Mark Webber und Sebastian Vettel sind keine Freunde, aber gute Kollegen

Formel 1 2010

— 05.07.2010

Vettel oder Webber: Wer ist "Oberbulle"?

Experte Marc Surer analysiert das Stallduell bei Red Bull, während Mark Webber sagt: "Sebastian und ich streuen uns keinen Zucker in unsere Teetassen"

Seit ihrer Kollision in Istanbul wurde viel über die Beziehung zwischen den Teamkollegen Sebastian Vettel und Red Bull geschrieben, dabei gibt es laut Helmut Marko "überhaupt nichts Unruhiges. Die Sache ist geklärt", so der Red-Bull-Motorsportkonsulent, der aber immerhin zugibt: "Die Chance, dass sie miteinander Abendessen gehen, ist inzwischen vielleicht etwas geringer."

Webber selbst beschreibt das teaminterne Verhältnis als "von Respekt geprägte Rivalität" und sagt: "Wir streuen uns keinen Zucker in unsere Teetassen, aber das erwartet ja auch kein Mensch. Es steht viel auf dem Spiel und wir pushen uns gegenseitig, weil wir selbst erfolgreich sein wollen. Aber wenn er ins Meer stürzen würde, dann würde ich ihn nicht ertrinken lassen, sondern ihn natürlich retten. Ich hasse ihn ja nicht."

Dass es in Istanbul trotzdem gekracht hat, ist längst Schnee von gestern. Marko kann darüber sogar schon wieder lachen: "Man glaubte, dass so etwas zwischen Schumacher und Rosberg passiert, aber nicht bei uns", grinst der Motorsportkonsulent und gesteht: "Die Situation und das ganze Drumherum waren unglücklich. Wir haben daraus gelernt." Denn das zuerst Webber die Schuld gegeben wurde, obwohl fast alle Experten in Vettel den Schuldigen sahen, kam nicht überall gut an.

Istanbul: Wer war schuld?

'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer betrachtet die Kollision von Istanbul als Rennunfall, wie er nicht passieren sollte, aber passieren kann. Seiner Meinung war es falsch, zunächst nur einem Fahrer die Schuld zu geben, denn: "Ich bin der Meinung, es braucht immer zwei. Wenn Webber nicht klar die Ansage hatte, Vettel durchzulassen, hat er sich korrekt verhalten. Daher war das unfair, was nachher passiert ist."

"Das ist nicht ganz sauber gelaufen", wundert er sich über die anfängliche Kritik an Webber. "Er hat seine Linie gehalten, so gesehen hat er nichts falsch gemacht, wenn es nicht sein Teamkollege gewesen wäre. Bei Teamkollegen muss man sicherlich irgendwann nachgeben. Webbers Überlegung war: 'Ich halte dich auf der Innenspur, damit ich dich beim Bremsen wieder kriege.' Das ist normalerweise okay, aber beim Teamkollegen nicht. Dem musst du Platz zum Leben lassen."

Red Bull hat inzwischen zwar reinen Tisch gemacht und die Istanbul-Situation intern beigelegt, aber man kann von außen betrachtet dennoch den Eindruck gewinnen, dass beide Fahrer zwar gleich behandelt werden, Vettel aber der heimliche Liebling der Herzen ist. Surer hat dazu eine andere Theorie: "Ich glaube nicht, dass sie unfair sind und deswegen einen bevorzugen, aber ich glaube, dass sie Vettel gegenüber ein schlechtes Gewissen haben."

"Speziell in Istanbul war er im Training immer schneller, aber dann brach ihm der hintere Stabilisator. Also stand er im Qualifying wieder hinter Webber - und wieder war das Team daran schuld. Ich kann mir schon vorstellen, dass sie ihn deswegen vorbeilotsen wollten, als es die Gelegenheit dazu gegeben hat. Sie haben das aber ungeschickt gemacht", erklärt der ehemalige Formel-1-Pilot und verweist auf weitere Vettel-Probleme in dieser Saison.

Natürlich kommentiert Red Bull solche Spekulationen nicht, aber das Team gibt zumindest indirekt zu, dass Vettel das interne Duell klar im Griff haben würde. Denn vor Valencia ließ Marko über die 'Kleine Zeitung' ausrichten: "Webber hat als einziger Pilot in allen acht Rennen gepunktet, Vettel hingegen hatte nur in zwei von acht Rennen kein Problem - und es ist nicht nur jedes Mal etwas anderes, es sind Probleme, die wir vorher nie hatten."

Vertrag für Webber nur Mittel zum Zweck?

Dass man Webber frühzeitig einen neuen Vertrag für 2011 gegeben hat, kann Experte Surer nachvollziehen, denn: "Wie kriegst du ihn sonst unter Kontrolle, wenn du ihm nicht einen Vertrag gibst? Sonst sagt er sich: 'Wenn ihr mich eh loswerden wollt, dann versuche ich Weltmeister zu werden, dann schere ich mich einen Teufel um das Team!' Mit einem neuen Vertrag haben sie ihn aber besser in der Hand und er wird sich vielleicht leichter fügen."

Vettel sei sowieso über jeden Zweifel erhaben: "Er ist natürlich ein Paradebeispiel für einen Red-Bull-Vertreter: jung, dynamisch, frech. Er passt optimal ins Marketingkonzept und ist auch ein eigener Zögling. Alle mögen ihn, denn er ist ein sympathischer Typ. Webber ist schon in die Jahre gekommen und reißt keinen mehr vom Stuhl, auch wenn er sensationell gut fährt", vergleicht der 58-Jährige die beiden Red-Bull-Teamkollegen.

Im Zuge der ständigen Verdächtigungen, dass Vettel bei Red Bull als derjenige gesehen wird, der den ersten WM-Titel gewinnen soll, sorgt kurz vor dem Rennen in Silverstone auch ein Chassiswechsel für Aufsehen. Denn Webbers Chassis mit der Nummer vier ist nach dem Crash in Valencia nur noch als Ersatzchassis vorgesehen, während der Australier nun das Chassis Nummer drei bekommt - also jenes, das Vettel nach Monte Carlo nicht mehr haben wollte...

Unabhängig davon freut sich Webber auf den Titelkampf: "Wir geben weiterhin alles, um jeden möglichen Punkt zu sammeln", so der Routinier. "Ich hatte in Valencia ein hartes Wochenende, aber die Form war in Ordnung. Gut, in Kanada war ich nur Fünfter, aber das war für alle ein komischer Grand Prix. In der Türkei war ich auf dem Podium, also kein schlechtes Wochenende. Die Zeichen stehen gut, dass wir weiterhin mitkämpfen werden."

Man könne aber auch Ferrari "nie abschreiben", denn sie seien "ein sehr, sehr starkes Team", weiß Webber und sagt: "Fernando ist ein sehr solider Fahrer. Ich erwarte einen sensationellen Kampf. Es gibt viele Fahrer, die Rennen gewinnen können. Ein paar von uns haben zwei Rennen gewonnen und es wäre nett, der erste von ihnen zu sein, der Nummer drei und vier gewinnen und auf Schwung kommen kann."

Fotoquelle: xpb.cc


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