehler unterlaufen, sodass es nur der sechste Platz wurde.

Verpasste Chance in Monte Carlo

"Wir haben im Qualifying sicher nicht das rausgeholt, was möglich gewesen wäre", ärgert sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug im Gespräch mit 'SpeedTV.com'. "Als Nico im Rennen freie Fahrt hatte, konnte man sehen, dass der Speed da war. Normalerweise ist der Schlüssel in Monaco, wie lange man im ersten Stint auf den weichen Reifen fahren kann. Nico ist einen sehr langen Stint mit sehr guten Zeiten gefahren, bis er wieder auf Verkehr aufgelaufen ist."

Mercedes hatte nämlich Schumacher zuerst an die Box geholt und wollte in der Runde darauf eigentlich auch Rosberg zum Service bitten, doch der konnte ohne Vordermann plötzlich so starke Zeiten fahren, dass man ihm noch ein paar Runden gab. Tatsächlich erarbeitete sich der 24-Jährige ein paar Sekunden, die ihn an Schumacher vorbeigebracht hätten, aber als Mark Webber nach seinem Boxenstopp unmittelbar vor ihm herauskam, hätte Mercedes schneller reagieren müssen. Nach ein paar Runden hinter dem späteren Sieger war der Vorteil wieder dahin.

Haug glaubt, dass Rosberg aus der ersten oder zweiten Startreihe ein Siegeskandidat gewesen wäre: "Wenn du dann einen guten Start hast und dem Zug folgen kannst, die anderen Jungs vor dir an die Box kommen müssen, dann hast du eine sehr gute Chance", spekuliert der 57-Jährige. "Stattdessen steckten wir hinter Barrichello fest, der am Start einen sehr guten Job gemacht und uns überholt hat. Aber er hat uns aufgehalten, daher war unser Rückstand zu groß."

Doch selbst wenn der MGP W01 in Monte Carlo tatsächlich konkurrenzfähig war, so ist noch lange nicht gesagt, dass das auch in einer Woche in Istanbul der Fall sein wird. Denn die Strecke in der Türkei erinnert mit ihren schnellen Kurven eher an Barcelona als an den Stadtkurs im Fürstentum, was bedeutet, dass die Aerodynamik dort eines der entscheidenden Kriterien ist - und die gilt im Moment nicht als Mercedes-Stärke...

Fotoquelle: xpb.cc


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