Ross Brawn und Norbert Haug haben Hoffnung auf baldige Besserung

Formel 1 2010

— 31.07.2010

Wo die Mercedes-Probleme liegen

Mercedes hat sich offenbar im Labyrinth der Updates etwas verirrt - Seit Silverstone eher Rückschritte - Nico Rosberg: "Wir müssen jetzt an 2011 denken"

Mercedes hat zur Saisonmitte den großen Angriff setzen wollen, wurde aber von den eigenen neuen Waffen in die Flucht geschlagen. Das umfangreiche Update, das in Silverstone deütierte, schlug nicht wie eine Bombe ein. Konsequenz: Die Silbernen irren derzeit etwas im tiefen Dschungel der Technik herum, während vorne Ferrari und McLaren meilenweit davonziehen.

"Der Abstand ist groß und das überrascht uns. Es ist erstaunlich, wie schnell die anderen sind", sagt Nico Rosberg, der sich im Qualifying am Hungaroring immerhin noch auf den guten sechsten Platz schieben konnte. "Die Updates haben nicht recht funktioniert, daher sind wir einen Schritt zurück gegangen. Es ist also klar, dass wir bezüglich der Entwicklung nicht am Maximum sind."

"Seit Silverstone haben wir Rückschritte gemacht. So ist es nun einmal", spricht Rosberg einmal mehr Klartext. Für den gebürtigen Wiesbadener soll die aktuelle Form von Mercedes Anlass zum Umdenken geben. "Der Punkt ist erreicht, an dem wir sagen müssen, dass wir den Titel nicht mehr holen können. Es kommen noch Strecken wie Monza oder Singapur, die uns liegen könnten. Wir sollten die Entwicklung nicht ganz vernachlässigen. Aber natürlich müssen wir nun an 2011 denken, weil wir dann den Titel holen wollen."

"Unser Auto ist besser als in Silverstone, aber es passt einfach vielleicht nicht zur Strecke", meint Teamkollege Michael Schumacher im Gegensatz zu Rosbergs Ansichten. Allerdings hatte der Rekordchampion in Ungarn noch deutlich mehr Probleme. Der 41-Jährige landete in der Zeitenjagd nur auf Platz 14. "Weder Longruns noch einzelne Runden waren gut", gibt er offen zu.

"Wir verstehen noch nicht alles, werden manchmal überrascht. Uns fehlt vielleicht im Moment die stabile Basis, auf die wir aufbauen könnten." Und diese Basis sucht man nun, indem sich die beiden Piloten auf unterschiedlich Pfade begeben. "Der Wagen lief am Freitag nicht sonderlich gut. Wir haben uns dann zusammengesetzt und überlegt, was wir tun können. Ergebnis war, dass wir heute den Tag über viele Veränderungen vorgenommen haben. Wir sind in unterschiedliche Richtungen gegangen", sagt Schumacher.

"Unser Weg war offensichtlich nicht der richtige. Wir haben es aber durchgezogen, um Erfahrungen mit diesem Setupweg zu sammeln. Das war natürlich für das Qualifying nicht gut", erklärt der Kerpener, der sich im Nachhinein vielleicht auf den Rosberg-Weg hätte begeben sollen. Schumacher sieht seine größte Sorge nach wie vor bei den Reifen: "Die Reifen sind schwach, nicht vorhersehbar und wenig konstant. Es gibt Unterschiede zwischen einzelnen Reifen. Daran bin ich nicht gewöhnt."

Driftet das Mercedes-Duo in der aktuellen Situation weiter auseinander? Statt an einem Strang, zieht man zwichenzeitlich gleich an zweien. Unterschiede in den Leistungen erklärt Teamchef Ross Brawn so: "Generell kann man da kein genaues Muster erkennen. Nico holt mehr aus den Reifen, wenn es knifflig wird, wenn die Grenzen sehr eng sind. Michael stimmt sein Auto vielleicht eher so ab, damit die Reifen gut über die Distanz kommen. Das ist natürlich dann für die Leistung auf eine schnelle Runde nicht immer die beste Lösung."

Brawn sieht den Rekordweltmeister offenbar derzeit noch in einer Findungsphase. Der große Angriff soll 2011 erfolgen, und zwar mit ganz neuen Waffen und unter neuen Bedingungen. "Ich schätze es könnte im kommenden Jahr interesant werden, wenn wir ganz neue Reifen bekommen." Für Schumacher könnte dies eine Art Reset-Knopf im Kampf um das Verständnis der Pneus bedeuten. Gut möglich, dass der erfahrene Champion dann Vorteile hat.

"Wir sind im Augenblick nicht gut genug. Aber dieses Team hat im vergangenen Jahr die Weltmeisterschaft gewonnen. Wir können so etwas schaffen. Wir brauchen Zeit", wiederholt Norbert Haug seine Ansichten auch in Ungarn noch einmal. "Wir stehen als Team fest zusammen. Das ist wichtig", meint der Mercedes-Motorsportchef. Das Team genieße nach wie vor die volle Rückendeckung und das Vertrauen des Vorstandes.

"Wir wollen gewinnen und nicht nur dabei sein. Wir haben in unserer Geschichte durchschnittlich jedes dritte Rennen gewonnen. Diesen Rhythmus wollen wir wieder schaffen", sagt Haug mit Blick auf bessere Zeiten. Seinen Topstar schützt der Schwabe: "Michael Schumacher wird oft kritisiert. Aber man muss sich mal anschauen, wo der amtierende Weltmeister Jenson Button steht. Das zeigt doch nur, wie hart der Wettbewerb ist."

Fotoquelle: xpb.cc


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