Nick Wirth wird in der Szene von einigen als "schräger Vogel" belächelt

Formel 1 2010

— 21.06.2010

Wirth: "Beurteilt uns nach Silverstone!"

Timo Glocks Technikchef Nick Wirth spricht über die technische Weiterentwicklung bei Virgin und bleibt geduldig, was die ersten WM-Punkte angeht

Mit ehrgeizigen Zielen ist das Virgin-Team um den unkonventionellen Technikchef Nick Wirth in seine Premierensaison gestartet, doch anstatt wie geplant immer näher ans Mittelfeld heranzukommen, lief man zuletzt sogar Gefahr, von HRT eingeholt zu werden. Das soll sich mit dem nächsten Update, das beim übernächsten Rennen in Silverstone kommen wird, ändern.

Dennoch ist die Frage berechtigt: War es wirklich der richtige Ansatz, das Auto komplett ohne Windkanal nur mit CFD-Technologie zu entwickeln? "Beurteilt uns nach Silverstone!", entgegnet Wirth, der sich weiterhin "zu 1.000 Prozent sicher" ist, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. CFD sei lediglich ein Werkzeug, aber es liege letztendlich an den Designern, es mit der Zeit richtig zu nutzen.

Harter Kampf mit Lotus

"Wir wollen am Saisonende das beste der neuen Teams sein. Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass das erreichbar ist", so der Brite, dem aber nicht entgangen ist, dass sich Lotus zuletzt stark weiterentwickelt hat. Gleichzeitig räumt er auch ein, dass der erste WM-Punkt aus eigener Kraft "noch weit weg" ist. 2010 rechnet er nicht mehr damit und selbst 2011 könnte es seiner Meinung nach schwierig werden.

Aber: "Wir bereiten uns auf unser großes Update vor, das in Silverstone kommen wird", kündigt Wirth Verbesserungen an. "Für Valencia erwarten wir einige Teile der Standardspezifikation, die aber leichter gebaut sind. Wir erhoffen uns davon einen signifikanten Gewichtsvorteil." Denn im Moment ist nur das Auto vom Timo Glock in etwa am Gewichtslimit, Lucas di Grassi muss jedoch ein paar Kilogramm "Übergewicht" herumschleppen.

Dass Virgin noch nicht auf dem Level der anderen Teams ist, sei nicht außergewöhnlich, denn: "Toro Rosso hatte Zugang zu dem Auto, das im Vorjahr beinahe Weltmeister geworden wäre. Diese Basis hätte ich auch gerne gehabt! Oder Sauber: Sie konnten auf die gesamten Ressourcen von BMW zurückgreifen. Es gibt einfach keine schwachen Teams, sondern die sind alle fantastisch und wir haben großen Respekt vor ihnen", erklärt Wirth.

Und er führt aus: "Wir sind das Auto bisher immer mit dem gleichen Niveau an Anpressdruck gefahren, weil wir uns hundertprozentig auf die Zuverlässigkeit und auf Probleme wie das Benzinsystem und so weiter konzentriert haben. In Kanada haben wir den ersten Schritt gemacht, was die Flügeleinstellungen angeht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das hundertprozentig getroffen haben", gesteht der ehemalige Simtek- und Benetton-Ingenieur.

Falsche Flügeleinstellung in Montréal

Denn: "Anhand der historischen Daten haben wir das Auto so eingestellt, dass wir 320 km/h erreichen können, aber außer uns sind nur zwei andere Teams so flache Flügel gefahren, nämlich Renault und Toro Rosso. Wenn man deren Heckflügel angeschaut hat, dann waren das noch echte Kanada-Flügel, wie ich sie von früher in Erinnerung habe. Wenn die Reifen normal funktioniert hätten, wäre das der richtige Weg gewesen, aber so hatten wir eine außergewöhnliche Reifensituation."

Inzwischen konzentriert sich das junge Team schon auf nächstes Jahr: "Besonders die Aeroregeln sind anders, es gibt aber auch Bereiche, die fast gleich bleiben", weiß Wirth. "Wir haben jetzt viel gelernt und es gibt einige Bereiche, die wir fundamental ändern müssen, um das Maximum aus den nächstjährigen Regeln herauszuholen. KERS werden wir nicht fahren, was uns ein bisschen mehr Spielraum in Sachen Gewicht erlaubt."

"So können wir uns mehr auf Dinge konzentrieren, von denen wir glauben, dass sie Performance bringen, anstatt viel Geld dafür ausgeben zu müssen, alle Teile unglaublich leicht zu bauen. Darüber sind wir sehr glücklich", gibt der Virgin-Technikchef zu Protokoll. Dass KERS nicht einmal in Betracht gezogen wird, hat einen ganz einfachen Grund, nämlich die Unerfahrenheit des von Manor geführten Rennstalls: "Das Team ist nicht bereit dafür."

"Der Grund, weshalb wir stehen, wo wir eben stehen, ist zu 80 Prozent aerodynamischer Natur. Dafür müssen wir mehr Ressourcen aufwenden", so Wirth. "Außerdem müssen wir lernen, schneller weiterzuentwickeln. So, wie das Reglement geschrieben ist, ist KERS ziemlich performanceneutral. Ich glaube nicht, dass uns KERS im Feld weit nach vorne bringen würde. Stattdessen konzentrieren wir uns lieber auf Riesenprojekte wie den verstellbaren Heckflügel, der kommen wird."

Fotoquelle: xpb.cc


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