Vitaly Petrov hofft, dass das Team ihm genug Zeit zum Lernen gibt

Formel 1 2010

— 29.07.2010

Petrov: "Ich gebe immer mein Bestes"

Vitaly Petrov lassen die Spekulationen um seinen Platz bei Renault kalt - Fahrtraining an der Playstation anstatt im Simulator

Nach seinem Punktgewinn in Hockenheim ist Vitaly Petrov wieder obenauf. Allerdings wird sein Platz bei Renault mehr denn je mit anderen Piloten in Verbindung gebracht. In der Presserunde vor dem Großen Preis von Ungarn gibt sich Petrov diesbezüglich betont locker und schildert den Lernprozess, den er in seinem ersten Formel-1-Jahr durchläuft.

Frage: "Vitaly, das Team hat in Deutschland von dir eine gute Leistung gefordert. Das ist dir dann auch gelungen. Bist du mit dem, wie das Wochenende gelaufen ist, zufrieden?"
Vitaly Petrov: "Ich versuche immer so wie in Deutschland zu fahren, aber in den Rennen zuvor hatten wir auch etwas Pech mit einem Reifenschaden, oder wir steckten im Verkehr fest und konnten nicht überholen."

"Ich gebe so oder so immer mein Bestes. Für mich spielt es keine Rolle, was die Leute sagen. Natürlich ist es schön, wenn das Team über gute Dinge spricht - und nicht über schlechte. Ich gebe aber immer alles. Gegen Rennende oder Rennmitte fahren Robert und ich immer die gleichen Rundenzeiten. Es nur so, dass ich von Freitag bis Samstag dazulerne und nicht da nicht schnell genug bin. Ich gehe die Dinge Schritt für Schritt an. Ab Rennmitte ist es immer gleich, denn ich lerne immer dazu, ob das nun die Strecke oder das Auto betrifft."

Frage: "Hast du am vergangenen Wochenende irgend etwas anders gemacht?"
Petrov: "Nein, überhaupt nicht. Als sie mich darum gebeten hatten, härter zu pushen, habe ich es getan. Ich lag auf Platz elf und als Rubens reinkam, hatte ich freie Bahn und konnte pro Runde sechs Zehntel schneller fahren. Das verschaffte mir den Vorteil, um Barrichello zu überholen und dann mit Kamui zu kämpfen."

Frage: "Spürst du einen zusätzlichen Druck von Seiten des Teams?"
Petrov: "Nein, denn ich weiß, was ich kann. Das ist mir wichtig. Ich habe drei Jahre in der GP2 verbracht, bis ich schnell war, denn das war mein erster Schritt in den professionellen Formelsport. Ich musste erst verstehen, wie man mit dem Team, den Ingenieuren und an der Abstimmung arbeitet. Ich würde sagen, dass das meine Schule war. Die Formel 1 ist ebenfalls eine Art Schule für mich, aber auf einem höheren Niveau. Ich brauche bloß mehr Zeit."

Frage: "Dein Cockpit bei Renault gilt als das derzeit beliebteste auf dem Fahrermarkt. Beeinflusst dich das? Wäre es ein angenehmeres Gefühl, wenn du wüsstest, dass du deinen Platz im kommenden Jahr sicher hast?"
Petrov: "Ich habe keine Ahnung, ich weiß nicht."

Frage: "Sprichst du mit anderen Teams?"
Petrov: "Im Moment bin ich hier und es ist gerade mal Saisonmitte. Ich muss mich mit keinem anderen Team unterhalten."

Frage: "Romain Grosjean war zum Beispiel ebenfalls sehr schnell, hatte dann aber Probleme in der Formel 1, da er kaum testen konnte. Das zeigt, dass es für junge Fahrer sehr schwierig sein kann, Fuß zu fassen."
Petrov: "Romain kam zu einem schlechten Zeitpunkt in die Formel 1, nämlich während der Saison. Das ist es, was falsch gelaufen ist. Das ist alles. Wenn man das ganze Jahr über unterstützt wird, kann man von der GP2 in die Formel 1 kommen und lernen, wie man wie hier gearbeitet wird. Es ist gut, wenn man vorher etwas testen kann."

Frage: "Kannst du erklären, worin der Unterschied zwischen einem guten Wochenende wie in der Türkei und einem schlechten wie in Barcelona besteht?"
Petrov: "Barcelona war doch gar nicht so schlecht. Kanada war nicht so toll, aber der Rest war ganz in Ordnung. Es ist nicht leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Sobald man einen kleinen Fehler macht, verschiebt sich der ganze Zeitplan. Verschiebt sich der Plan, läuft alles in die falsche Richtung. Es ist wichtig, am Freitag und Samstag hundert Prozent abzuarbeiten und dabei keine Fehler zu machen, so wie es mir in Deutschland gelungen ist. Dort hatte ich keinen Unfall und hatte keinen Dreher."

Frage: "Weißt du schon am Freitag, ob es ein gutes oder ein schwieriges Wochenende wird?"
Petrov: "Die Freitage sind immer schwierig. Normalerweise versucht man, am Freitagmorgen ein gutes Setup zu finden, an dem man dann im zweiten Freien Training feilt. Der Samstag ist am wichtigsten, denn am Samstagmorgen hat man einen neuen Reifen und dann kommt schon das Qualifying."

Frage: "Hast du das Gefühl, dass du im Qualifying alles aus den Reifen herausholst, oder fehlen dir nach wie vor die letzten Zehntel?"
Petrov: "Im Rennen habe ich keine Probleme, aber wo ich mich verbessern muss, ist das Qualifying. Wir müssen uns im Qualifying verbessern, denn zum Beispiel in Deutschland hatte ich bis Kurve 16 die absolut gleiche Rundenzeit wie Robert. Ich habe drei Zehntel in Kurve 16 verloren, weil ich nicht wusste, wie ich diese Kurve fahren sollte. Es gab nicht genug Zeit im Trockenen, um zu lernen, wie man da schnell fährt. Es sieht einfach aus, aber es waren drei Zehntel und ich war auf Platz zehn. Im Rennen war es dann kein Problem, da war ich sogar schneller. Ich probiere immer verschiedene Linien aus. Wenn ich zum Beispiel mit Schumacher kämpfe, probiere ich immer wieder etwas neues aus."

Frage: "Warum?"
Petrov: "Ich versuche zum Beispiel später zu bremsen. Blockieren dann die Räder, stelle ich die Bremsbalance um und probiere es erneut. Oder ich fahre eine weitere Linie, oder etwas enger, oder versuche früher ans Gas zu gehen - ich probiere immer etwas aus, in jeder Runde."

Frage: "Wäre es nicht besser, wenn man mal einen Rhythmus gefunden hat, diesen dann beizubehalten?"
Petrov: "Nein, denn wenn im Laufe des Rennens etwas Gummiabrieb dazu kommt, muss man seine Linie vielleicht etwas anpassen und man ist ein Zehntel schneller. Es ist ein ständiges Lernen."

Frage: "Was hälst du von dieser Strecke hier in Ungarn?"
Petrov: "Auf dieser Strecke haben wir eher die Möglichkeit, an der Spitze mitzukämpfen, da man hier mit vollem Abtrieb fährt. Es gibt hier keine langen Geraden und das kommt unserem Auto entgegen. Ich kenne die Strecke zudem sehr gut. Warten wir einfach mal ab, wie gut unsere Abstimmung hier funktioniert."

Frage: "Habt ihr einen guten Simulator?"
Petrov: "Nein, wir haben keinen. Außer der Playstation Portable natürlich (lacht; Anm. d. Red.). Aber das ist kein Witz! Vor Australien habe ich so gelernt, wo die Kurven sind. Natürlich ist es für das Setup unbrauchbar, aber wenn man so die Kurven lernt, ist es hilfreich."

Fotoquelle: xpb.cc


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