Eddie Irvine geht auch nach der Karriere seinen ganz eigenen Weg weiter

Formel 1 2010

— 29.07.2010

Irvine über Motorsport und Moneten

Ex-Ferrari-Pilot Eddie Irvine über seine Erfolge nach dem Rennsport und seine Sicht auf die aktuelle Formel 1: "Ohne Reifenkrieg ist es langweilig"

Eddie Irvine ist der Formel 1 ist den vergangenen Wochen wieder etwas näher gerückt. Der exzentrische Ex-Teamkollege von Michael Schumacher hatte sich nach seinem Abschied aus der Königsklasse rar gemacht, nur selten besuchte er sein ehemaliges Arbeitsumfeld. Was machte der Nordire? Er verdiente Geld - und nicht zu knapp. Britischen Schätzungen zufolge hat es Irvine trotz Wirtschaftskrise und Immobiliencrash mittlerweile auf ein Vermögen von über 100 Millionen Euro gebracht.

"Ich gebe kaum Geld aus, das habe ich noch nie getan", sagt der Lebemann im Interview mit dem Magazin 'F1 Racing'. Eine Aussage, die im krassen Gegensatz zum Playboy-Image vergangener Tage steht. "Klar, ich hatte auch Boote und Flugzeuge. Aber für mich selbst habe ich sonst kaum etwas ausgegeben. Ich kaufe keinen Champagner in Nachtclubs, fahre nicht mit protzigen Autos durch die Gegend. Ich bin sehr vorsichtig. Natürlich habe ich schon Verlustgeschäfte hinter mir, aber wirklich wenige. Das liegt daran, dass ich sehr bedacht vorgehe."

Irvine war während seiner Karriere für unverblümte Worte bekannt, nach dem Abschied aus der Szene wurden die Worte nur noch deutlicher. Seit einigen Monaten haben britische Radiohörer ihren Spaß an den deftigen Aussagen. Der 44-Jährige wurde von 'TalkSport Radio' umworben, nach zähen Verhandlungen stimmte Irvine einem Vertrag zu. "Aber ich brauche meine Freiheiten. Meinen Lebensstil werde ich nicht ändern", so die Bedingungen.

Seither beobachtet Irvine die Formel 1 wieder aus professioneller Warte. "Mich überrascht wirklich, dass Adrian Newey immer noch anderen voraus ist. Das letzte Prozent Performance ist so schwierig zu finden, aber er holt immer noch irgend woher mehr Leistung", lobt der Nordire den Red-Bull-Designer, der Sebastian Vettel und Mark Webber auch 2010 ein schnelles Auto konzipierte. Fast hätte Irvine mit Newey zusammenarbeiten dürfen.

Der Designer hatte damals einen Vorvertrag bei Jaguar unterschrieben, wechselte dann aber doch nicht. "Sie haben ihm damals wohl ganz einfach zu wenig Geld geboten. Das war ohnehin ein Thema. Im Team waren alle voll bei der Sache. Nur die Teamleitung bei Jaguar hat sich für viel Geld ein schönes Leben machen wollen", so Irvine. "Eigentlich war ich der Einzige, der den Vertrag erfüllt und normales Geld bekommen hat. Die anderen wurden meistens noch extra bezahlt, damit sie schnell wieder gehen."

Die neuen Regeln samt Nachtankverbot kommen beim Ex-Ferrari-Star nicht gut an. "In Monaco waren die Autos im gesamten Rennen auffällig langsam. Wenn endlich wenig Benzin im Auto ist, dann sind die Reifen hinüber. Dabei geht etwas von der Show verloren. Schlimm ist das nicht. In den Jahren zuvor hat man stets nur auf Boxenstopps gewartet, damit mal ein Fahrer am anderen vorbei kam. Was soll so etwas?"

Irvine erklärt: "Solange kein Reifenkrieg herrscht bleibt es langweilig. Als damals Prost plötzlich mit Bridgestone schnell war, da wurde es interessant." Das neue Punktesystem mag der Ex-Pilot ebenfalls nicht. Mit dem neuen System wäre Irvine 1999 Weltmeister geworden. "Ist mir egal", winkt er ab. "Statt mich bei Frauen als Eddie Irvine, Ferrari-Pilot hätte ich mich dann vielleicht als Eddie Irvine, Weltmeister 1999 vorgestellt. Aber das macht kaum Unterschied. Es wäre für mich, meine Familie und Nordirland vielleicht nett gewesen. Aber mein Leben hat es nicht sonderlich beeinflusst."

Mit dem neuen System müssten sich nun andere aktive Piloten herumschlagen. Aus Sicht von Irvine wird es weiterhin beim Duell von Red Bull gegen McLaren bleiben - mit Vorteilen bei den Briten. "McLaren hat einen genialen Fahrerkader. Jenson, der nie Fehler macht und Lewis, der den ultimativen Speed hat. Er ist wirklich der ultimative Racer. Aber er übertreibt es auch manchmal", sagt er.

Die Rückkehr von Michael Schumacher hat Irvine nicht sonderlich überrascht. Sein Ex-Teamkollege habe scheinbar nur auf eine passende Gelegenheit gewartet. "Jenson, den niemand vorher für so stark gehalten hatte, wurde Weltmeister. Ross Brawn hatte das Team, Mercedes kam zurück, alles passte. Nur leider ist das neue Auto übel", meint der Nordire über die Situation seine Ex-Kollegen.

"Ihm hat das Racing gefehlt. Er ist dann Motorradrennen zum Spaß gefahren - nutzlos, gefährlich und ohne Einkommen. Das macht doch keinen Sinn. Nun verdient er Geld, er bekommt Aufmerksamkeit und man spricht über ihn", erklärt der 44-Jährige. "Man hat mir erzählt, dass Schumacher sechs Monate nach seinem Rücktritt bei einem Rennwochenende von einem Journalisten zur Seite geschoben wurde, damit er zu Lewis durchkam. Der König ist tot, lang lebe der König! Das ist die Formel 1!"

Der frühere Formel-1-König muss sich nun nicht nur an ein neues Umfeld gewöhnen, sondern er bekomme auch reichlich Druck vom neuen Teamkollegen. "Ich halte viel von Nico Rosberg. Er ist schnell, macht kaum Fehler. Ein echter Star." Irvine selbst könnte sich ein Comeback nicht vorstellen. Lachend erklärt er: "Ich würde gern einen Tag in Monaco testen. Ich würde Gas geben und wahrscheinlich denken: 'Was mache ich hier?' Das wäre genau das Richtige für mein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom!"

Fotoquelle: xpb.cc


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