Lewis Hamilton hat mit dem Safety-Car schon einmal Bekanntschaft gemacht

Formel 1 2010

— 09.07.2010

Hamilton und das Safety-Car: Wiederholungstäter!

Lewis Hamilton hat in Valencia nicht zum ersten Mal ein Safety-Car überholt, vor vier Jahren wurde er aber mit der schwarzen Flagge bestraft

Die Szene im Grand Prix von Europa, als Lewis Hamilton am aus der Boxengasse kommenden Safety-Car vorbeifuhr, sorgte noch Tage nach dem Rennen in Valencia für hitzige Diskussionen. Denn der McLaren-Pilot wurde für seinen Regelverstoß zwar mit einer Durchfahrstrafe belegt, aber dadurch, dass diese viel zu spät ausgesprochen wurde, blieb er dennoch Zweiter.

Das stieß besonders Ferrari-Pilot Fernando Alonso sauer auf, der brav hinter dem Safety-Car geblieben und deshalb nur als Neunter über die Ziellinie gefahren, obwohl er zum strittigen Zeitpunkt noch direkt hinter Hamilton gelegen war. "Er hat das Safety-Car einfach überholt. So etwas habe ich überhaupt noch nie gesehen", schimpfte der Spanier und unterstellte den zuständigen FIA-Rennkommissaren in der ersten Emotion sogar Manipulation.

Kein Erstvergehen von Hamilton

Aber wenn Alonso das GP2-Rennen in Imola 2006 aufmerksam verfolgt hätte, dann hätte er schon einmal gesehen gehabt, wie das Safety-Car von einem Teilnehmer des Rennens überholt wird. Der Übeltäter damals: ebenfalls Hamilton! "Ich konnte es nicht glauben", meinte Safety-Car-Beifahrer Marco Codello vor vier Jahren. "Ich muss jetzt meine Hosen wechseln! Nein, aber ganz im Ernst: Lewis ist regelrecht an uns vorbeigeflogen!"

Damals waren die Offiziellen weniger gnädig mit dem im Rennen führenden Hamilton und nahmen ihn mittels schwarzer Flagge aus dem Rennen. In Silverstone mit den damaligen Ereignissen konfrontiert, will sich der Wiederholungstäter jedoch nicht mehr an den GP2-Vorfall erinnern: "Mir wurde gesagt, dass die Regeln die Regeln sind. Wir wurden genau so bestraft, wie es die Regeln vorsehen", entgegnet er ausweichend.

Erst auf Nachbohren eines Journalisten gibt er zu: "An das, was damals passiert ist, kann ich mich nicht mehr genau erinnern, aber jede Durchfahrstrafe ist ausreichend, finde ich. Wir wollen ja ein Rennen und eine gute Show. Zum Glück konnte ich in Valencia einen Vorsprung aufbauen, um für die Strafe zu kompensieren, aber ich glaube nicht, dass die Strafe zu weich war - die Rennkommissare haben einen guten Job gemacht."

Der WM-Leader findet sogar, dass die Rennkommissare generell angemessen handeln, indem sie nicht jedes Vergehen drakonisch bestrafen, wie dies früher manchmal der Fall war: "Die FIA macht dieses Jahr einen guten Job und lässt die Rennen laufen, denn dafür sind wir ja hier", erklärt er. "Wenn du absichtlich zu betrügen versuchst, dann soll es dafür natürlich harte Strafen geben, aber in diesem Fall war es keine Absicht, sondern es ist halt so gelaufen."

Genau seine Argumentation, nicht absichtlich am Safety-Car vorbeigegangen zu sein, nehmen ihm viele Fans aber nicht ab - vor allem nicht nach der Lügenaffäre von Melbourne 2009, als er die Rennkommissare auf Anweisung des damaligen McLaren-Sportdirektors Dave Ryan absichtlich angelogen hat. Hamilton entschuldigte sich zwar später unter Tränen vor versammelter Weltpresse, doch seine Glaubwürdigkeit hat unter "Liegate" stark gelitten.

TV-Bilder lassen an Aussagen zweifeln

Auf den TV-Bildern von Valencia ist eindeutig zu sehen, wie sein Silberpfeil zunächst langsamer wird, als das Safety-Car nebenbei auftaucht - kurzzeitig wird der Abstand zwischen dem vorne liegenden Safety-Car und dem McLaren sogar etwas größer. Doch fast so, als hätte er im letzten Moment erkannt, dass er das Safety-Car nur vor, aber nicht nach der zweiten Safety-Car-Linie überholen darf, beschleunigte er plötzlich wieder.

Hamiltons Geistesblitz kam aber zu spät, sodass er erst nach der Safety-Car-Linie vorne war, wofür die Strafe ausgesprochen wurde. Nach dem Rennen erklärte er sein Zögern folgendermaßen: "Wenn das Safety-Car rauskommt, dann hast du die ganzen Piepstöne im Ohr und Informationen auf der Anzeige und Leuchtsignale, die angehen. Zwischen den Safety-Car-Linien darf man ja schnell fahren. Das ist einfach alles so verwirrend", so der Ex-Weltmeister in Valencia.

Den Eindruck, dass die Strafsprechung der Rennkommissare seit der Nominierung von Ex-Rennfahrern als Berater eher inkonstanter geworden ist, teilt er aber nicht: "Es gibt Unterschiede, ja, aber es ist ja auch jede Situation anders", sagt Hamilton. "Ich glaube nicht, dass es eine einzige Situation gibt, die zweimal passiert, sondern es ist jedes Mal ein anderes Szenario - ein anderer Zeitpunkt im Rennen oder ein anderer Zeitpunkt des Wochenendes."

"Die Kommissare stehen unter großem Druck, den Journalisten und Fahrer aufbauen", meint er. "Aber ich finde, dass sie dieses Jahr besser sind als je zuvor. Es gab Strafen und Verwarnungen, aber sie haben auch zu guten Rennen beigetragen. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen. Ja, wir können die Situation immer verbessern und wir versuchen auch, mit der GPDA dazu beizutragen, aber wenn wir so weitermachen, dann wird die Formel 1 in den nächsten Jahren der aufregendste Sport sein."

Fotoquelle: xpb.cc


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