Routinier Michael Schumacher würde gerne wieder etwas mehr testen

Formel 1 2010

— 24.07.2010

Schumacher: Testverbot ist "lächerlich"

Erstmals fordert Michael Schumacher eine Aufhebung des Testverbots während der Saison: "Alle im Fahrerlager würden da zustimmen"

Als Testfahrten während der Saison noch nicht verboten waren, gehörte es zu Michael Schumachers großen Stärken, Defizite seines Ferrari in akribischer Detailarbeit auf der hauseigenen Teststrecke in Fiorano Schritt für Schritt auszumerzen. Experten zufolge könnte einer der Gründe für sein bisher eher bescheiden verlaufenes Comeback sein, dass er diese Möglichkeit nun nicht mehr hat.

Nach seinem Scheitern in Q2 in Hockenheim sprach sich der siebenfache Weltmeister erstmals öffentlich für eine Aufhebung des Testverbots während der Saison aus: "Besonders dieses Jahr haben die Teams verschiedene aerodynamische Features an ihren Autos. Wenn du siehst, dass du diese nicht hast, willst du sie natürlich auch implementieren. Das bedeutet, man entwickelt sie zu Hause, ohne zu testen, und schraubt sie dann ans Auto - sei es nun der F-Schacht oder der auspuffangeströmte Diffusor", erklärt Schumacher.

Viele Ideen, wenig Zeit zum Testen

"Wir testen diese Dinge am Rennwochenende, aber da ist naturgemäß sehr wenig Zeit. Mit all diesen neuen Ideen und Teilen, die an die Autos geschraubt werden, gibt es weitreichende Auswirkungen, sodass man ohne Erfahrung ins Rennwochenende geht. Da hat man dann wenig Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, und deswegen muss man sich auf Kompromisse einlassen. Es ist schwierig, sich durch die ganze Entwicklungsarbeit zu kämpfen, durch die man sich kämpfen muss. Die Folge ist, dass es Probleme gibt", so der Mercedes-Pilot.

"Wenn man sich vorstellt, welches Niveau dieser Sport hat, wie viel Geld investiert wird, dann ist es merkwürdig, dass es der einzige Sport ist, in dem man nicht trainieren oder testen darf. Das ist lächerlich", findet er scharfe Worte. "Ich verstehe, warum es dazu gekommen ist, aber genauso lächerlich, wie es früher war, 90.000 Kilometer pro Jahr zu testen, ist es auch, jetzt gar nicht mehr zu testen. Ich finde, man sollte sich gut überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, Testfahrten in einem angemessenen Rahmen zuzulassen. Alle im Fahrerlager würden da zustimmen, glaube ich."

Eine der Schwierigkeiten ist seiner Meinung nach: "Jeder hat eine Idee, wie man es machen soll, aber die Leute können sich nicht auf eine Idee einigen. Das ist wahrscheinlich das Problem." Eine der sinnvoll klingenderen dieser Ideen ist, am Montag nach einem Grand Prix noch an der Strecke zu bleiben, um einen Tag lang mit den Rennteams zu testen. Das würde Reisekosten sparen und keine Rückkehr zu eigenen Testteams erforderlich machen. Die MotoGP hat bereits vorexerziert, dass dieses Modell funktionieren kann.

Testverbot tut bei Problemen besonders weh

Schumacher leidet unter dem Testverbot nach seiner dreijährigen Pause mehr als die jungen Fahrer, die voll im Saft stehen - und das nicht nur aus Fahrer-, sondern auch aus Teamsicht: "Die Rahmenbedingungen sind für alle gleich, aber wenn das Auto gut läuft, leidest du darunter weniger", erläutert Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Der Silberpfeil war im Gegensatz zum Red Bull nicht vom ersten Testkilometer an konkurrenzfähig. Ist das der Fall, "hast du unter den aktuellen Regeln sicherlich größere Komplikationen, die damit verbunden sind", seufzt Schumacher.

"Das sieht man bei allen Teams - bei McLaren mit dem Auspuffsystem, bei Ferrari mit dem F-Schacht und dem Auspuffsystem, bei uns. Alle haben damit ihre Probleme, weil es konzeptionell komplett andere Dinge sind, wo du nicht alles vorhersehen kannst", erklärt der 41-Jährige. "Red Bull war in der Hinsicht am besten vorbereitet - die hatten über den Winter mehr oder weniger das komplette Paket, bis auf den F-Schacht, der auch seine Probleme birgt. Aber mit dem Vorsprung, den sie mitgebracht haben, ist das natürlich nicht ganz so problematisch."

Fotoquelle: xpb.cc


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