Christian Horner weiß, dass Red Bull nicht alles richtig gemacht hat

Formel 1 2010

— 09.06.2010

Red-Bull-Kollision: Horner gibt Fehler zu

Red Bull gesteht erstmals ein, dass die Schuld nach der Kollision in Istanbul falsch verteilt wurde - Stallorder weiterhin kein Thema

Bei Red Bull hing nach der Kollision zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel in Istanbul der Haussegen schief - zumindest bis zu einer Aussprache in der Fabrik in Milton Keynes, bei der die Wogen geglättet worden sein sollen. Nun gibt auch die Teamführung erstmals zu, sich unmittelbar nach dem "Bullenkampf" falsch verhalten zu haben.

Denn Teamchef Christian Horner und vor allem Motorsportkonsulent Helmut Marko haben sich zwar große Mühe, Webber nicht offen als alleinigen Schuldigen an den Pranger zu stellen, warfen dem Australier zwischen den Zeilen aber sehr wohl vor, den Zusammenstoß verursacht zu haben. Das stand in krassem Widerspruch zur Wahrnehmung der Experten im Fahrerlager, die fast einstimmig der Meinung waren, dass Vettel die Spur nicht hätte wechseln dürfen.

Vorschnelle Kritik an Webber

"Wenn Mark die Schuld gegeben wurde, dann war es ein Fehler", gesteht Horner nun im 'BBC'-Interview ein und revidiert die ursprünglichen Aussagen der Teamleitung: "Einige Meinungen wurden geäußert, als noch nicht alle Fakten verfügbar waren. Die Emotionen gehen einem halt durch, wenn man gerade gesehen hat, wie die Autos kollidieren und eine dominante Position im Rennen herschenken. Heute sehen wir es als Rennunfall - nicht mehr und nicht weniger."

Auf detaillierte Fragen, welcher Fahrer was falsch gemacht habe, lässt er sich nicht ein: "Es wäre falsch von uns, die Schuld zu verteilen. Wir unterstützen beide Fahrer gleich", entgegnet er diplomatisch. "Beide wollten die Führung im Grand Prix, lagen in der Weltmeisterschaft punktgleich in Führung. Da haben sie sich extrem gepusht, was leider zu dem Zwischenfall geführt hat." Und: "Ich bin sicher, dass so etwas nicht mehr passieren wird."

In Schutz nimmt der Brite inzwischen auch Webbers Renningenieur, der laut Marko wichtige Anweisungen nicht an seinen Fahrer weitergegeben und die teaminterne Kollision damit heraufbeschworen haben soll: "Ciaron Pilbeam hatte keinerlei Anweisungen, Mark zu sagen, dass er Sebastian Platz machen muss", so Horner, der zudem festhält: "Mark wurde nie gesagt, dass er langsamer fahren oder Sebastian überholen lassen muss."

Bei der Aussprache in Milton Keynes sei es nur zehn Minuten über Istanbul gegangen, während eine halbe Stunde über das Setup für Montréal gesprochen wurde. Dabei fielen auch keine Schuldzuweisungen, was ein wenig verwundert, denn Vettel hat erst kürzlich in einem Interview erklärt, dass er die Schuld weiterhin nicht bei sich sieht. Horner nimmt das grinsend zur Kenntnis: "Kein Fahrer wird die Hand heben und sagen: 'Es war nur meine Schuld!' Das wird nicht passieren."

Keine Schuldzuweisungen

"Wir haben die Fahrer zusammengebracht, haben uns mit Adrian (Newey; Anm. d. Red.) und Helmut Marko zusammengesetzt. Es war ein sehr positives und konstruktives Meeting", erklärt der Red-Bull-Teamchef. "Dabei ging es nicht um die Schuld, sondern wir haben gesagt: 'Okay, Jungs, es ist halt passiert. Lassen wir es hinter uns und lernen wir etwas daraus, nämlich dass zwei Red Bulls in Zukunft nicht mehr aneinandergeraten dürfen.'"

"Wir werden keinen Fahrer davon abhalten, auf der Strecke zu überholen, aber es geht darum, wie sie sich auf der Strecke verhalten. Ich glaube, beide haben aus den Istanbul viel gelernt. Sie dürfen weiter gegeneinander racen, vielleicht schon dieses Wochenende in Montréal. Das Wichtigste ist aber, dass sie respektieren, für das Team zu fahren, was glaube ich der Fall ist. Wenn sie wieder in so eine Situation kommen, dürfen sie sich aber nicht mehr so hart pushen", so Horner.

Dass sich Webber nun unwohl fühlen könnte, glaubt er nicht: "Mark kennt die interne Situation und weiß, wie beliebt er im Team ist. Er wurde vom Team immer enorm unterstützt, zum Beispiel nach seinem Fahrradunfall im Vorjahr. Da kam die Frage nach einem Ersatzfahrer nicht einmal auf. Wir könnten mit seiner Performance bisher gar nicht zufriedener sein. In Monaco und Barcelona war er unschlagbar", lobt der 36-Jährige.

Fotoquelle: xpb.cc


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