Adam Parr von Williams im Gespräch mit Mark Gallagher von Cosworth

Formel 1 2010

— 22.05.2010

Williams: Weiter Cosworth oder doch Renault?

Williams und Lotus sind offenbar zufrieden mit dem Cosworth-Motor, aber auch Renaults Image wurde mit dem Dreifachsieg in Monte Carlo besser

Das Kräfteverhältnis der aktuellen Formel-1-Motoren wirklich seriös einzuschätzen, ist angesichts der Geheimniskrämerei, die die Hersteller in Bezug auf die Leistungsdaten betreiben, fast ein Ding der Unmöglichkeit. Man kann sich jedoch aus den Aussagen verschiedener Ingenieure einen Reim machen und so zumindest ein ungefähres Bild zusammenzimmern.

Wie genau dieses Bild letztendlich ist, ist natürlich eine Streitfrage, aber die meisten Experten halten den Mercedes-Motor für das insgesamt beste Triebwerk im Formel-1-Zirkus. Ferraris V8 soll fast auf Augenhöhe sein, aber etwas mehr Benzin verbrauchen, während das Renault-Aggregat zwar als überaus fahrbar gilt, dafür aber in Sachen Topleistung ein kleines Manko haben dürfte. Und dann ist da noch die zurückgekehrte Motorenschmiede Cosworth.

Williams als Referenz

Da die drei neuen Teams Lotus, Virgin und HRT der Konkurrenz hoffnungslos hinterherfahren, ist Williams die einzige Referenz für den britischen Motor. Das Traditionsteam sagt über Cosworth: "Du hast, was du hast", so Technikchef Sam Michael. "Wir arbeiten als Partner eng mit ihnen zusammen, um den bestmöglichen Job zu verrichten." Wer diese Worte richtig einzuordnen weiß, dem ist klar: Große Liebesbeziehungen klingen anders...

Aber: "Ich bin zufrieden mit ihnen, wir schauen uns nicht nach anderen Motoren um", betont Geschäftsführer Adam Parr. "Man muss jedoch sagen - und sie wissen das -, dass der Motor zwar gut ist und im Winter gut gelaufen ist, aber während der Saison hat es mit Fortschreiten der Lebensdauer unerwartete Leistungsprobleme gegeben. Die führten wiederum zu Zuverlässigkeitsproblemen. Es sind also einige simple Anpassungen erforderlich, an denen wir bereits arbeiten."

Sprich: Je älter die Motoren werden, desto mehr verlieren sie an Power. "Das ist definitiv etwas, an dem sie arbeiten und wo sie schon Fortschritte gemacht haben", erklärt Michael. "Ich glaube nicht, dass der Motor fundamental daneben ist, aber es geht darum, ihn durch und durch zu verstehen. Die Motoren, die wir im Winter am Prüfstand getestet haben, waren in dieser Hinsicht nämlich ziemlich stark."

Und weiter: "Wir sind sehr anspruchsvoll, weil wir alles richtig hinbekommen wollen, aber sie bitten uns sogar darum, so zu sein. Sie wollen angetrieben werden, weil sie einen besseren Motor bauen wollen. Wenn wir ihnen einen Tipp geben, reagieren sie darauf. Das klappt gut. Wir sind sicherlich eine sehr nützliche Referenz für sie, denn alle anderen Cosworth-Teams liegen mehrere Sekunden zurück. Wenn wir nicht wären, müssten sie sich Sorgen um ihre Performance machen."

Nach welchen Teams angelt Renault?

Für Cosworth dürfte das Bekenntnis von Williams eine wichtige Moralinjektion sein, denn die britische Motorenschmiede läuft Gerüchten zufolge Gefahr, zwei ihrer vier Kunden zu verlieren. Sowohl Williams wie auch Lotus sollen daran interessiert sein, ihre früheren Partnerschaften mit Renault wieder aufleben zu lassen. Dazu passt, dass Renault-Ingenieur Rémi Taffin gerade angedeutet hat, dass seine Truppe auch mehr als zwei Teams beliefern könnte.

"Ich halte den Renault-Motor für sehr konkurrenzfähig. Es ist ein super Motor, besonders auf dieser Strecke", schwärmte Frank Williams in Monte Carlo, wo Renault-Motoren auf den ersten drei Startplätzen standen und einen Dreifachsieg feierten. Allerdings steht auch für ihn fest, dass nicht Cosworth das Hauptproblem von Williams ist: "Wir hätten immer gerne mehr PS, aber es ist keinesfalls ein schlechter Motor."

Auch Lotus lässt verlauten, dass man mit dem aktuellen Partner zufrieden ist. Dennoch könnte es für Renault 2011 einen weiteren Kunden geben - aus den Reihen der neuen Bewerber für einen Formel-1-Einstieg, wie 'Motorsport-Total.com' herausgefunden hat. Es soll sogar schon mindestens eine Absichtserklärung unterschrieben worden sein. Ob Renault allerdings Red Bull halten kann, steht auf einem anderen Blatt...

Fotoquelle: xpb.cc


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