Michael Schumacher hat sich einen Tag nach dem strittigen Manöver entschuldigt

Formel 1 2010

— 11.08.2010

Schumacher vs. Barrichello: Es ist noch nicht vorbei

Michael Schumacher hat sich zwar nach dem harten Manöver gegen Rubens Barrichello entschuldigt, aber es gibt dennoch weiterhin dicke Luft

Wer hat doch gleich den Grand Prix von Ungarn 2010 gewonnen? In den anhaltenden Diskussionen um das harte Duell zwischen Michael Schumacher und Rubens Barrichello gerät schnell in Vergessenheit, dass sich Mark Webber mit seinem vierten Saisonsieg die Spitze in der Gesamtwertung schnappen konnte. Der Erfolg des Australiers beschäftigt derzeit kaum noch jemanden, das Manöver Schumacher vs. Barrichello allerdings schon.

Der Rekordchampion hatte sich auf seiner Homepage einen Tag nach dem Rennsonntag in Budapest für seine ruppige Gangart bei der Vetreidigung des zehnten Platzes entschuldigt. Für Barrichello ist die Sache dadurch aber noch nicht abgehakt. "Ich habe keinen Anruf von ihm bekommen", so der Ex-Schumacher-Teamkollege in brasilianischen Medien. Ein Gespräch unter vier Augen würde "auch keine Lösung" sein, so der Brasilianer.

"Ich selbst bereue gar nichts", meint Barrichello, der sich kurz vor dem Rennende konsequent am Deutschen vorbei gepresst hatte. "Jetzt geht es einfach weiter. Klar, ich habe meine Meinung, aber ich bin lieber ruhig. Unsere gemeinsame Zeit bei Ferrari darf nicht zu Feindseligkeiten auf der Rennstrecke führen, sonst tun wir uns irgendwann noch gegenseitig weh."

Einen kleinen Seitenhieb kann sich der Formel-1-Rekordstarter, der Ende August in Belgien seinen 300. Grand Prix bestreiten wird, nicht verkneifen. "Ich habe großen Respekt vor seinen Titeln, aber ich habe wenig Lust, sein Freund zu sein. Im Leben geht es um Respekt gegenüber anderen und um Vergebung." Die sechs gemeinsamen Jahre bei Ferrari haben offenbar deutliche Spuren hinterlassen.

Die aktuelle Situation bei Mercedes könnte als weiterer Faktor hinzugekommen sein. Schumacher hatte sich seine Rückkehr anders vorgestellt, aber der MGP W01 gibt derzeit nicht allzu viel her. Die anhaltend mäßigen Ergebnisse führten in den vergangenen Wochen zu Kritik - auch am Rekordchampion. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte dem 41-Jährigen unterstellt, er habe seinen Biss möglicherweise verloren.

Am Samstag vor dem Rennen in Ungarn sorgte Schumacher offenbar für ein Umdenken bei Ecclestone. In einem Gespräch stellte der Deutsche klar, dass der Brite mit seiner Vermutung falsch liege. "Und einen Tag später zeigt er auch mit seiner Aktion gegen Barrichello, dass das nicht der Fall ist", wird Ecclestone in der aktuellen 'Sport Bild' zitiert. Der 79-Jährige fügt an: "Michael ist im Grunde ein aufrichtiger Kerl. Wenn er was sagt, meint er es auch so."

"Es liegt nicht am Auto, mit dem man im Moment nicht gewinnen kann. Es ist vielmehr Nico Rosberg", vermutet Gerhard Berger. "Michael versucht, auf die jugendliche Unbekümmertheit Nicos mit dem Griff in seine Erfahrungs-Trickkiste zu kontern. Das funktioniert aber nicht. Dass ein Teamkollege schneller ist, kennt er nicht. Damit umzugehen, das muss er jetzt lernen."

In der Frühphase seiner einzigartigen Karriere hatte sich Schumacher gegen Größen wie Alain Prost, Nelson Piquet oder Ayrton Senna behaupten müssen. Nun stellt ihm sein junger Teamkollege sportlich ein Bein. "Wir fuhren härter und brutaler", sagt Berger mit Blick auf solche Revierkämpfe in früheren Jahren. "Dreimal pro Runde fuhren wir uns manchmal in die Kiste, ohne dass wir uns beschwert haben. Das gehörte einfach dazu. Bei uns wäre eine Aktion wie die von Michael gegen Barrichello gar nicht aufgefallen."

"Heute sind die Spielregeln eben anders. Das ist für Michael nur schwer zu verstehen", meint der Österreicher. Aus Sicht von Berger wird Schumacher die aktuelle Situation überwinden und wieder angreifen. "Ich bin überzeugt, er wird stark sein in Belgien. Spa war immer die Strecke, auf der Michael am besten war. Auch die Rückversetzung am Start ändert da nicht viel", so Berger. Der Kerpener wird in den Ardennen um zehn Startplätze nach hinten versetzt - als Strafe für die Aktion gegen Barrichello.

Schumacher selbst will in diesem Jahr einfach nur noch ein paar Achtungserfolge erzielen. Im kommenden Jahr soll der Titel das Ziel sein. Bis dahin wird der 41-Jährige auch seinen jungen Teamkollegen in den Griff bekommen, meint Niki Lauda, der sich in seiner aktiven Karriere in ähnlicher Lage gegen den damals aufstrebenden Prost durchsetzen musste. "Der war schneller als ich. Und auch ich brauchte ein halbes Jahr, um das zu kapieren. Dann konzentrierte ich mich ganz auf meine Stärken. Und die lagen darin, ein Auto optimal fürs Rennen abzustimmen", erklärt Lauda sein Erfolgsrezept.

Fotoquelle: xpb.cc

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