McLaren erwartet sich noch große Fortschritte im Bereich des Diffusors

Formel 1 2010

— 26.07.2010

Diffusor: McLaren sieht noch viel Potenzial

Auspuffangeströmter Doppeldiffusor und flexibler Frontflügel: McLaren ortet Bereiche, in denen man Boden auf Red Bull und Ferrari gutmachen kann

In fünf von elf Rennen hat McLaren mehr Punkte gesammelt als alle anderen Teams; zudem sind die "Chrompfeile" der einzige Rennstall, der dieses Jahr noch kein einstelliges Ergebnis geschrieben hat - Barcelona und Monte Carlo waren mit je zehn Zählern die mit Abstand schlechtesten Vorstellungen. Dabei war der MP4-25 in Hockenheim nur noch das drittschnellste Auto im Feld.

Ein Riesenthema ist nach wie vor der auspuffangeströmte Diffusor, der am Freitag in Silverstone getestet, für den Grand Prix von Großbritannien aber wieder abmontiert wurde. Gestern kam das System erstmals auch im Rennen zum Einsatz. "Es ist definitiv eine Verbesserung und es war richtig, den Diffusor am Auto zu behalten", findet Jenson Button. "Für mich fühlt sich das Auto besser an als in Silverstone, aber der große Zeitunterschied zu den zwei Teams vor uns überrascht mich."

Im Qualifying fehlten dem amtierenden Weltmeister sieben Zehntelsekunden auf Red Bull und Ferrari, im Rennen war McLaren ebenfalls ganz klar nur die Nummer drei. Daher glaubt Lewis Hamilton, dass man nicht alles auf den Diffusor reduzieren sollte: "Es ist nicht nur der Diffusor, sondern das Gesamtpaket. Wir müssen einige weitere Bereiche verbessern, insbesondere einen", spielt er auf den fehlenden Anpressdruck an.

Diffusor für mehr Anpressdruck

Aber: "Ich hoffe, dass sich einige Türen öffnen, wenn wir den Diffusor einmal im Griff haben", gibt sich Hamilton optimistisch. Vor allem in mittelschnellen und schnellen Kurven muss McLaren bald etwas finden, denn auf den Geraden sind Button und Hamilton dank des wahrscheinlich besten F-Schacht-Systems im Feld ohnehin am schnellsten. Der auspuffangeströmte Diffusor würde auch das Manko an Anpressdruck wettmachen, wenn er einmal richtig funktioniert.

Dafür war es in Hockenheim noch zu früh: "Es war für das Team und für beide Jungs wegen des Wetters ziemlich schwierig", so Teamchef Martin Whitmarsh, "denn wir haben ein Problem, das wir verstehen müssen. Da brauchst du so viel Trainingszeit wie möglich, aber andererseits wäre es bei diesem Wetter sowieso kein besonders relevantes Testen gewesen. Ich glaube nicht, dass wir das als Ausrede gelten lassen sollten. Wir waren einfach nicht schnell genug."

"Ferrari", wirft er einen Blick auf die Konkurrenz, "hat einen guten Job gemacht, die haben sich weiterentwickelt. Das wird während des Rests der Saison passieren. Alles hat sich auf das Duell zwischen uns und Red Bull konzentriert, aber Ferrari und Mercedes waren schon immer in der Lage, da ein Wörtchen mitzureden. Ferrari und Alonso tun das im Moment." Genau so einen Sprung, wie ihn Ferrari in Hockenheim gemacht hat, visiert nun auch McLaren an.

"Wir arbeiten am auspuffangeströmten Diffusor, aber wenn diese Arbeit einmal erledigt ist, öffnen sich für unsere Ingenieure neue Entwicklungsmöglichkeiten", so Whitmarsh. "Ich bin mir sicher, dass wir nach Hockenheim alle notwenigen Informationen haben, und ich wäre enttäuscht, wenn wir dann nicht für den Rest des Jahres laufend weiterentwickeln könnten. Wenn du Weltmeister werden willst, musst du das Auto bei jedem Rennen weiterentwickeln. Das werden wir versuchen."

Ferrari-Frontflügel unter der Lupe

"Uns sind einige Dinge am Ferrari aufgefallen, die wir uns gerade ansehen", fährt er fort. "Es ist einfach die allgemeine Weiterentwicklung. Sie haben am auspuffangeströmten Diffusor gearbeitet, aber wir sollten nicht alles darauf reduzieren. Der Diffusor ist nicht die Antwort auf alles, aber wenn du das Chassis einmal in diesem Bereich optimiert hast, kannst du damit beginnen, das Auto weiterzuentwickeln. Ferrari hat aber noch weitere Features am Auto, die interessant sind."

Damit spielt der McLaren-Teamchef auf den angeblich flexiblen Frontflügel am F10 und am Red Bull RB6 an, der gestern vor dem Rennen erstmals ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte. Doch FIA-Inspektor Jo Bauer hat beide Flügel am Sonntagabend in Hockenheim für legal erklärt - und derzeit ist nicht bekannt, dass jemand Protest eingelegt hätte. Das bedeutet, dass McLaren in diesem Bereich wohl ebenfalls nachrüsten darf.

Zunächst soll aber der auspuffangeströmte Diffusor optimiert werden: "Wir holen derzeit wahrscheinlich weniger als die Hälfte von dem raus, was möglich wäre. Ich bin mir aber sicher, dass das in den nächsten Rennen besser wird", glaubt Whitmarsh. "Wenn diese Arbeit einmal abgeschlossen ist, können die Aerodynamiker an den Details des Unterbodens arbeiten, am Auspuff, an der Interaktion mit den Reifen. Da gibt es dann großen Spielraum für Verbesserungen."

Dass Mark Webber den Vorteil des auspuffangeströmten Diffusors mit "Peanuts" beziffert hat, nimmt man bei der Konkurrenz nicht ernst: "Ich bin mir sicher, dass sie weiterhin damit fahren werden", lacht Whitmarsh über die Einschätzung des Red-Bull-Piloten. "Ich weiß nicht, wie viel er an ihrem Auto bringt, aber ich halte ihn für ein sehr interessantes aerodynamisches Element. Wir stellen schon Fortschritte damit fest und wir erwarten noch weitere Fortschritte."

Fotoquelle: xpb.cc


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