Ralf Schumacher ist seinem Bruder Michael über die Jahre näher gekommen

Formel 1 2010

— 08.08.2010

Ralf: "Michael hat keinen Spaß daran Elfter zu werden"

Ralf Schumacher sieht das Comeback seines Bruders Michael weiterhin positiv - Mit seiner Lockerheit präsentiert sich der Rekordweltmeister wie er wirklich ist

Das Comeback von Michael Schumacher ist aus Ergebnis-Sicht bisher nicht optimal verlaufen. Viel wurde bisher über seine Leistungen diskutiert, nicht nur über das harte Manöver auf dem Hungaroring gegen Rubens Barrichello. Sein Bruder Ralf ist während der gemeinsamen Karriere oft im Schatten von Michael gestanden. Derzeit fährt der jüngere "Schumi" in der DTM und hatte dort bisher auch nicht großen Erfolg. In der Formel-1-Sommerpause hat sich Ralf einige Gedanken über Michael gemacht.

Auf dem Nürburgring 2001 war Ralf in einer ähnlichen Situation, wie vor kurzem Barrichello. Damals standen die Schumacher-Brüder in Startreihe eins und Michael drängte seinen eigenen Bruder gegen die Boxenmauer. "Michael kam damals nach dem Start nicht gut weg, obwohl er das bessere Auto hatte. Da wollte er etwas gutmachen. Er ist schon immer kompromisslos gewesen", wird Ralf von 'Welt online' zitiert. "Da macht es keinen Unterschied, ob man einen Bruder attackiert oder einen Teamkollegen. So was kommt allerdings auch vor, wie man bei Sebastian Vettel und Mark Webber gesehen hat.

Bereits damals wurde der siebenfache-Weltmeister für dieses Manöver kritisiert, wenn auch nicht so hart wie in der Gegenwart. "Ich finde es absolut unpassend, dass Michael manchmal wie eine Art gefühllose Maschine dargestellt wird. Das ist Michael nicht", stellt Ralf klar "Er hat sein Manöver überschlafen und Sorry gesagt. Nicht, weil er es jemandem recht machen wollte, sondern aus Überzeugung, weil er seinen Fehler eingesehen hat. Das sollte man ihm glauben und so akzeptieren."

Speziell von ehemaligen Rennfahrern, die sich am besten in die Situation hineindenken können, hagelte es Kritik. "Das hat sicher viel mit Michaels Vergangenheit zu tun. Er ist der erfolgreichste Formel-1-Fahrer der Geschichte, da wird man ihn immer kritisch sehen, besonders jetzt bei seinem Comeback, das derzeit nicht so geradlinig nach oben verläuft. Es war ein hartes Manöver, aber das zeigt, wie ernst Michael seinen Job immer noch nimmt. Und aus Fahrersicht beurteilt man das in den ersten Momenten manchmal weniger dramatisch."

Differenzen auf der Rennstrecke wurden im Hause Schumacher in gemütlichem Rahmen besprochen. "Wenn ich nicht hätte zurückziehen müssen, hätte ich mich gar nicht aufgeregt", so Ralf über das Eifel-Rennen 2001. "Wenn wir mal aneinandergerieten, hatten sich die Emotionen ein, zwei Stunden später bei einem Glas Wein oder einer Zigarre gelegt. Weder Michael noch ich sind nachtragend."

Unter dem Strich sind die ersten zwölf Rennen nur mäßig erfolgreich verlaufen. Kein Podestplatz und in der WM liegt Schumacher weit hinter seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg. Trotzdem zählt der 41-Jährie sicher nicht zu den schlechtesten Piloten im aktuellen Feld. Die Erwartungshaltung an den mehrfachen Weltmeister ist aber höher. Nagen die ausbleibenden zählbaren Erfolge? "Er geht heute mehr Kompromisse ein, was man auch an seiner Entschuldigung sieht. Früher wurde er kritisiert, dass er zu geradlinig und kühl war, heute wird ihm die Lockerheit als fehlender Ehrgeiz ausgelegt. Dies ist die falsche Auslegung", meint der jüngere Bruder.

Ralf kennt die Situation der Erfolglosigkeit. Einzig bei Williams konnte er regelmäßig an der Spitze fahren und Rennen gewinnen. Bis zum Valencia-Sieg von Sebastian Vettel war der heutige DTM-Pilot auch der zweiterfolgreichste-Formel-1-Pilot Deutschlands - der Abstand zu seinem Bruder war aber beträchtlich. Deshalb gibt Ralf unumwunden zu: "Ich bin ja die meiste Zeit meiner Formel-1-Karriere hinterhergefahren. Und als Sportler durch und durch kann ich versichern, dass man auch nach Rückschlägen weiter ans Team glaubt, ans Auto, an sich selbst."

"Du lernst von Rennen zu Rennen zu denken, hoffst auf eine Weiterentwicklung, darauf, dass du auf der nächsten Strecke die vor dir liegenden Gegner packst. Du steckst dir andere Ziele. Wenn du mit dem Material beim nächsten Rennen statt Zehnter plötzlich Sechster oder Siebter wirst, bist du auch happy."

"Um als Erster ins Ziel zu kommen, musst du erst ins Ziel kommen, heißt die alte Rennfahrerweisheit, die wir genau verinnerlicht haben. Mit Michael gehen die Leute sehr hart ins Gericht. Wie sie jetzt sein Können infrage stellen, da hätte er früher viel dünnhäutiger reagiert. Aber Michael geht erfrischend offen mit der Situation um. Er präsentiert sich heute im Fahrerlager so wie er privat schon immer gewesen ist: sehr entspannt. Denn eines ist doch klar: Seine Rückkehr hat allen geholfen in der Formel 1, nur bisher noch nicht ihm."

"Er hat sicher keinen Spaß daran, Elfter zu werden", so Ralf weiter. "Sein Anspruch ist ein höherer. Er hat danach den Montagsfrust, den ich auch oft gehabt habe. Das Rennen verlief nicht wie geplant, da lag ich Sonntagnacht im Bett, konnte nicht schlafen, weil ich mich wahnsinnig über einen Fehler von mir geärgert habe. Das Gefühl vergeht."

"Was bleibt, ist das Gefühl, nach einer für einen Fahrer unvorstellbar langen Auszeit von drei Jahren wieder Teil der Formel 1 zu sein und sich mit den besten Fahrern der Welt zu messen. Das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Das kann man keinem Außenstehenden erklären. Das exakt ist es, was Michael so großen Spaß bereitet. Ich werde nie vergessen, wie viel Spaß ich hatte, nach meiner Verletzung bei Williams drei Monate später wieder ins Auto zu steigen."

Den erfolgreichsten Formel-1-Fahrer der Geschichte zog es nach seiner ersten Karriere zu den Motorrädern, um eine neue Herausforderung an der Strecke zu haben. Nun das Comeback in der Königsklasse. Dabei ist er, wie in Ungarn, schon einige Risiken eingegangen, statt sein Leben in Ruhe zu genießen. "Wenn ich das Gefühl hätte, er würde sich da in etwas verrennen, würde ich ihm das als Bruder sagen. Wir haben ein entspanntes Verhältnis und sind in letzter Zeit näher zusammengerückt, was auch an unseren Kindern liegt, die gemeinsam viel Zeit auf der Kartbahn verbringen.

"Aber Michael weiß, welches Risiko er eingehen kann, deshalb habe ich keine Angst um ihn. Nur 100 Prozent sicher kann sich kein Rennfahrer fühlen. Erst vor ein paar Wochen ist ein sehr guter Freund von mir in der GT-Serie verunglückt." Ralf steht dem Comeback nach wie vor positiv gegenüber. "Ich hätte mich genauso wie er für ein Comeback in der Formel 1 entschieden, aber ich hatte nicht das Angebot."

"Auch mich juckt es immer noch. Das liegt daran, dass wir - in positiver Art - bekloppt genug sind, und es einfach nicht sein lassen können und schon gar nicht sein lassen wollen. Michael hat in dieser Saison schon ein paar Mal bewiesen, dass er den Speed absolut noch hat."

Fotoquelle: xpb.cc


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