Heikki Kovalainen setzt seine Hoffnungen bereits jetzt ganz auf 2011

Formel 1 2010

— 03.08.2010

Kovalainen: "Ich bin einigermaßen zuversichtlich"

Heikki Kovalainen über den Wechsel von McLaren zu Lotus, die Fortschritte in dieser Saison und die Erwartungen für das kommende Jahr

Heikki Kovalainen kennt das Leben an beiden Enden des Formel-1-Spektrums. Vor dieser Saison wechselte der 28-jährige Finne vom spektakulären und von Sir Norman Foster entworfenen McLaren Technology Centre zur zunächst leeren Lotus-Fabrik, in der am Anfang nicht viel mehr als Mike Gascoyne und ein Telefon zu finden war. Im Teaminterview spricht Kovalainen über seinen Teamwechsel und seine Zukunftsaussichten.

Frage: "Heikki, wie groß ist der Unterschied zwischen McLaren und Lotus?"
Heikki Kovalainen: "Es war offensichtlich eine große Umstellung, aber die Dinge haben sich schnell verbessert. Es gab schon einen großen Unterschied zwischen dem ersten Mal, als ich durch die Lotus-Fabrik ging, und dem zweiten Mal. Nun sieht unsere Basis wie ein Formel-1-Team aus. Sie ist nicht so groß wie die von McLaren, aber es ist eine gute Einrichtung."

"Wir werden irgendwann 200 Leute haben und wir können viele Dinge firmenintern erledigen. Für mich war es keine große Sache und ich spürte eine gute Rennsport-Atmosphäre. Ich kann einen engen Kontakt mit dem gesamten Personal pflegen. Es gibt also auch Pluspunkt im Vergleich zu McLaren."

Frage: "Was hat dich dazu gebracht, sich Lotus anzuschließen?"
Kovalainen: "Die anderen Möglichkeiten, die ich hatte, schienen nicht so klar zu sein. Lotus hatte ein Budget und eine klare Vorstellung davon, wie sie nach vorne kommen wollten. Das Treffen mit Mike Gascoyne und Tony Fernandes war sehr überzeugend und es fühlte sich wie eine gute Möglichkeit an, um bei einem Team von Anfang an dabei zu sein. Hoffentlich machen wir relativ schnell Fortschritte, so dass ich in der Lage bin, daraus Vorteile zu ziehen."

"Vielleicht hätten mir andere Teams bessere kurzfristige Optionen und ein schnelleres Auto geben können, aber ich mochte die Idee, von Anfang an involviert zu sein. Bis jetzt bereue ich nichts. Ich mag es hier und für das kommende Jahr sind viele gute Sachen geplant. Wir sollten uns in allen Bereichen verbessern und ein stärkeres Team sein."

Lotus konzentriert sich auf 2011

Frage: "Wie geht es voran?"
Kovalainen: "Ich denke, dass es nun richtig ist, sich auf das kommende Jahr zu konzentrieren. Wir haben die Weiterentwicklung des diesjährigen Autos mehr oder weniger gestoppt. Es ist bloß Abstimmungsarbeit und ein paar Dinge in Sachen Haltbarkeit, die wir nach 2011 mitnehmen können. Das neue Auto beginnt bei null, um ehrlich zu sein. Es wird also komplett anders sein. Das ist natürlich ein Kompromiss, aber ein Versuch, das kommende Jahr zu maximal auszunutzen."

Frage: "Hat der Zwischenfall mit Mark Webber in Valencia gezeigt, wo ihr in Sachen Anpressdruck im Vergleich mit den führenden Teams steht?"
Kovalainen: "Nein, ich denke, der Zwischenfall war einfach nur Marks Fehler. Selbst wenn ein Straßenauto vor einem ist, muss man sicherstellen, dass man nicht reinfährt. Es hat Mark überrascht und er hat es natürlich nicht mit Absicht getan. Aber ich denke, das Leistungsniveau auf einer kurzen Strecke wie Ungarn zeigt, wo jeder steht. Selbst die anderen Topteams haben damit zu kämpfen, mit Red Bull mitzuhalten. Die Autos sind sehr verschieden. Das ist nicht ideal, aber so ist es einfach."

Kovalainen sieht sich gleichauf mit Trulli

Frage: "Lewis Hamilton war offensichtlich stark und jetzt ist Jarno Trulli, der bekanntlich auf eine Runde gesehen sehr schnell ist, dein Teamkollege. Wie siehst du den Vergleich?"
Kovalainen: "Es ist sehr gut. Ich komme mit ihm aus, er ist sehr schnell, speziell in der Qualifikation, aber ich habe ihn in Monaco geschlagen - das erste Mal, dass das ein Teamkollege jemals geschafft hat. Ich denke, dass ich ihn so oft besiegt habe wie er mich geschlagen hat. Es ist ein enger Kampf und in gewisser Weise fühlt es sich gut an, mit Jarno kämpfen und ihn schlagen zu können. Ich denke, dass ich daraus etwas mitnehmen kann."

"Aber in diesem Jahr habe ich zudem hart an meinen Leistungen in den Rennen gearbeitet. Im vergangenen Jahr hatte ich recht oft Reifenprobleme, fiel zurück und die Ergebnisse waren nicht so gut, wie sie hätten sein sollen. In diesem Jahr habe ich allerdings keinerlei Probleme mit den Reifen und ich denke, dass meine Leistungen in den Rennen besser sind. Das war für mich in diesem Jahr der beste Erfolg. Das ist ein Fortschritt und es sollte in Zukunft nützlich sein."

Frage: "Wie schätzt du Cosworth im Vergleich zu den anderen Motoren ein?"
Kovalainen: "Ich denke, dass sie einen tollen Job gemacht haben und wir haben keine Probleme mit der Zuverlässigkeit. In Bezug auf die Leistung sind wir nicht weit von den Besten entfernt. Es ist kein großes Thema. Ich denke, dass sie einen guten Job gemacht haben und hart daran arbeiten, sämtliche Probleme zu beseitigen."

Lotus fehlt es an Grip

Frage: "Hattest du erwartet, dass der Abstand auf die etablierten Teams so groß sein würde?"
Kovalainen: "Es braucht seine Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Man muss das Auto langsamer fahren, man kann den Speed nicht mitnehmen, da man nicht den Grip hat. Wir haben es gerade erst hinter uns gelassen, versuchten das Beste daraus zu machen und ein paar Mal waren wir wirklich gut und recht nah an den Autos vor uns dran. Red Bull und Ferrari scheinen in einer anderen Liga zu sein, selbst im Vergleich zu McLaren. Wir haben viel Arbeit vor uns, aber ich denke, dass es realistisch ist, im kommenden Jahr zum Mittelfeld aufzuschließen."

Frage: "Wir zuversichtlich bist du, dass du 2011 gegen die Force Indias, Toro Rossos, Saubers und Williams fährst?"
Kovalainen: "Das muss das Ziel sein und ich denke, dass es eine große Enttäuschung wäre, wenn wir das nicht schaffen. Das Team arbeitet hart, um ein Paket zu schnüren, dass dazu in der Lage ist. Und ich pushe hart, da ich weiß, was wir zu tun haben und wo wir uns verbessern müssen. Man kann nie sicher sein, aber ich bin zuversichtlicher als ich es zu Saisonbeginn war. Wir müssen außerdem solche Dinge wie schnellere Boxenstopps lernen, denn wir verlieren immer bei jedem Stopp zwei bis drei Sekunden. Nächstes Jahr, wenn das Auto schneller ist, können wir uns solche Fehler nicht leisten. Wir brauchen außerdem eine größere Ausstattung, um das Auto während der Saison weiter entwickeln zu können. Aber ja, ich bin einigermaßen zuversichtlich."

Fotoquelle: xpb.cc


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