Christian Horner hofft, dass sich die Stimmung bei Red Bull wieder aufheitert

Formel 1 2010

— 01.06.2010

Horner: "Wir gewinnen und verlieren als Team"

Christian Horner spricht noch einmal detailliert darüber, wie es zum Istanbul-Crash kam und betont: keine Teamorder und auch künftig kein Nummer-1-Fahrer

Die Rauchwolken über dem Red-Bull-Lager haben sich auch zwei Tage nach dem denkwürdigen Istanbul-Rennen noch nicht verzogen. Doch Teamchef Christian Horner hofft, dass das Team bald zur Normalität zurückkehren kann. Im Teaminterview von Red Bull erklärt er noch einmal im Detail, wie es zum Crash zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel kommen konnte, wie das Team inzwischen die Schuldfrage sieht und wie es nun bei Red Bull weitergehen soll.

Frage: "Was ist beim Türkei-Grand-Prix in Runde 40 passiert?"
Christian Horner: "Wir hatten beim Türkei-Grand-Prix die einmalige Situation, dass die ersten vier Autos nur durch zwei Sekunden getrennt waren und Mark Webber hatte bis zur 40. Runde immer geführt. Das Rennen war das bisher schnellste der Saison und alle vier Piloten haben extrem hart gepusht. In Runde 38 änderte Mark basierend auf seinem Spritverbrauch die Einstellung für sein Kraftstoffgemisch. Das bedeutete bei gleichzeitig hohen Drehzahlen einen durchschnittlichen Zeitverlust von 0,18 Sekunden. Sebastian Vettel hatte während des Rennens mehr Sprit gespart als Mark und konnte deshalb noch ein paar weitere Runden mit einer etwas besseren Einstellung fahren."

"In Runde 38 und 39 wurde Sebastians Tempo schneller und er konnte auf Mark aufschließen, während von hinten Lewis Hamilton ziemlichen Druck machte. Nach einer starken Kurve neun konnte Sebastian im Windschatten gut beschleunigen und fuhr nach links, um Mark zu überholen. Mark blieb innen und ging in Verteidigungsstellung, was er auch darf. Als Sebastian zu drei Vierteln vorbei war, zog er nach rechts. Als Sebastian nach rechts lenkte, behielt Mark seine Position bei, was zu einer Berührung führte, in deren Folge Sebastian ausschied, Marks Auto vorn beschädigt wurde und das Team einen Doppelsieg verlor. Beide Fahrer hätten sich definitiv mehr Platz lassen müssen."

Frage: "Tragen beide Fahrer eine Mitschuld an diesem Unfall?"
Horner: "Wir erwarten von unseren Fahrern, dass sie als Teamkollegen gegenseitigen Respekt voreinander zeigen und dass sie sich auf der Strecke gegenseitig genug Platz lassen. Leider hat das am Sonntag keiner der beiden getan und die Folge war ein Unfall zwischen den beiden. Während der sechs Doppelsiege, die wir zuvor einfahren konnten, gab es viele enge Szenen zwischen unseren Fahrern und sie haben sich dabei immer an diese Vorgaben gehalten."

Frage: "Was ist über Sebastians Reaktion zu sagen, als er aus dem Auto stieg?"
Horner: "Das Adrenalin schießt durch den Körper und natürlich ist man enorm frustriert, wenn man gerade wegen eines Unfalls aus dem Rennen geflogen ist. Wir werden darüber sprechen und ich bin davon überzeugt, dass das bis zum Rennen in Kanada wieder ausgeräumt ist."

Frage: "Manche Leute haben nach dem Rennen gesagt, dass Mark die Schuld trägt - warum?"
Horner: "Wir gewinnen als Team und wir verlieren als Team. Am Sonntag haben wir als Team verloren, weil unsere beiden Fahrer zusammen in einen Unfall verwickelt waren. Nachdem wir alle Informationen gesichtet haben, steht fest, dass es sich um einen Rennunfall gehandelt hat, den es zwischen zwei Teamkollegen nicht hätte geben sollen. Dr. Helmut Marko teilt diese Ansicht, nachdem er jetzt alle Fakten gesehen hat, die direkt nach dem Rennen noch nicht verfügbar waren."

Frage: "Was wäre passiert, wenn Mark und Sebastian nicht kollidiert wären?"
Horner: "Für uns als Team hat Priorität, als Erster und Zweiter anzukommen, die Reihenfolge ist dabei irrelevant. Der Türkei-Grand-Prix war wohl das engste Rennen der vergangenen zwölf Monate und die beiden McLaren-Piloten haben massiven Druck ausgeübt. Sebastian konnte ab Runde 37 sein Tempo steigern und er schien dann der schnellere der beiden Red-Bull-Piloten zu sein. Wäre der Unfall nicht passiert, dann hätten wir zum zweiten Mal in Folge einen Doppelsieg und die maximale Punktzahl geholt."

Frage: "Wart ihr glücklich darüber, dass Sebastian zu diesem Punkt versucht hat, Mark die Führung abzunehmen? Man lag auf den Plätzen eins und zwei, also warum sollte man es nicht dabei belassen?"
Horner: "Aufgrund der Pace der McLarens und da es so aussah, dass Sebastian der schnellere Red Bull war, war am wichtigsten, das Rennen zu gewinnen. Es wäre unmöglich gewesen, Sebastian einzubremsen, da hinter ihm Hamilton in einem McLaren mit wesentlich schnellerem Geradenspeed massiv Druck gemacht hat. Von daher war es für uns akzeptabel, dass er ein Überholmanöver versucht hat."

Frage: "Gab es eine Teamorder, dass Sebastian Mark überholen sollte?"
Horner: "Keiner der beiden Fahrer hat die Anweisung bekommen, dass die Plätze getauscht werden sollen. Es gibt bei Red Bull keine Teamorder, außer dass die Fahrer respektvoll gegeneinander racen sollen."

Frage: "Wir werdet ihr die Situation lösen?"
Horner: "Wir sind ein sehr starkes Team. Wir werden uns zusammensetzen und das offen mit den Fahrern besprechen, damit wir aus dem Geschehenen lernen und eine ähnliche Situation künftig vermeiden können. Eine der Stärken von Red Bull ist der Teamgeist, der in dieser Saison schon sehr zu unserer Performance beigetragen hat. Beide Fahrer sind intelligent und dieses Thema wird noch vor dem Kanada-Grand-Prix aus der Welt geschafft sein."

Frage: "Wie wirst du mit den Fahrern umgehen? Hast du schon mit ihnen gesprochen?"
Horner: "Ich habe mit beiden gesprochen. Beide bedauern das, was passiert ist. Ihnen ist klar, dass sie das Team repräsentieren und sind deshalb nicht nur wegen der Punkte enttäuscht, die sie selbst verloren haben, sondern auch wegen der Punkte für das Team, dass vor dem Rennen so hart gearbeitet hatte."

Frage: "Wie geht es im Team jetzt weiter? Bekommt einer der Fahrer Nummer-1-Status?"
Horner: "Beide Fahrer werden gleich behandelt, so wie es immer der Fall war. Das wird so fortgeführt."

Frage: "Kann das Team aus dem Rennen auch etwas Positives ziehen?"
Horner: "Bis Runde 40 war das Rennen sehr positiv für uns. Obwohl wir auf der Geraden deutlich langsamer waren als die McLaren, konnten wir nicht nur Mark bei den Stopps vor Hamilton halten. Sondern wir konnten auch Sebastian durch die Strategie und exzellente Arbeit bei den Boxenstopps an Hamilton vorbeibringen. Wir standen massiv unter Druck, aber das Rennen schien bis in Runde 40 zu unseren Gunsten zu laufen. Darauf werden wir nun als Team aufbauen und uns auf den Kanada-Grand-Prix konzentrieren."

Frage: "Wie ist Dietrich Mateschitz' Meinung zu dem Unfall?"
Horner: "Dietrich hat danach mit beiden Fahrern gesprochen. Er hat immer beiden Fahrern gleichermaßen den Rücken gestärkt und fasste es mit den Worten zusammen: 'Shit happens... wir sollten nicht über die Vergangenheit sprechen, sondern uns auf die Zukunft konzentrieren. Tatsache ist, dass wir nicht nur das schnellste Auto haben, sondern auch zwei der besten und schnellsten Fahrer.'"

Fotoquelle: xpb.cc


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