Auch nach seiner Teamchef-Zeit ist Eddie Jordan Stammgast im Fahrerlager

Formel 1 2010

— 06.08.2010

Jordan: "Schumacher wäre entsetzt gewesen"

Warum Eddie Jordan Schumacher nach dessen umstrittenen Manöver in Schutz nimmt, wieso Ferraris Stallorder nicht außergewöhnlich war und wer Weltmeister werden soll

Ex-Teamchef Eddie Jordan arbeitet inzwischen für die 'BBC' und ist bei allen Rennen vor Ort. Freilich auch in Ungarn. Dort wurde er Zeuge des umstrittenen Manövers von Michael Schumacher gegen Rubens Barrichello - beide gaben einst im Rennstall des humorvollen Iren ihre Formel-1-Debüts. Jetzt kommt der Mercedes-Superstar mit einer bitteren Rückversetzung um zehn Startplätze nach Spa zurück - dort wo er 1991 für Jordan sein erstes Rennen bestritt und ein Jahr später seinen ersten Sieg feierte.

Jordan nimmt seinen Ex-Piloten nach dem Zwischenfall in Ungarn in Schutz: "Ich glaube nicht, dass er das Manöver gegen Barrichello so gemacht hätte, wenn er wie wir im Fernsehen gesehen hätte, wie es sich entwickelt. Er wäre entsetzt gewesen." Dass Schumacher einen Tag nach dem Rennen dann doch zugab, "zu hart" gegen seinen ehemaligen Teamkollegen vorgegangen zu sein, deutet Jordan als eindeutiges Zeichen von Reue: "Er hat sich nicht direkt entschuldigt, er hat es durch die Blume gesagt. Doch näher als das werden wir bei Schumacher nie an eine Entschuldigung herankommen." Ob die Strafe zu milde ist? "Das kann ich nicht sagen", weicht Jordan aus. "Es ist die Entscheidung der Stewards, sie waren dort, sie kennen die Fakten, haben das Video gesehen. Dabei sollten wir es belassen."

Warum Schumacher so hart fährt

Schumacher fiel in dieser Saison wie in der Vergangenheit häufig durch harte Manöver in Zweikämpfen auf. Dass er nun zu weit ging, führt der Ire auch auf den enormen Druck auf den Schultern des 41-Jährigen zurück: "Er ist ein siebenfacher Weltmeister, daher hat er den zusätzlichen Druck, das Richtige tun zu müssen. Der Ruf des Sports lastet in dieser Saison auf den Schultern zweier Menschen: Weltmeister Jenson Button und Schumacher."

Dass dem Rekordweltmeister schon öfter Unsportlichkeit vorgeworfen wurde, würde Jordan nicht abschrecken, ihn als Fahrer für sein Team zu verpflichten. "Historisch gesehen wären immer junge Fahrer meine erste Wahl", erinnert sich der Ex-Teamchef. "Doch durch seine zweifellosen Fähigkeiten und da er schon einmal in meinem Team war, würde ich ihn gerne wieder nehmen. Er müsste nur beachten, dass er im Auto der Fahrer ist und ich außerhalb des Autos der Teamchef bin - das müsste er respektieren und ich bin sicher, er würde es tun."

Stallorder: Ferrari kein Ausnahmefall?

Der Rekordweltmeister war 2002 durch seinen von der Box befohlenen Platztausch mit Rubens Barrichello in Spielberg der Auslöser für das Verbot der Stallorder, gegen das Ferrari in Hockenheim verstoßen hat. Für den Iren keine Überraschung: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Teamorder seit jeher in der DNA von Ferrari enthalten ist."

Er findet allerdings nicht, dass Stallorder die diesjährige Weltmeisterschaft sportlich entwertet: "Natürlich nimmt dieser Zwischenfall die Hitze aus dem Gefecht, doch die Leute vergessen schnell, dass jedes Team einen Piloten auf eine gewisse Art und Weise bevorzugt. Sei es Alonso bei Ferrari oder Sebastian Vettel bei Red Bull. Dazu kommt, dass dies eine ziemlich untypische Saison ist, weil es in allen Teams so eng hergeht - ob zwischen Vettel und Webber, Hamilton und Button oder Alonso und Massa."

Daumendrücken für Underdog Webber

Doch wem drückt Eddie Jordan nach der Sommerpause die Daumen? "Ich würde mir eigentlich wünschen, dass ein Nicht-Weltmeister gewinnt, damit wir 2011 einen weiteren Weltmeister in der Startaufstellung haben. Das wäre dann entweder Webber oder Vettel. Es hört sich so an, als wäre ich Red-Bull-Fan, doch das bin ich nicht wirklich", gibt der 62-Jährige zu.

Schließlich legt er sich aber doch fest: "Ich bin mir sehr sicher, dass Vettel ein mehrfacher Weltmeister wird, doch ich wäre überglücklich, wenn es Webber schafft." Jordan - in der Formel 1 jahrelang selbst ein Underdog - pflegt seit langem ein Naheverhältnis zum Australier: "Ich habe Webber geholfen, sein erstes Formel-1-Cockpit zu bekommen und wir sind schon lange Freunde. Wenn er den Titel gewinnt, dann würde das all den Typen Aufwind geben, die es schwer hatten und die trotzdem von ganz unten nach oben hinaufkamen."

Fotoquelle: xpb.cc


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