Marc Surer hat Bedenken, was den verstellbaren Heckflügel angeht

Formel 1 2010

— 21.06.2010

Verstellbarer Heckflügel: Surer hat Bedenken

'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer findet, dass man das Konzept des verstellbaren Heckflügels noch einmal überdenken sollte

Die Technische Arbeitsgruppe der FIA, der unter dem Vorsitz von Charlie Whiting die Technischen Direktoren aller Formel-1-Teams angehören, hat für 2011 eine Regeländerung beschlossen, die im Moment heiß diskutiert wird. Denn anstelle des derzeit eingesetzten verstellbaren Frontflügels soll es nächstes Jahr einen verstellbaren Heckflügel geben.

Der verstellbare Frontflügel geht zurück auf einen Vorschlag der Arbeitsgruppe Überholen. Pro Runde darf jeder Fahrer seinen Frontflügel einmal innerhalb eines Fensters von sechs Grad verstellen. Man versprach sich davon vor der Saison 2009 in Kombination mit dem Energierückgewinnungssystem KERS mehr Überholmanöver, doch allzu viel hat sich seither nicht verändert. Also haben sich die Teams etwas Neues ausgedacht.

Anderes Konzept als beim Frontflügel

Der verstellbare Heckflügel sieht vor, dass der vordere Teil der Heckflügel-Querplatte um bis zu 50 Millimeter nach oben verschoben werden darf, um de facto einen flacheren Heckflügel zu erreichen und den Luftwiderstand zu verringern. Das sollte mehr Höchstgeschwindigkeit bringen. Der Clou daran: Laut derzeitigem Regelentwurf darf der Heckflügel nur im direkten Zweikampf verstellt werden - und auch dann nur vom jeweiligen Hintermann!

Marc Surer hält diese Idee noch nicht für ausgereift: "Wer darf wann? Du bist eine Sekunde zurück oder 1,1 Sekunden. Wer misst das? Misst man es auf der Ziellinie oder wo sonst? Für mich sieht das nach Chaos aus", befürchtet der 'Motorsport-Total.com'-Experte. "Es hätte mehr Sinn gemacht, dass man einfach ein paar Mal pro Rennen verstellen darf, wie man das mit den Boost-Button aus anderen Kategorien kennt."

"Dass die Rennleitung freigibt oder nicht freigibt, halte ich für höchst gefährlich. Es gibt ja immer wieder Grenzfälle", wirft der ehemalige Formel-1-Pilot ein. Abhilfe schaffen könnte eine Live-Abstandsmessung mit GPS, aber dass GPS auch nicht immer hundertprozentig zuverlässig ist, hat Ross Brawn in Monte Carlo festgestellt: "Das GPS ist schlecht. Man sieht die Autos auf dem Monitor an allen möglichen Stellen - anscheinend fahren sie manchmal in den Bahnhof!"

Außerdem glaubt Robert Kubica, dass der verstellbare Heckflügel das Überholen zu leicht machen könnte: "Da hast du als Vordermann keine Chance. Mit dem flachen Heckflügel fährt dir der Verfolger ohne Probleme auf der Geraden vorbei", so der Renault-Pilot. Aber eine Situation, in der der Hintermann automatisch einen Vorteil hat und sich in der besseren Position befindet, wäre auch nicht im Sinne des Erfinders.

Erinnerungen an Monza 1971

"Wenn alle hintereinander fahren, aber der Führende darf nicht flach stellen, dann fahren die in Monza auf der Geraden alle an ihm vorbei", argumentiert Surer. "Wenn sie es so machen wie vorgesehen, dann kann man davon ausgehen, dass das über zehn km/h bringt. Mit zehn km/h läufst du auf, weil du ja zusätzlich noch den Windschatten vom Vordermann hast. Dann kommst du mit 20 km/h schneller an. Der arme Kerl, der da vorne führt!"

Bei diesem Gedanken erinnert man sich unweigerlich an die Windschattenschlacht von Monza 1971, als die Führung am laufenden Band wechselte und am Ende Peter Gethin 0,010 Sekunden vor Ronnie Peterson gewann - der knappste Zieleinlauf der aller Zeiten. Fünf Fahrer lagen damals innerhalb einer halben Sekunde. "Genau in diese Richtung würde es gehen", sagt Surer über den verstellbaren Heckflügel. "Aber man sollte nicht von einem Extrem ins andere gehen."

"Ich gebe ihnen recht, der Frontflügel hat es nicht gebracht", so der Schweizer. "Der macht für die Höchstgeschwindigkeit kaum etwas aus, sondern nur für die Balance. Es ging darum, verlorenen Abtrieb zurückzugewinnen, wenn man jemandem folgt, indem man den Frontflügel steiler stellt. Das hat die Arbeitsgruppe Überholen bezweckt, nicht dass das Auto auf den Geraden schneller geht. Jetzt geht es aber darum, das Auto auf den Geraden schneller zu machen. Das ist ein neuer Ansatz."

Bedenken hat Surer vor allem, weil 2011 auch KERS ein Comeback in der Formel 1 feiern soll: "Wenn auch noch KERS dazukommt, mein Gott, wie wird das dann aussehen? Das unter Kontrolle zu bringen, halte ich für extrem schwierig", so der 58-Jährige. Allerdings sind die Regeländerungen ohnehin noch nicht definitiv beschlossen. Die Formel-1-Kommission und der Motorsport-Weltrat der FIA müssen erst zustimmen.

Fotoquelle: xpb.cc


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