Lewis Hamilton und Jenson Button boten in der Endphase eine gute Show

Formel 1 2010

— 30.05.2010

McLaren: Jubel über Sieg und Fairness

Lewis Hamilton und Jenson Button feiern nach dem Red-Bull-Crash einen Doppelsieg und unterhalten die Fans mit einem harten Zweikampf

Bei McLaren dürfte nach der Zieldurchfahrt von Lewis Hamilton und Jenson Button erst einmal große Erleichterung geherrscht haben, bevor sich die Mannschaft im Siegestaumel in die Arme fiel. Mark Webber und Sebastian Vettel hatten sich gegenseitig aus dem Rennen geschossen, bei einem Duell der beiden McLaren-Piloten wenig später hielten alle den Atem an. Aber es ging gut. Die beiden britischen Champions sicherten die Plätze eins und zwei.

"Ein ereignisreiches Rennen", sagt der strahlende Sieger Hamilton erleichtert. "Mein Start war nicht allzu gut. Ich hatte vielleicht eine bessere Reaktion als Mark, aber irgendwie kam ich nicht in Schwung. Zum Glück konnte ich in Kurve drei wieder an Sebastian vorbeigehen. Danach konnte ich Mark gut folgen, bis ich beim Reifenstopp etwas Zeit verlor." Die McLaren-Mannschaft benötigte für den Wechsel relativ viel Zeit, weil die Radmutter hinten rechts klemmte.

"Ich hatte es dann also mit zwei Red Bull zu tun, nicht nur mit einem", erzählt der Brite. "Ich konnte schon den einen nicht überholen, also waren gleich zwei völlig unmöglich. Ich konnte deren Tempo aber mitgehen, obwohl ich etwas auf den Spritverbrauch achten musste. Dann hatten sie Pech und kollidierten. So konnten wir vorbeiziehen", beschreibt Hamilton die entscheidende Szene des spektakulären Istanbul-Rennens.

"Danach war ich ziemlich sicher, dass wir den Doppelsieg einfahren. Wir haben dann auf die Reifen geachtet und Sprit gespart. Leider habe ich etwas langsamer gemacht als gedacht. Plötzlich tauchte Jenson an meinem Heck auf. Es war ein schöner Kampf mit ihm." Der amtierende Champion zog am Führenden vorbei, wurde dann aber wieder ausgekontert. "Toll, dass ich wieder vorbeikam. Das war eine Überraschung", sagt Hamilton.

"Wir durften kämpfen, sollten aber vorsichtig sein", erklärt der Weltmeister von 2008 den Unterschied zu Red Bull. "Der Sieg fühlt sich nicht ganz so gut an wie sonst. Dieser Erfolg ist eben etwas anders. Ein Racer will durch Überholen siegen, nicht durch Unfälle der Führenden. Statt einen Sieg zu erben, ist es viel schöner, wenn man sich den Erfolg aus eigener Kraft erkämpfen kann. Aber natürlich freue ich mich dennoch."

Hamilton widmete den ersten Saisonsieg seinem Vater. "Er wird morgen 50. Ein Grand-Prix-Sieg ist sicherlich das schönste Geschenk, das ich ihm machen konnte", sagt der McLaren-Star, der bis vor dem Start in die aktuelle Saison von seinem Vater gemanagt worden war. Zur Feier des Tages tanzte Hamiltons Freundin Nicole Scherzinger in der Box. Gekonnt, denn die Sängerin hatte sich wenige Tage zuvor den Titel in der amerikanischen Tanzshow "Dancing with the Stars" gesichert.

Einen Freudentanz führte Button nach Platz zwei nicht auf. "Ein verrücktes Rennen. Mein Start war gut, aber ich steckte in der ersten Ecke hinter Lewis fest. Deswegen konnte Michael Schumacher außen an mir vorbeikommen. Aber ich habe mir Michael in Kurve zwölf dann wieder geschnappt, was nach Barcelona richtig gut tat. Anschließend waren wir zu viert: zwei Red Bulls und zwei McLaren. Wir konnten zusammen wegziehen."

"Man konnte kaum nahe genug an die Gegner heranfahren. Aber wenigstens konnte ich so meine Reifen schonen. Kurz vor dem Stopp konnte ich so dann zu Sebastian aufschließen. Ich dachte, ich könnte beim Stopp vielleicht vorbeikommen, aber das war nicht der Fall", erzählt Button. "Wir lagen alle eng beisammen und am Ende war alles drin. Die beiden Red Bulls sind kollidiert und so kamen wir zum Doppelsieg."

Der Champion wollte kurz vor dem Ende noch seine große Chance nutzen. "Man sagte mir, ich solle Benzin sparen - aber das hatte ich bereits 30 Runden lang getan", so der 31-Jährige. "Ich kam dann in Kurve acht ganz nahe an Lewis. Ich weiß nicht, warum er so langsam war. Wir haben ein bisschen Rad an Rad gekämpft, aber leider war ich für die letzte Kurve in einer schlechten Position. Der Kurvenausgang war schlecht, so kam er wieder vorbei."

"Danach sollte ich noch mehr Benzin sparen, denn es hätte wohl knapp werden können", sagt Button. "Es war ein enger Zweikampf zwischen uns, aber wir haben uns nicht berührt. Wir sind trotz des Kampfes als Doppelsieger ins Ziel gekommen - so sollte es sein!" Teamchef Martin Whitmarsh atmete nach dem teaminternen Duell um die Spitze erst einmal durch. "Dieses Rennen hatte alles: Drama, Spannung, Aufregung und ein perfektes Ergebnis für uns", so der McLaren-Boss.

"Mit den 43 Punkten von heute sind wir an die Spitze der Konstrukteurswertung gelangt. Obwohl wir fast die ganze Zeit Sprit sparen mussten, konnte Lewis das Tempo von Mark gut mitgehen, er war vielleicht sogar etwas schneller. Das stimmt uns sehr glücklich. Er hätte Mark sogar vielleicht überholen können. Er hat es ja mehrfach versucht. Jenson hat gleichzeitig viel Druck auf Sebastian Vettel ausüben können. Der Zweikampf unserer Jungs war nach dem Red-Bull-Crash sicherlich nochmal eine gute Show."

"Jenson hat Lewis auf der Auslaufrunde sofort per Funk gratuliert. Das zeigt den gegenseitigen Respekt", sagt Whitmarsh. Die Fernsehbilder zeigten allerdings keinerlei Reaktionen, als die beiden McLaren-Piloten nebeneinander fuhren. "Wir haben den Abstand zu Red Bull minimiert", freut sich der McLaren-Teamchef. "Das lässt uns hoffen, dass wir auch in Montréal viele Punkte einfahren können. Das heutige Resultat ist das logische Ergebnis der unglaublichen Anstrenungen aller Beteiligter im Team."

Fotoquelle: xpb.cc


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