Jenson Button und Lewis Hamilton: Das Verhältnis ist bisher sehr harmonisch

Formel 1 2010

— 24.06.2010

Button und Hamilton: Erfolg macht Freunde

Weltmeister Jenson Button hofft auf eine große McLaren-Show beim Heimspiel in Silverstone: Warum der Champion dermaßen gut gegen Lewis Hamilton aussieht

Nach zwei Doppelsiegen in Folge ist die Stimmung im McLaren-Team selbstverständlich bestens. Auch wenn der amtierende Weltmeister in Istanbul und Kanada hinter seinem Teamkollegen ins Ziel kam, hat Jenson Button gute Laune. Der Brite freut sich vor allem über die enorme Dichte an der Spitze der Gesamtwertung. Lewis Hamilton führt das Klassement an, Button liegt nur drei Zähler dahinter, weitere drei Punkte zurück ist Mark Webber in Lauerstellung.

"Was für eine tolle Weltmeisterschaft", jubelt der amtierende Champion gegenüber 'The Independent'. Das Rennen in Kanada habe bewiesen, wie viel Spannung in der aktuellen Formel-1-Saison geboten wird. "Gerade einmal sechs Punkte trennen die ersten drei Fahrer in der WM. Wenn Lewis und ich auch als Führende nach Silverstone kämen, dann würde das ein ganz besonderes Rennen. Es ist toll für das Team, dass gleich zwei Piloten vorne dabei und so eng zusammen sind."

"Wir haben in diesem Jahr bisher mehr Rennen gewonnen als jedes andere Team", stellt Button die gute Form von McLaren dar. "Lewis und ich haben jeweils zwei Siege, daher sind wir in einer sehr guten Position. Valencia sollte unserem Auto erneut gut liegen. Ich freue mich also auf diese Strecke. Ich mag sie sehr, obwohl ich im vergangenen Jahr dort ein schwieriges Wochenende hatte." 2009 hatte sein damaliger Brawn-Teamkollege Rubens Barrichello in den Straßen von Valencia gewonnen.

Der "Weltmeister-Boost" bei Button

Button kann die teaminternen Niederlagen gegen Hamilton in Montréal und Istanbul gut verschmerzen, denn er selbst hat in Melbourne und Schanghai siegen können. Kaum jemand hatte dem amtierenden Champion vor Saisonbeginn zugetraut, überhaupt dermaßen nahe an seinem Teamkollegen bleiben zu können. "Ich habe vor Saisonbeginn gesagt, dass uns Button überraschen könnte, weil er mit den Reifen klarkommt", sagt 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer.

"Dass er aber sogar in der Qualifikation mithalten kann, ist für mich die große Überraschung", meint der Schweizer. "Vom Speed her war mir klar, dass Hamilton schneller ist, aber er schafft es ja auch in der Qualifikation oft, vor Hamilton zu sein. Das ist schon erstaunlich." Die Bilanz nach dem Kanada-Rennen zeigt: Hamilton führt im Qualifyingduell gegen Button gerade einmal mit 5:3. Beide haben in den bisherigen acht Saisonrennen jeweils erst eine Nullrunde hinnehmen müssen.

"Ich denke, das ist der Weltmeister-Boost", schätzt Surer die starken Leistungen des Mclaren-Neuzugangs ein. "Button war schon immer schnell, aber dass er so konstant die Leistung bringt, das liegt an der Selbstsicherheit - weil er jetzt weiß: Ich kann das!" Aber Button sollte aus Sicht des Schweizers gewarnt sein. Im Vergleich zu Barrichello ließ er im Vorjahr nach, Hamilton hängte in der zweiten Saisonhälfte 2009 seinen damaligen Teamkollegen Heikki Kovalainen immer mehr ab.

Droht ein Stallkrieg wie bei Senna und Prost?

"Langfristig denke ich schon, dass sich Hamilton durchsetzen wird. Er ist einfach ein Winnertyp", sagt Surer in Erwartung heißer Duelle im McLaren-Lager. Beim britischen Team herrscht Harmonie - noch jedenfalls. Hamilton und Button betonen bei jeder Gelegenheit, wie gut die Zusammenarbeit funktioniere. "Dass da nichts passiert, ist schon erstaunlich. Sie scheinen mir einfach erwachsene Männer zu sein, die damit umgehen können", meint der 'Sky'-Kommentator.

Surer wundert sich vor allem darüber, dass die beiden Teamgefährten die anhaltenden Giftpfeile der britischen Presse an sich abprallen lassen. Die Journalisten auf der Insel warten geradezu auf den ersten Krach bei McLaren. Die Frage ist, wie lange die Harmonie im Team hält. Senna und Prost waren bei McLaren auch zuerst Freunde, dann gab es zum Beispiel in Estoril 1988 und in Imola 1989 regelrechten Krieg. "Das kann passieren, muss aber nicht", meint Surer mit Blick auf die Paarung Hamilton/Button.

Vieles wird davon abhängen, ob sich der McLaren-Mercedes MP4-25 auch in Zukunft als siegfähig erweist. "Ich habe gehört, dass Red Bull für Valencia ein großes Update hat. Mal sehen, was dort passiert", sagt Button und zeigt damit großen Respekt vor der Konkurrenz. Seine Mannschaft wird erst für das Heimspiel in Silverstone die nächste Entwicklungsstufe zünden. Es droht also die Gefahr, dass man - zumindest in Valencia - kurzfristig kleinere Brötchen backen muss.

McLaren derzeit auf Augenhöhe mit Red Bull

"Auch die Türkei war eine Red-Bull-Strecke, aber die McLarens sind drangeblieben. Ich glaube, die schenken sich nicht mehr sehr viel", meint Surer. Der Schweizer erwartet auch in Zukunft einen Kampf auf Augenhöhe. Allerdings mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen bei Mclaren und Red Bull. Sebastian Vettel und sein Teamkollege Mark Webber haben im Verlauf der bisherigen Saison oft Vorteile im Qualifying gehabt, in den Rennen waren die britischen Silberpfeile meist nahe dran.

"Der Red Bull scheint das Reifenfenster besser nutzen zu können, sodass diese eine schnelle Runde klappt. Sie haben sofort optimalen Grip", hat Surer beobachtet. "Die anderen kämpfen immer ein bisschen, um die Reifentemperatur, um die optimale Haftung zu erreichen. Vielen im Feld geht das so." Auch bei Mercedes und Ferrari ist ein solcher Trend zu beobachten. Die Rundenzeiten in den Grands Prix sind zumeist deutlich näher an jenen von Red Bull.

"Es geht nicht nur um den Zweikampf zwischen Red Bull und uns", gibt sich Button sehr vorsichtig. Am Briten ist selbstverständlich nicht vorbeigegangen, dass auch Ferrari und Mercedes kräftig nachlegen wollen. "Ferrari wird schnell sein. Mercedes hatte in Kanada vielleicht ein Tief, aber sie kommen auch. Wir als Team haben allerdings einen guten Lauf", meint der Champion und macht sich vor dem nächsten Kampf in Valencia nicht allzu Sorgen um die eigene Konkurrenzfähigkeit.

Fotoquelle: xpb.cc


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