"Da geht's lang" - Sebastian Vettel will mit neuem Chassis an alte Erfolge anknüpfen

Formel 1 2010

— 27.05.2010

Vettel: "Für uns ändert sich nichts"

Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel über seinen Chassiswechsel, den neuen Namen seines Autos und das teaminterne Duell mit Mark Webber

Sebastian Vettel schlägt in der Türkei ein neues Kapitel auf. Der 22-Jährige geht erstmals mit einem neuen Chassis an den Start und möchte damit wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Mit seinem jüngsten Abschneiden in Spanien und Monaco ist Vettel nicht zufrieden und trachtet danach, schon an diesem Wochenende wieder den Spieß umzudrehen. In seiner Medienrunde spricht der Red-Bull-Fahrer über seine Ausgangslage vor Istanbul und die Nachwirkungen des Monaco-Rennens.

Frage: "Sebastian, dein Teamkollege Mark Webber war zuletzt schneller als du. Für das Rennen in der Türkei bekommst du ein neues Chassis. Wie würdest du diese Situation kommentieren?"
Sebastian Vettel: "In den vergangenen beiden Rennen hat mir im Vergleich zu Mark der Speed gefehlt. Grade beim Monaco-Rennen war das fast schon zu eindeutig. Nach Barcelona hatten wir ja im Prinzip keine Zeit."

"Da musste man zusammenpacken und schnell nach Monte Carlo weiterreisen, um dort wieder auszupacken. Bei Back-to-Back-Rennen ist es natürlich immer schwierig, alles zu überprüfen, weil einfach die Zeit knapp ist. Nach dem Rennen in Monaco haben wir aber ohnehin beschlossen, dass wir das Chassis wechseln - unabgängig davon, dass wir etwas gefunden hatten."

"Wir haben uns schlichtweg gesagt: 'Wir müssen etwas verändern.' Ich war eben nicht mehr zufrieden damit. Im Nachhinein hat sich ja dann herausgestellt, dass doch was war. Bei der Gelegenheit haben wir auch noch andere Dinge entdeckt, die nicht ganz perfekt waren."

Frage: "Kannst du etwas näher darauf eingehen, was sich verändert hat oder was auf einmal anders war am Auto?"
Vettel: "Man sitzt nicht im Auto und sagt: 'Okay, irgendetwas ist kaputt. Alles ist Mist. Seht mal zu, dass ihr das in den Griff bekommt.' Man versucht ja dennoch, das Beste daraus zu machen. Wir groß der Schaden und dessen Einfluss war, kann man jetzt noch nicht sagen."

"Wir werden jetzt am Wochenende sehen, ob es wirklich besser ist oder nicht. Ich rechne jedenfalls damit. So etwas kommt halt sehr schleichend und es fehlt einem etwas das Vertrauen. Auf einer Strecke wie Monaco ist das natürlich fatal. Wenn man dort das Gefühl hat, man spürt das auch nicht, dann lässt man natürlich auch nicht richtig fliegen. Das zieht dann wiederum einen ganzen Rattenschwanz nach sich."

"Ein Vorteil ist das sicherlich nicht. Nach der Safety-Car-Phase zu Beginn des Rennens war Mark zum Teil eine Sekunde pro Runde schneller als ich. Glücklicherweise kann man in Monte Carlo nur schwer überholen, denn ich hatte Probleme damit, Robert hinter mir zu halten. Und in den letzten Runden fühlte sich irgendetwas nicht richtig an."

Wie groß ist der psychologische Effekt?

Frage: "Die Ingenieure meinen hin und wieder, dass so ein Chassiswechsel mit einem psychologischen Effekt einher geht. Wie stehst du dazu?"
Vettel: "Ich bin überzeugt davon, dass in meinem Kopf noch alles normal abläuft. Gerade in den vergangenen beiden Wochen wurde sehr viel geschrieben. Es ist normal, dass vieles erzählt und vieles in die Welt gesetzt wird. Für uns ändert sich nichts."

"Wir gehen dieses Wochenende wieder ganz von vorne an und versuchen, von Anfang an das Beste herauszuholen. Wir haben wieder einige Neuerungen am Auto. Auf uns wartet sicherlich die eine oder andere Herausforderung. Ein Chassiswechsel bedeutet aber nicht, dass wir nun hier loslegen und alles passt perfekt. Wir müssen noch immer hart arbeiten und unser Bestes versuchen, um wieder vorne zu sein."

Frage: "Hast du dir schon einen Namen für dein Auto überlegt?"
Vettel: "Randy Mandy."

Frage: "Kein Witz?"
Vettel: "Kein Witz."

Vettel bleibt positiv gestimmt

Frage: "Bist du zufrieden mit deiner Leistung in den Eröffnungsrennen dieser Saison?"
Vettel: "In den bisherigen Rennen habe ich meiner Meinung nach alles größtenteils sauber über die Bühne gebracht - sowohl in der Qualifikation als auch im Rennen. Natürlich gibt es da immer noch einige Ecken und Kanten, von denen man sagen kann, dass man dort noch etwas mehr hätte herausholen können."

"Im Großen und Ganzen war ich aber schon recht zufrieden. Es kommen noch viele Rennen auf uns zu. Auch wenn wir zuweilen ein bisschen zu kämpfen hatten, konnten wir doch das Maximum herausholen und die Punkte mitnehmen."

Frage: "Gab es bei den beiden jüngsten Rennen ein paar Ecken und Kanten mehr als davor?"
Vettel: "Nein."

Frage: "Wie beurteilst du die Situation in der Gesamtwertung? Wie zufrieden bist du mit deiner bisherigen Ausbeute?"
Vettel: "Man muss nur einmal sehen, wie oft sich die Reihenfolge in der Tabelle in den ersten sechs Rennen verändert hat. Erst lag Fernando vorne, dann war Felipe die Nummer eins, Jenson übernahm die Spitze und nun ist eben Mark der Führende. Das sind viele Namen. Und wenn man sich die Abstände vor Augen führt, erkennt man, dass diese äußerst gering sind."

"Wenn ich richtig informiert bin, rangiert Fernando aktuell nur drei Punkte hinter uns. Du weißt also nie, was passiert. In Bezug auf die Leistung sehen wir gewiss stark aus. Das ist ein gutes Zeichen. Wir sollten auch in der Türkei gut aufgestellt sein. Ich bin aber kein großer Fan davon, Worte wie 'unschlagbar' zu verwenden. Dafür ändern sich die Dinge in der Formel 1 einfach zu schnell."

Niederlagen gehören zum Spitzensport

Frage: "Ist es nicht in gewisser Weise normal, dass man auf diesem Niveau auch hin wieder einmal langsamer ist als andere?"
Vettel: "Ich denke, das kommt vor. Es verwundert mich aber, dass das immer gleich wie ein Weltuntergang dargestellt wird. Das ist normal. Wie gesagt: Es wird halt viel geschrieben, das hört sich gut an, ist interessant und liest sich gut - aber das Wichtigste ist in meinen Augen, dass man sich nicht aus der Ruhe bringen lässt."

"Dazu besteht absolut kein Grund. Wenn schon ich nicht dazu in der Lage war, die beiden jüngsten Rennen zu gewinnen, dann doch bitteschön lieber Mark als ein anderer. So bleiben die Punkte wenigstens im Team. Ich denke, er hat gute Arbeit geleistet."

Frage: "Es hatte den Anschein, dass dir die beiden jüngsten Niederlagen etwas mehr wehgetan hätten, als andere Schlappen..."
Vettel: "Niederlagen hat wohl keiner gerne. Das ist doch normal. Da muss man nur einmal nach nebenan schauen: Wenn es beim Herrn Schumacher nicht so läuft, wie er sich das vorstellt, dann ist auch er nicht zufrieden."

"Und das sieht man ihm auch an. Ich glaube, das gehört dazu. Das ist bei jedem Spitzensportler so. Es gibt aber keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Stattdessen muss man einfach genau so weitermachen wie bisher und verstehen, weshalb man so langsam war oder was eben nicht funktioniert hat."

Vettel: Noch ist alles offen

Frage: "In den ersten vier Rennen hattest du Mark relativ gut im Griff. Kam er dann einmal zu dir, um dich zu fragen, was du anders machst? Er dürfte recht frustriert gewesen sein..."
Vettel: "Nein. Frustration hin oder her - teamintern ist alles ganz normal."

"Die Welt dreht sich weiter und es ändert sich nichts. Nach den ersten vier Rennen kam er nicht daher und fragte mich: 'Was machst du?' - oder wie auch immer. Mal hat ihm etwas mehr gefehlt, mal etwas weniger, mal war er auch vorne. Manchmal so, manchmal so - ich denke, das ist normal."

Frage: "Im vergangenen Jahr hatte Jenson einen unglaublich guten Saisonstart - so wie ihn Red Bull derzeit hinlegt. Machst du dir Sorgen, dass ihr - ähnlich wie Jenson 2009 - danach an Schwung verlieren könntet?"
Vettel: "Dazu muss man sagen, dass Jenson im vergangenen Jahr sechs der ersten sieben Rennen gewonnen hat. Die Punktesituation war damals komplett anders als jetzt."

"Man kann das nicht wirklich miteinander vergleichen. Es zeigt allerdings, dass sich die Dinge ändern können, selbst wenn du ein paar Rennen lang dominant oder überlegen agierst. Wir werden weiterhin Druck machen und unser Bestes versuchen. Aber wer weiß? Vielleicht haben McLaren, Ferrari oder Mercedes ja eines Tages auf eine zündende Idee?"

Frage: "Magst du den Kurs bei Istanbul?"
Vettel: "Ja. Schade, dass man es im Fernsehen nicht so gut mitbekommt, dass es hier doch sehr stark bergauf und bergab geht. Es ist eine der interessanteren Strecken. Abgesehen von Kurve acht gibt es noch andere Kurven, in denen man fahrerisch noch etwas machen kann. Es ist ein schöner Kurs."

Fotoquelle: xpb.cc


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