In der Formel 1 sorgt die mögliche KERS-Rückkehr für Diskussionen

Formel 1 2010

— 17.06.2010

KERS-Rückkehr: Warum Mercedes so zögerlich ist

Ferrari und Renault setzen mit Magneti Marelli ab 2011 wieder voll auf die KERS-Karte, Mercedes will zusätzliche Kosten vermeiden

Wenn es nach dem Willen der Technischen Arbeitsgruppe der Teamvereinigung FOTA geht, dann feiert KERS 2011 nach nur einem Jahr Pause ein Comeback. Der Hybrid soll dann allerdings leistungsfähiger sein, durch das höhere Minimalgewicht der Fahrzeuge werden die Nachteile geringer. Das Comeback der Energie-Rückgewinnung ist noch nicht in Stein gemeißelt, denn die Formel-1-Kommission und der FIA-Weltrat müssen den Vorschlag noch abnicken.

Der Einsatz von KERS ist per Reglement auch in diesem Jahr erlaubt, allerdings haben sich die Teams auf einen freiwilligen Verzicht aus Kostengründen verständigt. Nun also die Kehrtwende. 2011 soll der Einsatz freiwillig sein. Es wird kein Einheits-KERS kommen, sondern alle Teams dürfen eigene Lösungsansätze verfolgen. Privaten Rennställen soll die Technik für vergleichsweise kleines Geld zugänglich gemacht werden. Doch es gibt nach wie vor Streit.

"Die endgültige Entscheidung über den Einsatz von KERS trifft natürlich die FIA", sagt Renault-Teamchef Eric Boullier im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Die aktuellen Vereinbarungen, die innerhalb der Teamvereinigung FOTA getroffen wurden, dürfe man vor diesem Hintergrund nur als Vorschläge für das zukünftige Regelwerk verstehen. "Renault unterstützt die KERS-Rückkehr sehr. Wir haben das gleiche System wie Ferrari."

KERS: Vorteil Ferrari und Renault?

Die Franzosen und die Italiener arbeiteten 2009 eng mit Magneti Marelli zusammen. Das Ergebnis: Es entstand ein funktionsfähiges KERS, dass nahezu beliebig erweitert werden kann. Und genau dort liegt der Knackpunkt. Das Mercedes-System ist bisher auf die maximale Abgabe von 400 Kilojoule pro Runde ausgelegt, wer mehr will, muss investieren. "Dass wir uns auf 800 Kilojoule verständigt haben, ist schon ein deutliches Entgegenkommen unsererseits", so Boullier.

Für Renault und Ferrari macht die Rückkehr des Hybrids nicht nur sportlich in der Formel 1 Sinn. Auch bei der Produktion von Straßenfahrzeugen setzt man mehr und mehr auf die Karte Energie-Rückgewinnung. "Wir würden uns sogar eine noch viel größere Energieabgabe wünschen", sagt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali mit Blick auf die Erhöhung von 400 auf 800 Kilojoule. "Das macht sich auch beim Image besser und hilft bei der Vorbereitung leistungsfähiger Systeme für die Zukunft", stimmt Boullier zu.

"Wenn ich pro Runde die doppelte KERS-Energie nutzen darf, dann ist das gut für die Show, für die Performance, für alles", meint der Franzose. Die Entwicklung neuer Systeme soll einer Kostendeckelung unterliegen und für private Teams soll KERS eine Million Dollar (rund 800.000 Euro) pro Saison kosten. Zusätzlich attraktiv macht man des Einsatz des Hybridsystems durch die Anhebung des Minimalgewichts der Autos. Die schweren Batterien und sonstigen KERS-Elemente fallen also nicht mehr so sehr ins Gewicht.

"Es hat lange gedauert, bis sich Mercedes überhaupt auf eine neue KERS-Diskussion eingelassen hat", berichtet der Renault-Teamchef vom zähen Ringen. "Deren Problem ist, dass sie ihr System nicht beliebig erweitern können, während das bei unserem der Fall ist. Zwei von drei Teams können also mehr Leistung abrufen. Das besondere Williams-System lasse ich in diesem Falle mal außen vor." Der große Faktor im Hybridspiel ist wieder einmal das liebe Geld.

Was macht Mercedes 2011?

"Wir müssen die Kosten unter Kontrolle halten", mahnt Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Der Brite blickt bereits zwei Jahre weiter. 2013 kommt nicht nur eine neue Motorenformel in der Königsklasse, sondern man darf auch davon ausgehen, dass die Hybrid-Maßgaben ganz andere sein werden. "Die Motorenhersteller Renault, Mercedes, Ferrari und Cosworth diskutieren gerade mit potienzellen neuen Interessenten, die hinzustoßen könnten", verrät Boullier. Dass sich VW mit dem Weltmotor einen Schritt in die Formel 1 vorstellen könnte, ist längst kein Geheimnis mehr.

"Es wird dann wohl ein kleiner turbo-aufgeladener Motor mit einem großen KERS kommen. Vermutlich wird der Hubraum irgendwo zwischen 1.300 und 1.600 Kubikzentimetern liegen", sagt der Renault-Teamchef mit Blick auf 2013. In drei Jahren sollen die Boliden mit veränderter Aerodynamik laufen, es werden wohl erneut hohe Entwicklungskosten ins Haus stehen. Auf dieser Grundlage stellen sich einige Teams die Frage nach zusätzlichen Investitionen in KERS, zumal man die nächste Stufe des Resource Restriction Agreements (RRA) zündet und unter anderem die Mitarbeiterzahlen verringern muss.

Mercedes-Teamchef Ross Brawn hält sich entsprechend derzeit noch bedeckt. In rund sechs Wochen werde eine endgültige Entscheidung über das Mercedes-KERS fallen. "Dann sollte die Entscheidung gefällt sein, ansonsten verliert man Zeit", so der Brite. "Wir werden bereit sein und ein sehr gutes KERS haben", verspricht Norbert Haug gegenüber 'Auto Bild Motorsport' hingegen. Der Mercedes-Motorsportchef fügt hinzu: "Immerhin haben wir den ersten KERS-Sieg geholt. Aber wenn wieder nur einige Teams damit fahren, wird sich das Feld erheblich auseinander ziehen. Ob das der Formel 1 guttut?"

Fotoquelle: xpb.cc


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