Michael Schumacher hat Ideen zu einer Änderung der Teamorder-Regelungen

Formel 1 2010

— 29.07.2010

Schumacher: "Sehe Sinn und Zweck des Verbots nicht"

Mercedes-Superstar Michael Schumacher über Stallorder-Regeln, sportliche Hoffnungen und seine Pläne für die Sommerpause: Familie & Co.

Bei Mercedes macht man in Ungarn technisch einen Schritt zurück, um auf der Strecke voran zu kommen. Die Updates von Hockenheim brachten dem deutschen Werksteam viele Probleme, am Hungaroring will man mit bewährtem Material wieder solide mitfahren. Michael Schumacher erwartet einen wichtigen Fortschritt nach der Sommerpause. Welche Hoffnungen er für das Rennen und welche Meinung zur Stallorder hat, erklärte der 41-Jährige am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Frage: "Michael, wie ist deine Haltung zum Thema Stallorder. Sollte es verboten oder legal sein?"
Michael Schumacher: "Ich finde, man muss letztlich einen Weg finden, der eine gewisse Form von Teamorder zulässt. Das geht eventuell über eine Klarstellung darüber, was Teamorder ist und was nicht. Man kann es nicht ganz stoppen."

Frage: "Wie findest du die Strafe, die Ferrari für das Vergehen bekommen hat?"
Schumacher: "Ich glaube nicht, dass wir jetzt wirklich über die Strafe reden können, weil der Fall noch nicht komplett abgeschlossen ist. Insofern darf ich mich nicht weiter dazu äußern."

Frage: "Red Bull hat man kritisiert, als die sich in die Autos gefahren sind. Ferrari kritisiert man aufgrund der Stallorder. Liegt eine gewisse Doppelmoral darin?"
Schumacher: "Definitiv, das muss man so sagen. Das ist sicherlich ein gefundenes Fressen und für manche ein schöner Zeilenfüller. Fakt ist - das habe ich am Sonntag auch in Hockenheim gesagt -, dass ich den Sinn und Zweck eines kompletten Verbots einer Stallorder nicht sehe."

"Es ist nun einmal Teamwork. Und das Team hat auch seine Interessen. Natürlich fahren wir auch für die Fans, natürlich müssen wir auch andere Interessen berücksichtigen. Man muss jetzt mal darüber nachdenken, wie man all diese verschiedenen Interessen unter einen Hut bekommt."

Frage: "Sebastian Vettel sagt klipp und klar, dass die Vorgänge von Hockenheim nicht gut für den Sport waren - nicht für die Formel 1 und nicht für euch Fahrer. Siehst du das auch so?"
Schumacher: "Bezüglich dessen, was in Hockenheim abgelaufen ist, muss ich Sebastian Recht geben. Die Anweisungen, wie gewisse Dinge aufgrund der Regeln umgesetzt werden müssen, sind vielleicht nicht sehr glücklich. Und das schadet uns allen, gar keine Frage."

"Es ist wichtig, dass wir eine Klärung finden, die allen Seiten so gerecht wie möglich wird. Man kann es nicht jedem zu 100 Prozent recht machen. Man muss dann mal schauen, wo die Prioritäten liegen."

Frage: "Hast du eine Idee, wie man das unter einen Hut bringen kann?"
Schumacher: "Ich habe bestimmt Ideen. Die werde ich dann auch mit den richtigen Leuten besprechen. Aber es bringt jetzt nichts, hier tausende Ideen in die Öffentlichkeit zu posaunen. Da muss man sich an einen Tisch setzen und vernünftig darüber diskutieren. Jede Idee hat Vor- und Nachteile, die man mit einbeziehen muss. Es muss dann einen Konsens geben."

Frage: "Mit welchen sportlichen Hoffnungen kommt ihr hierher? Gibt es Verbesserungen?"
Schumacher: "Hoffnungen dahingehend, dass wir im Vergleich zu Hockenheim einen Schritt zurück gemacht haben. Wir haben dort mit einigen Teilen Erfahrungen gemacht, wo wir in der Kürze keine Lösungen haben finden können. Wir haben dann die Variante von Silverstone gewählt, die wir kennen und um die wir bescheid wissen."

"In Spa-Francorchamps wollen wir dann noch einmal mit dem kompletten Paket antreten, um zu schauen, inwiefern es dort dann umzusetzen ist. Was das dann letztlich bedeutet, kann man jetzt noch nicht sagen. Es sollte aber definitiv besser sein als das, was wir zuletzt im Rennen zur Verfügung hatten. Manche Teile waren doch zu sehr beschädigt."

Frage: "Diese Strecke ist wieder ganz anders als Hockenheim. Man kann derzeit nicht testen. Werdet ihr deshalb im ersten Training oft überrascht?"
Schumacher: "Das erste Training sieht bei uns meist eher positiv aus. Deswegen werden wir nicht wirklich überrascht. Überrascht werden wir von gewissen Neuerungen, die wir an das Auto bauen. Das sind Dinge, die man nicht immer vorhersehen kann - so wie in Hockenheim geschehen. Hier gehen wir in Bereiche zurück, die wir ein bisschen besser kennen. Insofern sollte dieses Wochenende für uns etwas einfacher sein."

Frage: "Welche Fahrzeuggeneration in der Formel 1 findest du am besten? Und wo liegen bei der aktuellen Generation für dich bei der Rückkehr die größten Schwierigkeiten?"
Schumacher: "Ich glaube nicht, dass es eine spezielle Generation gibt, die ich als komplett betrachte. Es gab verschiedene Varianten in meiner durchaus etwas längeren Laufbahn. Ich komme zu dem Schluss, dass es eine Kombination ist aus verschiedenen Jahren, wo sehr viele Möglichkeiten vorhanden waren. Ich nenne mal aktive Aufhängungen oder Traktionskontrolle als Beispiel."

"Diese Dinge in einem Auto kombiniert und dann mit einem Reifen, der noch gut funktioniert, wie das 2004 der Fall war, das ist für mich das Optimum. Das beantwortet im Grunde auch schon die zweite Frage. Der Kompromiss, mit dem man leben muss und die Personalisierung des Autos, die man natürlich versucht umzusetzen, ist hier wesentlich schwieriger. Es sind weniger Werkzeuge vorhanden. Dann kommt für uns dazu, dass wir ein Überbleibsel eines anderen Fahrers übernommen haben, der so seine Eigenschaften hat. Das Team hat sich natürlich in der Vergangenheit darauf konzentriert."

Frage: "Genau vor einem Jahr hatte Felipe Massa seinen schweren Unfall. Du warst als Ersatzmann geplant und es gab deswegen einen großen Hype. Wärst du ohne diesen Unfall jetzt noch Privatmann?"
Schumacher: "Definitiv, ja. Das ist mit Sicherheit der Auslöser gewesen und letztendlich auch der Grund, warum ich jetzt wieder hier bin.

Frage: "Was machst du in der Sommerpause?"
Schumacher: "Einfach Pause? (lacht) Vielleicht erzähle ich das später."

Frage: "Gibt es eine Liste von Dingen, die du gern mal im Urlaub machen würdest? Lesen, mit den Kindern spielen, ...?"
Schumacher: "Ich habe gewisse Vorstellungen. Zeit mir der Familie verbringen wird das erste sein, was ich aber auch so immer wieder ganz gut hin bekomme. Dann kann man es aber auch noch etwas intensivieren. Wir haben keine großen Ziele vor uns, sondern wollen die Zeit nur genießen. Das traute Heim wollen wir nutzen."

Fotoquelle: xpb.cc


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