Christian Horner wird oft vorgeworfen, Sebastian Vettel zu bevorzugen

Formel 1 2010

— 10.07.2010

Flügel für Vettel: Wieder Stunk bei Red Bull?

Christian Horner muss sich nach dem Qualifying in Silverstone schon wieder wegen angeblicher Bevorzugung von Sebastian Vettel rechtfertigen

Nach der teaminternen Kollision von Istanbul zeichnet sich im Hause Red Bull schon wieder ein Streit zwischen den beiden Fahrern an. Denn Mark Webber fühlte sich bereits in Istanbul ungerecht behandelt, weil die Schuld am Zusammenstoß sofort ihm zugeschoben wurde, und nun erweckt das Team erneut den Eindruck, dass Sebastian Vettel insgeheim bevorzugt wird.

Stardesigner Adrian Newey hatte für dieses Wochenende einen neuen Frontflügel entwickelt, von dem nur zwei Exemplare rechtzeitig fertig wurden. Vettels Flügel ging im dritten Freien Training kaputt, weil sich die Komponente aufgrund eines lockeren Schnellverschlusses beim Anbremsen der Abbey-Kurve löste. Doch anstatt den RB6 des Deutschen auf die alte Spezifikation zurückzurüsten, musste Webber seinen Flügel an den Teamkollegen abtreten.

Problem: Ein Flügel, zwei Fahrer

Frage an Teamchef Christian Horner: Bedeutet das, dass ihr nun effektiv einen Fahrer bevorzugt? "Ich denke nicht", entgegnet er. "Die Performance der beiden lag heute sehr, sehr eng beisammen. Leider gerieten wir in eine Situation, in der wir nur einen Frontflügel zur Verfügung hatten, der eine etwas andere Charakteristik aufweist. Beide Fahrer probierten ihn im Training aus und einer hatte eine stärkere Präferenz dafür als der andere."

Das war offenbar Vettel, denn der neue Flügel führt angeblich zu einem etwas aggressiveren Einlenkverhalten, was dem Fahrstil des amtierenden Vizeweltmeisters eher entgegenkommen soll als dem von Webber. Horner weiter: "Leider muss ich manchmal schwierige Entscheidungen treffen - und mit nur einem verfügbaren Flügel und den Fakten, die wir zur Hand hatten, auch basierend auf der WM-Position, ging dieser Flügel heute an Sebastian."

Allerdings kann man sich kaum vorstellen, dass Webber den Flügel freiwillig abgetreten hat. Nur: "Die Fahrer legen nicht die Spezifikation der Autos fest", stellt Horner unmissverständlich klar. "Das war noch nie so und das wird auch nie so sein. Es war eine Teamentscheidung. Adrian wollte den Flügel im Rennen einsetzen und ich musste dann die Entscheidung treffen, welche Crew ihn bekommen soll. Aufgrund der WM-Position und des dritten Trainings schien es mir logisch, Sebastian auszuwählen."

"Wir planen ein solches Szenario nicht", versucht der Brite, den Eindruck der Bevorzugung eines Fahrers zu entschärfen. "Wenn wir einen Fahrer bevorzugen würden, dann hätten wir diesem Fahrer auch gleich einen Ersatzflügel gegeben und dem anderen gar keinen. Wir werden weiterhin beide Fahrer so gerecht wie möglich unterstützen, aber manchmal muss man schwierige Entscheidungen treffen. Das war heute der Fall."

Webber wirkt nicht glücklich

Webber freilich scheint diesen Worten ebenso wenig zu glauben wie die Journalisten, die den Red-Bull-Teamchef immer weiter mit Fragen löcherten und immer wieder die gleichen Antworten zu hören bekamen. Denn während der Pressekonferenz nach dem Qualifying machte der 33-Jährige einen höchst verschnupften Eindruck, ohne sich konkret zu dem Thema zu äußern. Klar ist: Ein Fahrer, der sich gerecht behandelt fühlt, sieht anders aus.

Ob es klug war, Webber erst in Istanbul das Gefühl zu geben, nicht der meistgeliebte Fahrer zu sein, ihm kurz darauf einen neuen Vertrag anzubieten und ihn dann wenig später schon wieder zu vergrämen, sei dahingestellt. Horner glaubt aber nicht, dass der Australier deswegen verstimmt sein könnte: "Mark weiß, wie wir als Team arbeiten. Er weiß, dass keinerlei böse Absicht hinter dieser Entscheidung steckt. Es war keine Manipulation."

Und: "Mark hat auch bestimmte Komponenten an seinem Auto, die produziert wurden und etwas leichter sind als Komponenten der gleichen Spezifikation, aber die hat er bekommen", argumentiert Horner. "Wenn wir in jeder Hinsicht unfair sein wollten, dann würden wir alles Sebastian geben - und Sebastian hätte auch den zweiten Frontflügel gehabt. Das war aber nicht der Fall. Es gab nur einen Flügel und wir mussten eine Entscheidung treffen."

Auf die Frage, ob er zumindest Mitleid mit seinem zweiten Fahrer habe, der derzeit nicht allzu glücklich wirkt, antwortet er nur: "Ich glaube nicht, dass Mark sauer ist." Darauf kann Red Bull nur hoffen, denn Webber ist morgen unter normalen Umständen wohl der einzige Konkurrent, der Vettel im Kampf um den Sieg gefährlich werden kann - und die beiden Kollisionspartner von Istanbul stehen nebeneinander in der ersten Startreihe...

Fotoquelle: xpb.cc


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