Tavo Hellmund ist der Kopf hinter dem Formel-1-Projekt in den USA

Formel 1 2010

— 04.08.2010

Austin: Promoter gibt Einblicke ins US-Projekt

Tavo Hellmund hat die Aufgabe übernommen die Formel 1 in den USA populärer zu machen - Der Promoter des neuen Grand Prix über die Herangehensweise

Die Planungen und Vorbereitungen für den US-Grand-Prix in Austin laufen auf Hochtouren. Es ist ein weiterer Versuch, die Königsklasse ab 2012 in den vereinigten Staaten populärer zu machen. Der Mann hinter dem Projekt ist Tavo Hellmund. Sein Vater war in den Achtzigerjahren der Präsident des Komitees, das für die Organisation des Rennens in Mexiko verantwortlich ist.

Es ist eine schwierige Aufgabe für Hellmund, die US-Fans für die Formel 1 zu begeistern. Das Gastspiel in Indianapolis, als 2005 nur sechs Autos starteten, ist nicht leicht aus dem Gedächtnis zu löschen. Der neue Promoter glaubt die Gründe für das Scheitern in Indianapolis zu kennen: "Die NASCAR würde ja auch nicht in Monte Carlo fahren. Wie kann man mit einer Institution mithalten, die es seit 100 Jahren gibt? Die Leute in Indianapolis waren limitiert, denn sie hatten eine permanente Struktur, die man nicht so stark verändern konnte", wird Hellmund von 'PitPass.com' zitiert.

"Wenn man sich die Geschichte der Formel 1 in Amerika ansieht, zurückgehend auf Sebring in den Fünfzigern, gab es nur einmal in Watkins Glen eine permanente Basis. Das war die einzige lange Partnerschaft, die es gegeben hat. Ich musste Bernie Ecclestone davon überzeugen, dass Austin der richtige Platz ist. Vor 25 Jahren hat er es als normale Stadt angesehen."

Das hat sich aber geändert. Austin hat den Kosenamen "Silicon Hill" erhalten, da es hinter Silicon Valley das zweitgrößte Technologie-Zentrum in den USA geworden ist. Viele große Firmen haben dort einen Standort aufgebaut, die auch in der Formel 1 als Sponsoren tätig sind, wie beispielsweise AMD, Dell und HP. Im Umkreis von Austin befinden sich die Städte Houston und Dallas. In der Region leben 22 Millionen Menschen, bei einer Arbeitslosenquote von sechs Prozent, der viertniedrigsten in den USA.

"Es ist eine ideale Region. Wir sind von beiden Küsten etwa gleich weit entfernt, und je näher wir bei Mexiko sind, desto besser", meint Hellmund. "Damit können wir der Grand Prix von Amerika werden und nicht nur der USA. Austin ist in der ungewöhnlichen Situation, dass es keine Franchise einer der großen Sportmeisterschaften besitzt. Ein Grand Prix hat also nur geringe Konkurrenz. Außerdem gibt es viele Bewohner, die hungrig nach Live-Veranstaltungen in ihrer Heimatstadt sind."

In Texas werden aber auch andere Motorsportveranstaltungen gefahren. Speziell das Oval in Fort Worth, wo die NASCAR und die IndyCar-Serie fahren, ist ein Zuschauermagnet. In Houston war die ChampCar auf einem Stadtkurs unterwegs. "Die ChampCar-Serie hat Firmen auf einem hohen Niveau angezogen. Auch die Tribünen waren voll. Das IndyCar-Rennen auf dem Oval ist eines der Besten im Kalender. Mit der richtigen Promotion und einem guten Datum kann die Formel 1 in Austin funktionieren", ist Hellmund überzeugt.

Noch wurden keine Streckenpläne veröffentlicht, doch es ist etwas über die Herangehensweise bekannt. "Die Strecke wird sich sehr auf die Fans konzentrieren. Sie sollen mehr sehen als nur eine Kurve. Es wird hinauf und hinunter gehen und länger als fünf Kilometer lang sein. Wir müssen etwas bauen, dass der lokalen Architektur ähnelt. Es könnte dem Campus der Universität Texas ähneln."

"Wir haben vier oder fünf Kurven von anderen Strecken genommen und haben sie als Grundlage für einige Sektionen bei unserem Kurs genommen. Darunter ist eine Kurve aus der Türkei, einige aus Silverstone und eine vom Hockenheimring."

Die Strecke wird Hermann Tilke bauen. Seine Anlagen sind zwar sehr modern und bieten die höchsten Standards, aber aufgrund der weiten Auslaufzonen gab es auch schon reichlich Kritik. "Ich bin mir der Kritik an Tilke bewusst", so Hellmund. "Um ehrlich zu sein, wir mussten mit Tilke schon bei einigen Ideen nachhaken. Glücklicherweise hat er jetzt schon einige Zeit mit uns zusammengearbeitet, um zu wissen, dass wir nicht gleich nachgeben. Wir haben ihn daran erinnert, dass wir die Kunden sind und nicht andersherum."

Die Tribünen müssen aber gefüllt werden und die Fans den Fernseher einschalten, damit das Projekt als erfolgreich angesehen werden kann. Hellmund meint, dass es bereits einen langen und detaillierten Plan gibt, wie man eine Fangemeinde aufbauen kann. "Wir werden bereits im kommenden Jahr Grand-Prix-Partys in Parks veranstalten, mit großen Leinwänden. Dazu wird es Musik und ein Showprogramm geben. Es wird über die ganze USA verteilt. Ich habe auch schon mit einigen Teams gesprochen, wie man Leute begeistern kann."

Dem Fernsehen kommt da natürlich eine große Bedeutung zu, aber die Zuschauerzahlen für die Königsklasse sind derzeit unterirdisch. Wie will Hellmund das ändern? "Ich denke eine ausgeweitete Übertragung kann für die Zuschauerzahlen nur förderlich sein. Jeder in unserer Gruppe wünscht sich eine Viertelstunde Vorberichterstattung vor jedem Grand Prix, in der dem Publikum der Sport näher gebracht wird. Sie sollten die Übertragung nicht wenige Momente vor dem Start beginnen."

Einer, der die amerikanischen Rennfans kennt ist Nigel Mansell. Der Weltmeister von 1992 wechselte nach seinem Titelgewinn zu den IndyCars und holte gleich im ersten Jahr den Titel. "Wenn sie eine gute Strecke bauen und es keine Politik gibt, dann werden sie die Herzen der Fans erobern", ist der Brite überzeugt. "Die Fans in Amerika erwarten tollen Rennsport."

Fotoquelle: xpb.cc


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