Aufbau des Teams: Mike Gascoyne schart bei Lotus alte Weggefährten um sich

Formel 1 2010

— 03.06.2010

Lotus: Gascoyne als Headhunter

Wie Mike Gascoyne hochrangige Techniker von Force India zu Lotus lotste: Prominentes Personal als Lockmittel für Jarno Trulli und Heikki Kovalainen

Lotus rüstet weiter auf, Force India blutet personell immer mehr aus. Das neue Team aus Malaysia hat gleich drei Neuzugänge vom indischen Konkurrenten bekanntgegeben, darunter der hoch angesehene Mark Smith, der Technischer Direktor bei Lotus werden soll. "Das sind natürlich gute Nachrichten", freut sich Mike Gascoyne im Gespräch mit 'Autosport'. "Marianne Hinson und Lewis Butler haben die Arbeit schon aufgenommen."

"Mark wird bei uns anfangen, sobald er frei ist. Mit allen drei Neuzugängen habe ich früher schon zusammengearbeitet", sagt der britische Ingenieur, der für die Technik bei Lotus verantwortlich zeichnet. Smith wird nach dem Abschied von Force India ein vorübergehendes Berufsverbot in Kauf nehmen müssen. Das ist beim Wechsel hochrangiger Techniker üblich, damit aktuelle Geheimnisse nicht zu schnell in andere Teams getragen werden.

"Wie lange wir auf Mark warten müssen hängt von ihm und von Force India ab", so Gascoyne. Im Normalfall betrage die Zeitspanne zwischen zwei Engagements bei Konkurrenten zwölf Monate. Ob sich der Wechsel auch schneller vollziehen könnte, hängt vom guten Willen ab. "Aber es sind gerade nicht die besten Zeiten für solche Verhandlungen", erklärt Gascoyne mit Blick auf den aktuellen Rechtsstreit der beiden Teams.

Ausgerechnet von Force India...

Dass die neuen Techniker ausgerechnet von Force India kommen sei "vielleicht etwas unglücklich", gibt der Lotus-Techniker zu. "Aber für uns ist diese ganze Sache um Urheberrechte schon kalter Kaffee. Wir haben uns bei Aerolab rückversichert, haben nichts falsch gemacht. Das alles wird sich bestimmt ganz schnell aufklären lassen."

Über den Streit bezüglich der angeblichen Spionage will Gascoyne nicht mehr viel reden. Er freut sich vielmehr über die personellen Fortschritte von Lotus. "Wenn du nach vorne willst, dann brauchst du die besten Leute. Und unsere Neuzugänge gehören zu den Besten, das haben sie bei anderen Teams bewiesen. Man muss den Leuten dann auch das passende Umfeld für gute Arbeit bieten. Das alles passt harrgenau in die Vorstellungen von Tony Fernandes."

Der Wechsel der drei Force-India-Fachleute ist dem persönlichen Draht von Gascoyne zu verdanken. Viel Geld war als Köder angeblich nicht nötig. "Überall, wo ich gearbeitet habe, suchte ich mir zunächst drei oder vier gute Leute für wichtige Positionen. Es gab immer einen Schub dadurch", sagt Gascoyne. "Es ist toll, dass sie sich für Lotus entschieden haben. Sie glauben ans Team, vertrauen der finanziellen Basis. Die ziehen mit ihren Familien nicht wegen mir nach Norfolk, sondern weil sie sich diesem Projekt verschreiben."

Personalplanungen vorerst abgeschlossen

Man habe nun die erste Phase des personellen Aufbaus des neuen Teams abgeschlossen. "Komplett ist man nie", schließt der Brite weitere Neuverpflichtungen nicht aus. "Wir haben nun aber erst einmal die Leute, die wir unbedingt wollten. In zwei oder drei Jahren sind wir kein kleines Team mehr, sondern ein mittelgroßes Team. Dann sieht die Situation natürlich wieder anders aus."

Die Verpflichtung von Smith, Hinson und Butler werde kaum Effekt im aktuellen Jahr haben können, aber ab 2011 könnte es spürbar werden. "Es ist so ähnlich wie bei Jarno und Heikki", schildert Gascoyne. "Da haben sich die Leute gefragt, warum sie sich das antun. Aber sie wussten, dass wir an solchen Technikern dran sind. Sie wussten, dass das nächstjährige Auto von Leuten dieses Kalibers entworfen wird. Deswegen sind sie bei uns."

"Das hatte ganz bestimmt Einfluss auf die Entscheidungen bei Jarno und Heikki", sagt der Techniker. Das aufgestockte Designteam bei Lotus wird sich ab sofort ausschließlich um das Projekt 2011 kümmern. "Wir werden noch Updates bringen, die wir als neues Team nicht so schnell fertigen konnten, aber es war immer der Plan, sehr frühzeitig auf 2011 umzuschwenken. Wir wollen Zehnter in der WM bleiben und im kommenden Jahr sofort im Mittelfeld dabei sein."

Fotoquelle: xpb.cc


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