Felipe Massa, Sieger Fernando Alonso und Sebastian Vettel auf dem Podium

Formel 1 2010

— 25.07.2010

Stallorder in Hockenheim: Alonso vor Massa!

Ferrari entscheidet: Alonso darf gewinnen, Massa nur Zweiter werden - Sebastian Vettel vor den beiden McLaren-Piloten auf Platz drei

Ferrari feierte heute in Hockenheim den ersten Doppelsieg seit dem Saisonauftakt in Manama, doch dem zweiten Saisonerfolg heftet ein riesiger Schatten an. Denn genau wie in Spielberg 2002 ("Let Michael pass for the Championship!") entschied eine offensichtliche Stallorder ber den Ausgang des Grand Prix von Deutschland.

In der 48. Runde funkte Renningenieur Rob Smedley ins Cockpit von Felipe Massa: "Fernando ist schneller als du. Kannst du besttigen, dass du diese Botschaft verstanden hast?" Nur eine Runde spter der Fhrungswechsel: Massa ging ausgangs der Haarnadelkurve demonstrativ vom Gas und lie seinen Teamkollegen berholen! Dass das keine freiwillige Aktion war, beweist der Boxenfunk, denn Smedley meldete sich nach Vollzug noch einmal bei seinem Schtzling: "Sorry, Felipe!"

Ferrari: Von Anfang an Spannungen

Begonnen hatte das heie Duell der beiden Ferrari-Piloten bereits am Start: Polesetter Sebastian Vettel (Red Bull) kam schlecht weg, zog nach innen, um sich gegen Fernando Alonso zu verteidigen - aber auen ntzte Massa seelenruhig den freien Raum, um vom dritten Platz aus in Fhrung zu gehen! Der Brasilianer musste zwar in der Nordkurve ber die Curbs hinausfahren, war aber nach der ersten Kurve sicher vor Alonso und Vettel Erster.

Ferrari lieferte von da an eine dominante Vorstellung ab, doch Alonso wirkte ber weite Strecken etwas schneller. In der 21. Runde nahm das Duell dann Brisanz auf: Alonso nutzte die Gunst einer berrundung, setzte sich neben seinen Teamkollegen und hatte die Nase schon vorne, doch Massa bremste spt und verteidigte die Fhrung. Alonso lie das nicht auf sich sitzen und schrie seinem Renningenieur Andrea Stella ins Ohr: "Das ist doch lcherlich!"

Der Spanier lie sich demonstrativ zurckfallen und hatte schon fast vier Sekunden Rckstand - offensichtlich mit Wut im Bauch. Aber pltzlich drehte er wieder auf und holte Massa ein. Dann die Ereignisse in der 49. Runde. "Ich wei nicht, was passiert ist, aber ausgangs Kurve sechs war Felipe langsam", wscht Alonso seine Hnde in Unschuld. "Du musst jede Gelegenheit nutzen, die sich dir bietet, denn man kann hier nur schwer berholen."

Massa natrlich stinksauer

Pressekonferenz nach dem Rennen, Frage an Massa: Findest du, dass du den Sieg verdient gehabt httest? "Ich denke schon", antwortet er mit suerlicher Miene. "Mein Start war fantastisch und die Pace auf weichen Reifen auch. Mit den harten hatte ich leichte Probleme, aber es war ein sehr gutes Rennen fr uns." Und was war das fr ein Manver? "Ich glaube nicht, dass ich dazu etwas sagen muss", knurrt er. "Wir arbeiten fr das Team und wir machen einen sehr guten Job."

Fr Smedley ist klar, dass es keine Strafe geben wird, denn: "Fernando war schneller und Felipe hat nach der Haarnadel auch noch einen Fehler gemacht. Wir lagen vorne und hatten sechs Sekunden Vorsprung auf Sebastian", erlutert er mit einem geqult wirkenden Lcheln im Gesicht. "Da kann man doch nicht ber Teamorder sprechen! Fernando war schneller und er ist dann vorbeigekommen. Er hat es normal gewonnen. Es war keine Stallorder."

Alonso lie sich die Butter von jenem Zeitpunkt an nicht mehr vom Brot nehmen, gewann nach 67 Runden mit 4,1 Sekunden Vorsprung. Massa musste sich in den letzten Runden noch gegen den von hinten drckenden Vettel verteidigen, behielt aber khlen Kopf und kam 0,9 Sekunden vor dem Lokalmatador ber die Ziellinie. Der hatte heute keine Chance gegen Ferrari, drehte aber ganz zum Schluss noch die schnellste Runde im Rennen.

Start: Entscheidung gegen Vettel

"Normalerweise sind unsere Starts sehr gut. Ich bin mir nicht sicher, was heute los war, aber die ersten fnf bis zehn Meter waren sehr schlecht - da htte ich den Motor fast abgewrgt", erklrt Vettel, wo er die Chance auf den Sieg im Heimrennen vergeben hat. "Dann war ich Seite an Seite mit Fernando. Dass Felipe links vorbeikam, hat mich berrascht. Die Ferraris waren heute einfach um das Zehntel schneller."

Hinter den Top 3 war Hockenheim 2010 nicht allzu aufregend. Lewis Hamilton (McLaren) ging bereits in der ersten Runde dank des besseren Topspeeds an Mark Webber (Red Bull) vorbei, dahinter reihte sich zunchst Jenson Button (McLaren) ein. Auch Michael Schumacher (Mercedes) machte Positionen gut und war vor Stallgefhrte Nico Rosberg Achter, whrend beide Williams-Piloten aus den Punkterngen zurckfielen.

In der zwlften Runde kam Vettel an die Box, in der 13. Alonso und Webber, in der 14. Massa und Hamilton. Verschiebungen ergaben sich dadurch zunchst nicht, aber Button kam erst im 22. Umlauf zum Reifenwechsel und war bis dahin phasenweise der schnellste Mann auf der Strecke. Dadurch ging er durch die Strategie an Webber vorbei - und beinahe wre er sogar Hamilton gefhrlich geworden, der gegen Rennmitte brigens kurzzeitig Benzin sparen musste.

Webber mit lproblemen im Ziel

Hamilton und Button liefen mit knapp einer halben Minute Rckstand auf den Pltzen vier und fnf ein, gefolgt von Webber. Der erhielt in der 44. Runde einen Funkspruch von seinem Renningenieur Ciaran Pilbeam: "Das Problem ist der hhe lverbrauch. Hartes und sptes Bremsen hilft!" Der Australier rettete sich aber ins Ziel, deutlich vor Robert Kubica (Renault) und Rosberg. Letzterer kam durch einen langen ersten Stint an Schumacher vorbei.

Schumacher war als Neunter alles andere als glcklich: "Es war leider Platz neun, aber es htte Platz sieben sein knnen", seufzt der siebenfache Weltmeister und rgert sich: "Wir waren leider frh unterwegs mit dem Boxenstopp. Wir haben auf Umstnde reagiert, aber im Nachhinein wre es wohl klger gewesen, noch ein bisschen drauen zu bleiben. Aber ob Siebter oder Neunter, das macht fr mich nicht den groen Unterschied."

Der 41-Jhrige war vom eigentlich erhofften Podestplatz meilenweit entfernt, aber stets nahe an seinem Teamkollegen dran: Bereits gestern verlor er das Stallduell nur um acht Tausendstelsekunden, heute gaben die Strategie und 3,1 Sekunden Rckstand auf der Ziellinie den Ausschlag. Auf Vitaly Petrov (Renault) hatte Schumacher nach hinten 4,3 Sekunden Puffer. Elfter wurde Kamui Kobayashi (Sauber).

Keine Punkte fr Williams

Das Sauber-Team hatte Pedro de la Rosa lange an siebter Stelle im Rennen, lag aber trotzdem nie auf Punktekurs, denn der Spanier wurde nur nach vorne gesplt, weil er den Boxenstopp lange hinauszgerte. Seine beste Leistung waren zwei berholmanver gegen den jungen Deutschen Nico Hlkenberg (Williams/13.), der seinerseits 0,6 Sekunden hinter Teamkollege Rubens Barrichello abgewunken wurde.

Insgesamt sahen 19 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge. Fr Toro Rosso war das Rennen schon am Start vorbei, als Jaime Alguersuari (15.) Sbastien Buemi beim Anbremsen der Haarnadelkurve anschob und den Heckflgel wegrasierte. Auch Adrian Sutil (Force India) erlebte einen katastrophalen Nachmittag mit drei Boxenstopps und zwei Runden Rckstand - Platz 17. Timo Glock (Virgin) wurde als schlechtester Deutscher 18.

In der Fahrer-WM fhrt Hamilton (157) nach elf von 19 Rennen mit 14 Punkten Vorsprung auf Button. Ebenfalls noch Titelchancen haben Webber, Vettel (je 136) und Alonso (123); Schumacher (38) ist Neunter. Bei den Konstrukteuren fhrt weiterhin McLaren (300) vor Red Bull (272), Ferrari (208) und Mercedes (132). Weiter geht es schon in einer Woche mit dem Grand Prix von Ungarn auf dem Hungaroring in Budapest.

Fotoquelle: xpb.cc


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