Fernando Alonso, Polesetter Sebastian Vettel und Mark Webber

Formel 1 2010

— 10.07.2010

Red Bull deklassiert den Rest der Welt!

Keine Chance für McLaren, Fernando Alonso bester Verfolger: Sebastian Vettel und Mark Webber sind in Silverstone eine Klasse für sich

Mit einer einerseits zwar erwarteten, andererseits aber in dieser Form doch überraschenden Dominanz sicherte sich Red Bull heute in Silverstone die erste Startreihe für den Grand Prix von Großbritannien - übrigens sehr zum Leidwesen der fast 100.000 britischen Fans, die sich natürlich einen ihrer "Local Heroes" auf Pole-Position gewünscht hätten.

Doch bei strahlendem Sonnenschein, 25 Grad Luft- und 35 Grad Asphalttemperatur spielte das "Champions-Dreamteam" McLaren im Kampf um die erste Startreihe keine Rolle. "Wir hatten vielleicht 20 Upgradeteile, von denen wir sechs oder sieben noch am Auto haben. Die Wahrheit ist aber, dass wir im Vergleich zu Red Bull im Hintertreffen sind", hatte Teamchef Martin Whitmarsh schon vor dem Qualifying geahnt.

Keine Chance für McLaren

Er sollte Recht behalten: Zunächst legte Sebastian Vettel im ersten Run 1:29.695 Minuten vor, im zweiten Versuch konnte sich der Deutsche sogar noch auf 1:29.615 Minuten steigern. Lewis Hamilton hatte dagegen keine Chance, verbesserte sich zwar von 1:30.897 auf 1:30.556 Minuten, blieb in der Endabrechnung aber Vierter. Formel-1-Experte Martin Brundle lobt dennoch: "Damit kann er wahrscheinlich am glücklichsten von allen Top-10-Fahrern sein!"

Vettel wirkt angesichts seiner Pole-Position aber auch nicht gerade traurig: "Zum Glück funktioniert unser Auto hier immer sehr gut", sagt der Deutsche, der Silverstone als "unglaubliche" Strecke bezeichnet. "Es war eine enge Session. In Q2 habe ich etwas zu viel gewollt, hatte zu viel Übersteuern, also ging ich in Q3 konservativer zu Werke. Ich war weicher und runder unterwegs und am Ende hat es für die Pole gereicht, was für morgen das Wichtigste ist."

Sein Vorsprung auf Teamkollege Mark Webber betrug letztendlich 0,143 Sekunden, denn der Australier konnte im zweiten Run nicht mehr zulegen. Dennoch ist er nach seinem Horrorcrash vor zwei Wochen mit Platz zwei recht zufrieden: "Nach Valencia ist dieses Ergebnis gut für mich. Ich freue mich auf das Rennen." In Q2 hatte Webber Vettel sogar noch um 0,366 Sekunden abgehängt und Bestzeit erzielt.

Heißes Duell der Red-Bull-Piloten

Teamchef Christian Horner ist mit der Leistung von beiden zufrieden: "Sie lagen unheimlich eng beisammen. Mark war im ersten Sektor immer ein bisschen schneller, im zweiten waren sie gleich und im dritten war Seb ein bisschen schneller. Aber im Grunde waren sie gleich schnell. Sie haben einen tollen Job gemacht", so der Brite, der davon überzeugt ist, dass Red Bull auch im morgigen Rennen konkurrenzfähig sein wird.

Aber: "Hoffentlich ist unsere Rennpace besser. Es ist ein langes Rennen, wir sind ein gutes Rennteam und wir haben zwei gute Rennfahrer. Daher geben wir sicher nicht auf", gibt sich McLaren-Teamchef Whitmarsh noch nicht geschlagen. Auch Horner weiß: "Lewis ist im Rennen immer ein Faktor." Und auch Fernando Alonso schreibt er noch lange nicht ab: "Fernando war schon das ganze Wochenende schnell. Ferrari darf man nicht unterschätzen."

Der Spanier wirkte schon heute Morgen stark verbessert, nachdem Ferrari am Freitag keine gute Figur gemacht hatte, und fuhr auch im Qualifying von Anfang an vorne mit. "Wir haben das Auto ohne Frage verbessert", berichtet er. "Ich fühle mich im Cockpit wohler und die Leistungen werden besser. Wir sind hier sehr konkurrenzfähig und ich hoffe, dass wir morgen gute Punkte sammeln können." Platz drei ist dafür keine schlechte Ausgangsposition.

Spaziergang für Red Bull?

0,811 Sekunden Rückstand auf die Pole-Position lassen aber vermuten, dass Vettel und Webber unter normalen Umständen nicht zu schlagen sein werden. Das sieht auch Formel-1-Experte Brundle so: "Wenn sie sich nicht selbst auf die Zehen treten, wird das für Red Bull ein Spaziergang. Sie können den Sieg nur verlieren." Denn Hamiltons McLaren ist im Rennen normalerweise stärker als im Qualifying, liegt in Silverstone aber vor allem auf den Bodenwellen extrem unruhig.

Nico Rosberg (Mercedes) gab nach den zuletzt enttäuschenden Ergebnissen als Fünfter wieder ein Lebenszeichen von sich: "Das ist ein schönes Resultat", freut er sich. "Das zeigt, dass wir verstanden haben, was in Valencia schiefgelaufen ist." 1,010 Sekunden Rückstand geben ihm aber doch ein wenig zu denken: "Red Bull ist unschlagbar, aber einen Ferrari und einen McLaren vor uns können wir im Rennen vielleicht noch holen", kündigt er an.

Im teaminternen Stallduell mit Michael Schumacher, der als 15. beinahe schon in Q1 ausgeschieden wäre, behielt er um 0,805 Sekunden die Oberhand. Schumacher wirkte ab Q2 an und für sich recht stark, ging aber im Top-10-Finale im Gegensatz zur Rosberg nur einmal auf die Strecke und verbaute sich damit wohl seine Chancen, denn: "Seine Idealzeit sieht anders aus - etwa in der Liga, in der Nico war", weiß Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

"Wir haben auf einen Run gesetzt, was im Normalfall vernünftig ist, aber im Nachhinein doch die falsche Entscheidung war", gibt Schumacher zu, nennt aber noch einen anderen möglichen Grund: "Ich möchte behaupten, dass der letzte Reifensatz nicht ideal war. Ich hatte in der ersten Runde einen kleinen Fehler drin, wollte dann den Reifen abkühlen lassen und dann noch einmal attackieren - aber da kam einfach nicht mehr."

Wieder ein Sauber in den Top 10

Die große Überraschung in Q3 war aber Pedro de la Rosa (Sauber) als Neunter, unmittelbar hinter dem brasilianischen Duell zwischen Felipe Massa (Ferrari) und Rubens Barrichello (Williams) um Platz sieben, in dem sich Massa um gerade mal drei Tausendstelsekunden durchsetzen konnte. Robert Kubica (Renault) lieferte indes einmal mehr eine solide Leistung ab und wurde mit 1,425 Sekunden Rückstand guter Sechster.

Die mit Sicherheit größte Enttäuschung des Tages war Jenson Button, der als 14. schon in Q2 ausschied, obwohl er im Finish gleich mehrere Versuche am Stück drehte, von denen keiner durch langsamere Fahrzeuge behindert wurde. "Ich habe auf der Hinterachse keinen Grip", meldete er über Funk. Später gab ihm sein Renningenieur Jakob Andreasen durch: "Jenson, leider haben wir es nicht in Q3 geschafft. Tut mir leid."

"Heute Morgen fühlte sich das Auto noch richtig gut an", wundert sich Button, dessen Silverstone-Fluch anzuhalten scheint. "Ich persönlich vermute, dass irgendetwas kaputt ist, denn das Auto war total unfahrbar. That's it. Ich weiß nicht, ob ich seit heute Morgen an der Hinterachse Anpressdruck verloren habe, aber das Auto war unfahrbar. Es war ein schwieriges Wochenende, ja, aber so etwas ist nicht normal."

Sutil nach Aus bitter enttäuscht

Ebenfalls bereits in Q2 musste Adrian Sutil die Segel streichen - nach den starken Trainingsleistungen der Nummer eins bei Force India doch eine Enttäuschung. Die Q1-Zeit des Deutschen hätte in Q2 für Platz sechs gereicht, so aber verpasste er den Cut um 55 Tausendstelsekunden gegen Kubica. Am Motorwechsel vor der Session lag das nicht, denn im ersten Abschnitt des Qualifyings war sein Auto noch voll konkurrenzfähig.

Trösten kann er sich mit dem besten Topspeed des Tages (304 km/h) und der Tatsache, dass er seinen Teamkollegen Vitantonio Liuzzi (15.) wieder einmal deutlich geschlagen hat. Weitere Q2-Opfer waren heute Kamui Kobayashi (Sauber/12.), Nico Hülkenberg (Williams/13.), Vitaly Petrov (Renault/16.), der einmal langsam an die Box zurückgerollt kam, und der Schweizer Sébastien Buemi (Toro Rosso/17.).

Den Wettbewerb der drei neuen Teams gewann Heikki Kovalainen (Lotus), allerdings nur 0,370 Sekunden vor Timo Glock. Der Virgin-Pilot ist dementsprechend zufrieden: "Das Auto hat gut funktioniert und meine beiden Runden waren auch sehr stark. Für mich ist dieser 20. Platz wie eine Pole!" Senna-Ersatzmann Sakon Yamamoto (HRT) wurde erwartungsgemäß Letzter, 0,392 Sekunden hinter seinem Teamkollegen Karun Chandhok (23.).

Fotoquelle: xpb.cc


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