Ein Deutscher zwischen zwei Engländern: Hamilton, Vettel und Button

Formel 1 2010

— 27.06.2010

Valencia: Vettel besiegt die Engländer!

Der erste Sieg des Tages geht an Deutschland: Sebastian Vettel triumphiert in Valencia vor zwei Engländern - Horrorunfall von Mark Webber

Die DFB-Elf von Joachim Löw muss erst noch nachziehen, aber den ersten Sieg des Tages darf die Sportnation Deutschland schon bejubeln: Sebastian Vettel (Red Bull) sicherte sich in einem überraschend spannenden Grand Prix von Europa in Valencia seinen zweiten Saisonsieg - und das ausgerechnet vor zwei Engländern!

"Das ist Deutschlands bestes Ergebnis des Tages", jubelte Red-Bull-Teamchef Christian Horner am Boxenfunk in Anspielung auf das Fußball-Achtelfinale, während Vettel offenbar schon den neuen WM-Stand ausrechnete: "Jetzt läuft es wieder!" Der Deutsche liegt nun an dritter Stelle, zwölf Punkte hinter Lewis Hamilton und sechs hinter Jenson Button (beide) McLaren, die heute gemeinsam mit ihm auf dem Podium standen und sich die deutsche Nationalhymne anhören mussten.

Alle Schutzengel der Welt für Webber

Doch die Szene des Tages lieferte nicht der glückliche Sieger, der erst zum zweiten Mal in dieser Saison triumphierte, sondern dessen Teamkollege Mark Webber: Der Australier fuhr beim Überholen von Heikki Kovalainen auf den Lotus auf, hob ab wie eine Rakete, überschlug sich und krachte auch noch mit hoher Geschwindigkeit in die Reifenstapel. Wie durch ein Wunder konnte er aber selbst aus dem Wrack steigen - völlig unverletzt!

"Das Wichtigste ist, dass Mark gesund ist. Er hat diesen schlimmen Unfall gut überstanden", bestätigt Horner, während Lotus-Technikchef Mike Gascoyne findet: "Heikki hat nur seine Linie verteidigt und am normalen Punkt gebremst. Vielleicht hat Webber seinen Bremspunkt verpasst. Und denen, die sagen, dass wir uns nicht verteidigen hätten sollen, denen sage ich: Wenn es um eine Position geht, racen wir immer!"

Denn Webber wollte Kovalainen nicht überrunden, sondern nach einem völlig verkorksten Start im direkten Zweikampf überholen. Vor 83.443 Zuschauern und bei bis zu 27 Grad Hitze am Mittelmeer musste der 33-Jährige zunächst Hamilton, dann auch noch Fernando Alonso (Ferrari) und im Verlauf der ersten Runde einige weitere Konkurrenten durchlassen. Nach fünf Kilometern lag er nur noch an neunter Stelle - und das trotz des Starts aus der ersten Reihe!

Beinahe-Crash in Kurve eins

In der ersten Kurve hätte es zwischen Polesetter Vettel und Hamilton beinahe gekracht, denn Hamilton setzte seine Nase neben den Red Bull und berührte mit seinem linken Vorder- Vettels rechtes Hinterrad. Vettel hatte Glück, dass er nicht außen in die Mauer rutschte, akzeptierte aber noch vor der Siegerehrung die faire Entschuldigung seines Rivalen. Hamilton argumentierte: "Sorry, ich kam innen auf den Curb, da hat es mich nach außen getragen."

Vettel führte also vor Hamilton, Alonso, Felipe Massa (Ferrari), Robert Kubica (Renault), Button, Rubens Barrichello, Nico Hülkenberg (beide Williams), Webber und Sébastien Buemi (Toro Rosso). Michael Schumacher war zunächst Elfter - aber für den Mercedes-Piloten sollte ein katastrophaler Nachmittag seinen Lauf nehmen. "Ein Rennen zum Vergessen", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Gestern ein schwaches Qualifying, heute kein gutes Boxenstopp-Timing."

Denn als wegen des Webber-Unfalls das Safety-Car auf die Strecke kam, blieben Schumacher und Kamui Kobayashi (Sauber) als einzige Piloten auf der Strecke, aber während Kobayashi sein Ding wenigstens durchzog, steuerte Schumacher eine Runde später doch noch die Box an. Als er dann wieder auf die Strecke zurückfahren wollte, war die Ampel am Boxenausgang rot, sodass er ans Ende des Feldes durchgereicht wurde.

Schumachers Boxenstopp zum falschen Zeitpunkt

"Die Ampel hätte nie rot sein dürfen. Das ist extrem ärgerlich", ist Teamchef Ross Brawn sauer. Denn Mercedes hatte gehofft, das 19-Sekunden-Loch zwischen Hamilton und Kobayashi für einen Boxenstopp nutzen zu können, musste aber stattdessen am Boxenausgang zuschauen, wie ein Gegner nach dem anderen vorbeifuhr. "Jetzt ist es zu spät, aber darüber werde ich noch mit Charlie Whiting reden", kündigt Brawn an.

Überhaupt sorgte die Safety-Car-Phase für Konfusion, denn Hamilton und Alonso kamen fast gleichzeitig zum Boxenstopp, aber nach dem Restart war Hamilton Zweiter und Alonso Zehnter. Der McLaren-Pilot hatte nämlich nach seinem Reifenwechsel erst nach der zweiten Safety-Car-Linie das Safety-Car überholt und gewann so wertvolle Streckenpositionen. Daran änderte auch seine Durchfahrstrafe nichts, die keine Positionen kostete.

Alonso sauer auf die Rennleitung

Alonso schimpfte darüber noch am Boxenfunk: "Wo ist Hamilton?", fragte er. "Zweiter", antwortete sein Renningenieur Andrea Stella. Das ist wirklich unfair, weil es eigentlich keine Strafe ist, aber wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren." Kein Wunder, dass Ferrari sauer ist: Hamilton hat gegen das Reglement verstoßen, stand aber trotz der Strafe immer noch viel besser da als Alonso, der sich völlig korrekt verhalten hat...

Hamiltons Glück war, dass Kobayashi ohne absolvierten Boxenstopp als Dritter alles aufhielt, sodass er seine Durchfahrstrafe absolvieren konnte, ohne vom zweiten Platz zurückzufallen. Button hatte trotz F-Schacht-System keine Chance, den Japaner zu attackieren: "Das Safety-Car hat mir geholfen, aber dann steckte ich hinter Kobayashi fest. Du kannst hier einfach nicht überholen, obwohl ich einen guten Topspeed hatte", seufzt er.

Nach dem Wirbel um die Safety-Car-Phase verkam das bis dahin recht turbulente Rennen zu einer Prozession. Durch das Safety-Car gab es einige Positionsverschiebungen - zum Beispiel profitierte Barrichello, der plötzlich auf Platz fünf aufschien. Aber weil gleich neun Autos gegen die unter Gelb vorgeschriebenen Sollzeiten in den einzelnen Sektoren verstießen, könnte das Rennergebnis im Nachhinein noch auf den Kopf gestellt werden.

Neun Fahrern droht eine Strafe

Von der Untersuchung der Rennleitung betroffen sind Button (3.), Barrichello (4.), Kubica (5.), Adrian Sutil (Force India/6.), Buemi (Toro Rosso/8.), Pedro de la Rosa (Sauber/10.), Vitaly Petrov (Renault/11.), Vitantonio Liuzzi (Force India/13.) und Nico Hülkenberg (Williams), der in der 50. von 57 Runden mit einem zerfetzen Reifen ausschied. Bereits zuvor hatte sein Williams aus dem Auspuff immer wieder Rauchschwaden gespuckt.

Von etwaigen Strafen profitieren könnte Nico Rosberg (Mercedes), der als Zwölfter ins Ziel kam. Doch das wäre nur ein schwacher Trost, denn "heute ging gar nichts", unkt er. "Ich habe keinen Grip gefunden. Es war genauso schlecht wie das Qualifying und hat keinen Spaß gemacht. Normalerweise hätte ich schon nach 20 Runden an die Boxen fahren müssen, weil die Bremsen hinüber waren. Der Hintern hat mir auch gebrannt, weil irgendwas heiß gelaufen ist. Alles Käse!"

Revanche beim Fußball?

Vettel fuhr seinen Red Bull an der Spitze nach 1:40:29.571 Minuten mit 5,0 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie. Die Freude stand ihm ins Gesicht geschrieben: "Das wurde auch Zeit! Wir hätten hier nicht damit gerechnet, so schnell zu sein. Ich konnte mich absetzen und das Auto ins Ziel tragen", so der Deutsche. Teamchef Horner lobt: "Wir hatten nicht das geringste Problem, nur am Ende haben wir ihn etwas eingebremst, als er die schnellste Runde fahren wollte."

Das einzige Mal ins Schwitzen geriet Vettel beim Restart, als er viel Schwung holen wollte, um nicht Gefahr zu laufen, von Hamilton überholt zu werden - ein Schuss, der beinahe nach hinten losgegangen wäre: "Ich bremste in der letzten Kurve so spät ich konnte und habe die Räder blockiert. Die Reifen waren kühler als erwartet, aber ich blieb zum Glück vorne. Zwar hatte ich einen glatten Fleck auf dem Reifen, aber er hat bis zum Schluss gehalten."

Toll übrigens auch Kobayashi, der in der letzten Runde noch Alonso und Buemi überholte! Sonst blieb es bis ins Ziel beim "1:0 für Deutschland", wie Button in Fußballrhetorik grinste. "Aber schauen wir, was heute Nachmittag passiert!" Zumindest führen die Engländer noch in der Formel-1-WM, wenn sie schon im Fußball untergehen sollten - übrigens nicht nur bei den Fahrern, sondern auch bei den Konstrukteuren: McLaren (248 Punkte) vor Red Bull (218).

Fotoquelle: xpb.cc


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