Michael Schumacher denkt schon mehr an 2011 als an diese Saison

Formel 1 2010

— 08.07.2010

Interview: Schumacher schreibt WM-Titel ab

34 Punkte aus neun Rennen sind zu wenig: Michael Schumacher schreibt den WM-Titel 2010 ab und konzentriert sich nur noch auf 2011

In den ersten neun Saisonrennen ist Michael Schumacher noch kein einziger Podestplatz gelungen, weshalb er in der Fahrer-WM mit 93 Punkten Rückstand nur an neunter Stelle liegt. Das wären selbst nach altem Wertungssystem fast vier Siege, weshalb der Mercedes-Pilot die Weltmeisterschaft 2010 vorzeitig abschreibt und sich stattdessen schon jetzt auf das Projekt 2011 konzentriert.

Frage: "Michael, wie enttäuschend war das letzte Rennen?"
Michael Schumacher: "Natürlich war es frustrierend. Du hast eine gute Idee, musst aber dabei zusehen, wie alle an dir vorbeifahren. Das ist nicht schön, aber es gehört dazu."

Frage: "Mir ist immer noch nicht ganz klar, warum ihr in Valencia nicht die gleiche Strategie wie Kamui Kobayashi gewählt habt. Das Safety-Car war für die Fahrer mit eurer Reifenwahl doch eigentlich die beste Nachricht des Tages, oder? Und wäre im Nachhinein betrachtet ein Podestplatz möglich gewesen, wenn du es wie Kobayashi gemacht hättest?"
Schumacher: "Erstens musste Kamui noch einmal zum Reifenwechsel kommen, genau wie wir auch."

Valencia-Strategie wird verteidigt

"Ja, es gab zwei Möglichkeiten: Erstens, mit den gleichen Reifen so lange wie möglich draußen zu bleiben, spät an die Box zu kommen und hoffentlich ein gutes Ergebnis zu holen. In dem Moment, in dem das Safety-Car auf die Strecke kam und ich aus irgendeinem Grund einen Abstand von 16 Sekunden zu Kobayashi aufbauen konnte, entschieden wir, dass das ausreichen kann, um den Boxenstopp zu absolvieren und vor ihm zu bleiben - und wenn nicht vor ihm, dann wenigstens nur knapp hinter ihm."

"Das hätte in der Tat bedeutet, den Rest des Rennens mit den weichen Reifen zu fahren, aber wir waren deswegen nicht besorgt, denn ich bin gegen Rennende 20 Runden mit den weichen Reifen gefahren und hatte kein Graining, keine Probleme welcher Art auch immer. Ich glaube also, diese Strategie hätte viel besser aufgehen können als die normale Variante. Wir waren der Meinung, dass sogar ein Podium möglich sein könnte. Im Nachhinein betrachtet war das vielleicht nicht drin, aber Platz fünf oder sechs schon."

Frage: "Welche Hoffnungen hast du für dieses Wochenende?"
Schumacher: "Jedenfalls viel bessere als in Valencia. Schlechter als dort geht eh kaum noch..."

Frage: "Dein 15. Platz in Valencia war dein schlechtestes Rennergebnis in der Formel 1..."
Schumacher: "Das stimmt nicht. Ich bin auch schon ausgeschieden."

Frage: "Klar, aber wenn du ins Ziel gekommen bist - du weißt, was ich meine. Da kann es ja nur noch aufwärts gehen, oder?"
Schumacher: "Ja."

Frage: "Wie sieht die Marschroute dafür aus?"
Schumacher: "Realistisch gesehen liegt unsere Performance auf dem Niveau, auf dem wir vor Kanada waren. Wir glauben, dass wir das mit dem Auto, das wir hier haben, replizieren können. Alles, was darüber hinaus geht, erfordert ein bisschen Glück und besondere Umstände, aber ich bin mir sicher, dass die Ergebnisse in Kanada und Valencia nicht unsere wahre Leistung widerspiegeln."

Frage: "Silverstone ist der Halbzeitpunkt dieser Saison. Wie zufrieden bist du bisher mit deinen Leistungen und wie ist es ohne Siegerauto um deine Motivation bestellt?"
Schumacher: "Dass das Auto kein Siegerauto ist, zeichnete sich schon nach den Wintertests ab. Nach ein paar Rennen ging es noch mehr in die Richtung, dass es schwierig werden könnte, Weltmeister zu werden."

WM-Titel kein Thema mehr

"Jetzt denke ich nicht mehr an die Weltmeisterschaft - das wäre in meinen Augen unrealistisch, wenn ich an mein Punktekonto denke. Stattdessen versuchen wir, so viel wie möglich zu lernen und uns auf nächstes Jahr vorzubereiten. Dafür bin ich voll motiviert. Ich kann nur wiederholen: Ich habe in meiner Karriere schon alle möglichen Situationen erlebt. Macht euch keine Sorgen! Ich leide darunter nicht auf eine Weise, die meine Motivation entfernen würde. Das ist sicher nicht der Fall."

Frage: "Und wie zufrieden bist du mit deinen Leistungen?"
Schumacher: "Ich wende genauso viel Arbeit auf wie früher und fahre auf einem Niveau, mit dem ich glücklich sein kann. Anscheinend sind einige nicht glücklich damit, aber das ist deren Entscheidung."

Frage: "Vor diesem Grand Prix wurde viel über Teamkollegen gesprochen. Du hattest schon viele Teamkollegen. Wie bekommt man eine perfekte Beziehung zu einem Teamkollege hin oder ist das gar nicht möglich?"
Schumacher: "Das hängt sehr stark davon ab, ob die Charaktere zusammenpassen oder nicht. Einige tun das, andere nicht. Ich halte es tatsächlich für so einfach, genau wie im echten Leben: Du suchst dir deine Freunde aus, während du mit anderen nicht befreundet sein möchtest, aber du musst halt mit ihnen arbeiten können."

Frage: "Was die Überholmöglichkeiten auf den neuen Streckenabschnitten angeht, könnten die Meinungen der Fahrer unterschiedlicher nicht sein. Wie lautet deine?"
Schumacher: "Lass mich erst fahren! Es wäre komplett unfair, dazu eine Stellungnahme abzugeben, ohne jemals auf dieser Strecke gefahren zu sein."

Frage: "Dein Bruder Ralf war in der DTM am Norisring auf Pole-Position. Freut es dich, dass er sich so gut geschlagen hat?"
Schumacher: "In der Tat. Er hatte große Schwierigkeiten, über die wir uns dann und wann mal unterhalten haben. Ich verstehe, warum er das Auto jetzt so fahren kann - und es freut mich, wenn er sich so gut schlägt. Hoffentlich kann er es bald auch in ein Rennergebnis ummünzen."

Fotoquelle: xpb.cc


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