Gerhard Berger sieht Red Bull für den Rest der Saison eindeutig weit vorne

Formel 1 2010

— 14.08.2010

Stärken und Fehler: Berger analysiert Red Bull und Co.

Laut Gerhard Berger ist der Red Bull RB6 von Sebastian Vettel und Mark Webber in dieser Saison nicht mehr zu packen: "Die können sich sogar Fehler leisten"

Red Bull hat in der laufenden Formel-1-Saison genau die Hälfte aller Grands Prix gewonnen - und es hätten noch deutlich mehr sein können. Das österreichische Team stellte die Stärke des RB6 vor allem in den Qualifikationen immer wieder deutlich dar, in den Rennen hatte man mehrfach Pech oder man leistete sich folgenschwere Schnitzer.

"Das Auto ist einfach zu überlegen. Die können noch soviele Fehler machen, und sind trotzdem vorne", sagt der Ex-Formel-1-Pilot und frühere Toro-Rosso-Teilhaber Gerhard Berger gegenüber 'auto motor und sport'. Aus Sicht des Österreichers fährt das Team um WM-Leader Mark Webber und Sebastian Vettel in einer eigenen Liga. "Eigentlich müssten sie die Weltmeisterschaft noch viel deutlicher anführen."

Warum Ferrari auf Alonso setzen muss

Laut Berger führt Red Bull die Wertungen derzeit an, obwohl das Team immer wieder - teils auch kaum sichtbare - Fehler produziere. "Wenn Mark Webber in Hockenheim den Start versaut, dann muss ich die Strategie ändern und ihn so nach vorne bringen. So wie es McLaren mit Jenson Button getan hat. Dass Red Bull bei all den verschenkten Punkten noch in der WM-Wertung vorne liegt, zeigt doch ganz klar: Dieses Auto ist eine Klasse für sich."

Neben Webber hat auch Vettel noch intakte Titelchancen. Das soll laut Red-Bull-Führungsteage auch noch weiterhin so bleiben. Man werde keine Stallregie anwenden, heißt es immer wieder. "Wäre ich Teamchef von Red Bull, würde ich es nicht anders machen", sagt Berger. "Der Chef Didi Mateschitz tickt so. Er will fairen Sport zeigen und hätte menschlich ein Problem, seine Fahrer fernzusteuern. So bekommt er die meisten Sympathien für sein Produkt."

Mateschitz werde "nicht bekannter oder reicher, ob er die WM nun gewinnt oder verliert", meint der ehemalige Grand-Prix-Star. Aufgrund des überlegenen Autos und der aktuellen Situation in der Meisterschaft könne sich Red Bull diese Herangehensweise durchaus leisten. Anders sei die Lage in seinem Ex-Team Ferrari, erklärt Berger. "Machen wir uns nichts vor: Fernando Alonso ist ganz klar der bessere Mann im Team."

Ohne Felipe Massa die nötige Qualität absprechen zu wollen, erklärt Berger die Hintergründe einer Alonso-Bevorzugung: "Montezemolo hat ihn dafür eingekauft, und er wird diese Karte knallhart spielen." Bei McLaren sei die Situation ohnehin grundlegend anders. Jenson Button und Lewis Hamilton stellen die gute Zusammenarbeit nicht nur öffentlich in die Auslage, sondern seien tatsächlich so kooperativ.

Adrian Newey als große Trumpfkarte

"Button ist kein Querulant. Er ist happy mit seinem WM-Titel und happy mit sich selbst", sagt der österreichische Motorsportheld. "Für den geht die Welt nicht unter, wenn er den Titel nicht verteidigt. Sein Naturell ist kooperativ. McLaren kann seine beiden Fahrer ohne großes Aufsehen gut im Griff halten." Hamilton ist derzeit erster Verfolger von Mark Webber. Der Brite liegt in der Gesamtwertung nur vier Zähler hinter dem viermaligen Saisonsieger.

Von Mercedes ist hingegen nicht nur eine große Schar Fans bislang enttäuscht, sondern auch Berger. Vor allem irritiere es ihn, wie man sich bezüglich der weiteren Fahrzeugentwicklung immer wieder öffentlich äußere. "Laufe ich einer Summe von aerodynamischen Defiziten hinterher, bin ich immer einen Schritt zu spät. Ross Brawn tut gut daran, seine Mannschaft zu ordnen und voll auf 2011 hin zu arbeiten. Die Frage ist nur: Können die gleichen Leute ein besseres Auto bauen?"

Aus Sicht von Berger ist bei Mercedes dringend frischer Wind in der Aerodynamikabteilung gefragt. Die von Michael Schumacher oft erklärten Reifenprobleme seien nur Symptom, nicht aber Ursache. "Warum hat der Red Bull die geringsten Reifenprobleme? Weil er die beste Aerodynamik hat. Das ist leider heute das A und O bei einem Rennauto. Deshalb sehe ich Red Bull auch in den nächsten Jahren stark", sagt der ehemlaige Teamkollege von Ayrton Senna.

"Ich habe Mateschitz immer geraten Newey zu holen, wenn er jemanden sucht, der die Extrasekunde aus dem Auto rausholen kann. Anfangs war ich ein bisschen nervös, weil Newey nicht sofort eingeschlagen hat", erklärt Berger den nachhaltig perfekten Deal des österreichischen Teams. "Ich glaube, er hat sich zu Beginn seiner Red Bull-Zeit zu sehr mit Management-Dingen abgelenkt. Seit er sich wieder auf sein Spezialgebiet Aerodynamik konzentriert, zeigt er seine einsame Klasse."

Fotoquelle: xpb.cc

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