Red Bull muss in Kanada beweisen, dass man die Piloten im Griff hat

Formel 1 2010

— 09.06.2010

Red Bull in Montréal auf dem Prüfstand

Nicht nur der Anti-Red-Bull-Kurs in Kanada setzt den Rennstall unter Druck, auch der Teamgeist befindet sich nach dem Stallcrash im Härtetest

Gibt es eine Rennstrecke im Formel-1-Kalender, auf der Red Bull verwundbar ist, dann ist es der Circuit Gilles Villeneuve auf der Île de Notre Dame. Denn die bisherigen Kurse haben gezeigt: Der RB6 ist überall stark, doch wenn es etwas gibt, was er nicht mag, dann sind es lange Geraden und enge Kurven. Und davon gibt es auf der langgezogenen, künstlich angelegten Insel im Sankt-Lorenz-Strom mehr als genug.

Dass das Team um Stardesigner Adrian Newey daran scheiterte, das F-Schacht-System rennbereit zu machen, könnte sich in Kanada als großer Nachteil erweisen. Beim Grand Prix der Türkei hatte man Neweys Interpretation der McLaren-Innovation zwar am Freitag am Auto, baute diese aber über Nacht aus, da man mit dem Resultat unzufrieden war. Das Problem dürfte ein tiefgreifendes sein, denn frühestens in Valencia plant man den nächsten Versuch. Somit muss der RB6 auch auf den langen Geraden von Montréal mit einem niedrigeren Topspeed auskommen, zumal auch der Renault-Motor nicht gerade als Muskelprotz bekannt ist.

Bremst der fehlende F-Schacht die "Bullen"?

Sebastian Vettel übt sich vor dem Grand Prix von Kanada in Zweckoptimismus, dennoch ist ihm die schwierige Ausgangssituation bewusst: "Die Strecke ist sehr schön, ich mag sie. Auf dem Papier ist sie vielleicht nicht optimal für unser Auto, doch andererseits waren wir bei jedem einzelnen Rennen in dieser Saison sehr konkurrenzfähig. Wir können also erhobenen Hauptes dorthin fahren und werden unser bestes geben." Das wird auch notwendig sein, denn in den winkeligen Kurven und Schikanen in Montréal kann der RB6 seinen Aerodynamik-Vorteil nur begrenzt ausspielen, zumal mit wenig Flügel gefahren wird.

Vettel ist auch klar, dass das fehlende F-Schacht-System die Achillesferse Red Bulls auf der Power-Strecke darstellt. Ein Vorteil für den großen Triumphator von Istanbul, McLaren-Mercedes, wie der Heppenheimer weiß: "Ich rechne damit, dass die McLaren sehr stark sein werden, weil ihr F-Schacht-System in Kanada sehr gut funktionieren sollte." Droht Red Bull damit die nächste Niederlage gegen das britische Traditionsteam? Können Jenson Button und Lewis Hamilton den Vorsprung von nur einem Punkt in der Konstrukteurs-WM ausbauen? "Wir werden sehen", sagt Vettel. "Ich denke, wir haben sehr gute Chancen. Wir werden einfach versuchen, die maximalen Punkte herauszuholen."

Wie stark ist Red Bulls Teamgeist?

Genau daran scheiterten Webber und Vettel in Istanbul: Die Stallrivalen kollidierten in Führung liegend, klare Schuldzuweisungen von Seiten des Rennstalls gegen den Australier brachten zusätzliche Unruhe in die Mannschaft. In Kanada muss man nun beweisen, dass man aus den bitteren Ereignissen in der Türkei gelernt hat und nun etwas souveräner auf die teaminterne Konkurrenzsituation reagiert. Was wird also passieren, wenn die beiden Red-Bull-Piloten wieder in ein Duell verwickelt sind? Teamchef Christian Horner verrät die neue Strategie: "Sie dürfen weiter gegeneinander racen, vielleicht schon dieses Wochenende in Montréal."

Und Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko konkretisiert: "Sie können frei gegeneinander kämpfen, müssen einander aber vorbeilassen." Die Situation sei damit abgehakt, personelle Konsequenzen gibt es offenbar keine. Ganz im Gegenteil: Mark Webbers Vertrag wurde bis Ende 2011 verlängert. Damit ist es Red Bull gelungen, zumindest etwas Ruhe ins Team zu bringen. Das weiß auch der australische Routinier zu schätzen, der das Fiasko in der Türkei relativiert: "Die Leute müssen bedenken, dass wir immer noch ein sehr junges Team sind - wir lernen noch. Leider war unsere Lektion in der Türkei nicht die einfachste, aber auch Teams wie Ferrari und McLaren hatten schon solche Tage."

Ob man wirklich etwas gelernt hat, könnte sich tatsächlich bereits auf der Île de Notre Dame weisen. Denn: Die Strecke ist bekannt für actionreiche, turbulente Rennen - die Geraden lassen Windschattenschlachten zu, die engen Kurven mit den ständig drohenden Betonwänden bestrafen jeden Fahrfehler. Red Bull steht somit vor dem vielleicht härtesten Rennwochenende der Saison. Bleibt man tatsächlich fehlerlos, so wäre dies die beste Antwort auf die aufkeimende Hoffnung der Konkurrenz in Istanbul, dass Red Bull doch schlagbar ist.

Fotoquelle: xpb.cc


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