Am Kommandostand werden viele wichtige Entscheidungen getroffen

Formel 1 2010

— 12.06.2010

Teams gegen Aufhebung des Stallorder-Verbots

Martin Whitmarsh und Christian Horner sind gegen eine Aufhebung des Stallorder-Verbots und für eine Offenlegung aller Funksprüche

Die Stallduelle zwischen Mark Webber und Sebastian Vettel sowie zwischen Lewis Hamilton und Jenson Button in Istanbul haben die alte Diskussion über das Stallorder-Reglement neu aufleben lassen. Denn einige Experten vermuten, dass die Teams Red Bull und McLaren mit einer versteckten Stallregie gearbeitet haben.

So weiß man inzwischen, dass Red Bull heimlich, still und leise den Motor von Webber drosselte, während Vettel noch einige Runden mit voller Power fahren durfte. Gleichzeitig zweifeln viele Fans daran, ob das McLaren-Kommando "Save Fuel!" wirklich nur zum Benzinsparen auffordern sollte oder möglicherweise doch als Nichtangriffspakt gemeint war. Würde man das Stallorder-Verbot aufheben, könnte jedes Team offen zu solchen Strategiespielchen stehen.

Beide Topteams einer Meinung

Aber: "Ich halte Stallregie für falsch", stellt Red-Bull-Teamchef Christian Horner klar. "Man sollte den Fahrern nicht aufzwingen, wie sie das Auto fahren müssen. Es wäre falsch, der Öffentlichkeit einen Grand Prix vorzuenthalten, in dem es um den Kampf zwischen Mensch und Maschine geht. Diese Philosophie hatten wir schon immer, daher wäre es falsch, die Möglichkeit wieder einzuführen, dass ein Auto schon nach der ersten Kurve als Sieger feststehen darf."

Martin Whitmarsh nickt: "Wir sind mit den Regeln zufrieden", unterstreicht der McLaren-Teamchef. Sein Rennstall habe nie auf Stallregie gesetzt, er selbst sieht das Thema aber entspannt: "Wenn andere etwas in diese Richtung machen wollen, sollen sie das tun, aber in unserem Team werden alle Fahrer mit Respekt behandelt." Ein Stallorder-Comeback zum Abwürgen der Verschwörungstheorien hält er für unsinnig: "Dann suchen sie sich halt eine andere Verschwörungstheorie..."

Verboten wurde ein Eingreifen des Kommandostands ins aktive Renngeschehen infolge des Ferrari-Skandals beim Grand Prix von Österreich, als Rubens Barrichello von Teamchef Jean Todt die Worte "Let Michael pass for the Championship!" hörte und Michael Schumacher überholen lassen musste - noch lange vor der heißen Phase im WM-Kampf. In den Jahren davor war Stallregie Usus, aber eben nur dann, wenn es wirklich schon um die WM-Wurst ging.

Alle Funksprüche frei verfügbar

Die Medien wünschen sich seit Istanbul auf jeden Fall freien Zugang zu den Funksprüchen, denn bisher hören die Journalisten wie auch Millionen Fans auf der ganzen Welt nur das, was in der TV-Übertragung ausgestrahlt wird. Doch das steuern entgegen einer weitverbreiteten Meinung nicht die Teams selbst: "Alle Funksprüche aller Teams stehen dem Inhaber der kommerziellen Rechte jederzeit zur Verfügung", stellt Whitmarsh klar.

"Der kann damit machen, was er will. Ich schätze mal, das Problem ist, wie viel man verarbeiten und an die TV-Stationen weitergeben kann. Das ist aber eine Diskussion, die man mit der FOM führen muss, nicht mit uns", nimmt er der Anschuldigung Wind aus den Segeln, wonach die Teams heikle Funksprüche gezielt zurückhalten, um nicht in die Bredouille geraten zu können. Gerade nach Istanbul wäre die komplette Kommunikation für die Berichterstattung notwendig gewesen.

Auch Horner unterstreicht, "dass da nichts nicht abgespielt wurde", und outet sich als Freund der Funksprüche im Fernsehen: "Die Formel 1 ist da in den vergangenen Jahren deutlich offener geworden. Zum Beispiel haben wir früher keine Ferrari-Funksprüche gehört, dito die McLaren-Funksprüche. Jetzt hören wir die sehr wohl. Ich finde, das trägt zum Spektakel bei und verbessert die Show Formel 1", so der Brite.

Fotoquelle: xpb.cc


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