Mark Webber wirkt nach der Sommerpause zuversichtlich und entspannt

Formel 1 2010

— 26.08.2010

Webber: "Ich will noch mehr davon!"

WM-Leader Mark Webber denkt noch nicht an die Fahrerkrone, weiß aber vor den letzten sieben Rennen um seine einmalige Chance

Sieben Rennen vor Schluss führt Mark Webber die Fahrer-WM mit 161 Punkten an. Der Red-Bull-Pilot ist der einzige vierfache Saisonsieger und hat vier Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton und zehn auf Sebastian Vettel, der für die meisten Experten als Topfavorit gilt. Nach seinem Triumph in Budapest hätte Webber eigentlich keine Pause benötigt, aber umso mehr hofft er nun, auch in Spa-Francorchamps an seine bisherigen Ergebnisse anknüpfen zu können.

Frage: "Mark, wie war die Sommerpause?"
Mark Webber: "Gut. Ich war in Frankreich. Ich hätte eigentlich keine gebraucht, aber präventiv für den letzten Saisonabschnitt mit all dem Reisen, dem Fliegen und den Hotels - Suzuka, Südkorea und so weiter - war sie wahrscheinlich nicht schlecht. Dann tut so eine Pause gut, denn der letzte Saisonabschnitt ist mit den vielen Überseereisen immer ziemlich anstrengend."

Immer noch Freude am Fahren

Frage: "Rubens Barrichello sagt, dass ihm die Formel 1 schon nach einer Woche gefehlt hat und dass er am liebsten sofort wieder eingestiegen wäre. Ging es dir genauso?"
Webber: "Ja, was das Fahren angeht. All die Termine würden mir nicht fehlen, aber das Fahren schon. Es ist nett, einmal eine Zeit lang weg zu sein, denn die Anspannung hier ist nicht ohne, aber der Moment, in dem sie den Monitor im Freien Training herunterlassen, ist schon toll."

Frage: "Es gibt keinen Preis dafür, die Weltmeisterschaft zu diesem Zeitpunkt anzuführen, aber fühlt es sich wenigstens gut an?"
Webber: "Es ist schön, ein paar Punkte zu haben. Ich habe dieses Jahr schon einige großartige Erinnerungen angehäuft und ich hoffe, dass es noch mehr werden."

Frage: "Hast du dich hingesetzt und darüber nachgedacht, was für eine große Chance du hast, auf die du so lange warten musstest?"
Webber: "Nicht besonders. Mir ist das schon klar, aber ich muss nur so weitermachen wie bisher. Das Valencia-Wochenende mit der Nullnummer darf nicht zur Gewohnheit werden und in Melbourne hätte ich mich auch besser schlagen können, aber solche Sätze könnte jeder Fahrer von sich geben. Ich habe ein paar Rennen gewonnen, was gut ist, und ich will noch mehr davon!"

Frage: "Spa-Francorchamps war im Vorjahr keine fantastische Strecke für Red Bull und auf der letzten schnelleren Strecke, Montréal, wart ihr auch nicht sonderlich konkurrenzfähig. Beunruhigt dich das?"
Webber: "Wenn du mit diesen Autos mittleren Anpressdruck fährst, hat das immer einen Grund, nämlich lange Geraden. Wir wissen, dass das keine Stärke unseres Autos ist. Das ist schon seit Jahren so und wir wissen auch warum. Wir arbeiten aber unglaublich hart, um das Auto in anderen Bereichen zu verbessern. Wenn wir dann zu diesen Strecken kommen, sind wir stark."

"Wir können auch auf Strecken wie hier mithalten, aber ob wir einen Vorteil haben, bleibt abzuwarten. In Montréal waren wir ja auch nicht weg vom Fenster, aber wir waren im Gegensatz zu anderen Strecken nicht tonangebend. Wenn wir uns 17 Rennen für die Weltmeisterschaft aussuchen könnten, dann wären Spa und Monza wohl nicht darunter, aber sie gehören nun mal auch zum Kalender und wir müssen unser Auto überall schnell machen."

Alles anders als im Vorjahr?

Frage: "Geht es an diesem Wochenende also vor allem um Schadensbegrenzung?"
Webber: "Wir waren auch vor Valencia besorgt, aber Sebastian hat dort gewonnen. Im Vorjahr haben wir in Valencia sehr schlecht ausgesehen, da haben sie uns niedergemäht, aber dieses Jahr waren wir schnell. Schauen wir mal, wie die Topspeeds im ersten und dritten Sektor sind. Ich bin auf die nächsten zwei Events gespannt. In Monza kann man kaum etwas unternehmen - das ist wahrscheinlich die schlechteste Strecke für Autos, die in schnellen Kurven gut sind, aber auf den Geraden eher schwach."

Frage: "Hoffst du auf ein Regenrennen?"
Webber: "Wir sind auf alles vorbereitet. Ein Trockenrennen ist für den Kommandostand und für mich im Cockpit immer weniger stressig, aber hier hat es schon oft geregnet. Das war schon so, als ich noch in der Formel Ford gefahren bin, also musst du dich auf jedes mögliche Wetter vorbereiten."

Frage: "Das Ziel ist, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, und die führst du im Moment an. Wie schaffst du es, nicht ständig daran zu denken?"
Webber: "Das geht ganz leicht, weil es noch so weit weg ist. Ich kann ebenso gut noch WM-Sechster werden. Vielleicht solltet ihr mir diese Frage in ein paar Rennen stellen."

Frage: "Aber dir ist schon klar, dass dies vielleicht deine goldene Gelegenheit ist?"
Webber: "Ich werde nächstes Jahr auch noch fahren."

Frage: "Hattest du während der Pause Gelegenheit, dir genau zu überlegen, was du in den letzten sieben Rennen machen musst, und hast du das Team um Hilfe gebeten?"
Webber: "Sicher denkst du daran, ins Ziel zu kommen. Mit diesem Punktesystem musst du ins Ziel kommen, weil Konstanz sehr wichtig ist. Das muss einem klar sein, denn es bringt dir nichts, Rennen zu gewinnen, wenn du dauernd ausfällst."

Lieber sichere Punkte statt volles Risiko

"Wenn du nicht gewinnen kannst, musst du halt das nächstbeste Ergebnis mitnehmen, welches auch immer das sein mag. Dabei kommt es auf die Zuverlässigkeit an, auf richtige Entscheidungen. Als Mittelfeldteam kannst du auch mal zocken, aber für uns, McLaren und Ferrari steht zu viel auf dem Spiel. Du musst dir darüber im Klaren sein, dass du unter Umständen leer ausgehen könntest. Da sind mir dann vier Punkte lieber als nichts."

Frage: "Es sind noch sieben Rennen zu fahren, aber wenn Südkorea abgesagt wird, bist du schon ein Rennen näher an deinem Ziel dran..."
Webber: "Das könnte eine sehr gute Strecke für uns werden. Wenn man das hier das letzte Rennen wäre, dann wären wir in einer sehr guten Ausgangsposition, aber es ist eben nicht das letzte Rennen. So darf man nicht denken. Wenn noch 30 Rennen zu fahren wären, dann wäre die Ausgangsposition schlechter als bei sechs oder sieben. Aber ich glaube, dass wir nach Südkorea fliegen und dort ein Rennen fahren werden."

Frage: "Hat Fernando Alonso die besten Karten, weil das Team voll hinter ihm steht?"
Webber: "Das ist für Fernando eine gute Situation, denn wenn er hinter seinem Teamkollegen liegen sollte, wird ihm ein bisschen geholfen. Wenn aber ein Auto zwischen den beiden liegt, bringt ihnen das nichts, also ist diese Unterstützung in den meisten Fällen gar nicht so groß. Dass es bei Ferrari so gehandhabt wird, haben wir in Hockenheim gesehen. Sicher ist so etwas eine kleine Hilfe, aber ob das genug ist, um Weltmeister zu werden, ist schwer zu sagen."

Frage: "Fünf Fahrer liegen innerhalb von 20 Punkten. Welche Rolle könnte Glück in diesem WM-Kampf spielen?"
Webber: "Das kann schon sein, ja. Wer auch immer es schaffen wird, braucht dafür auch ein bisschen Glück. Das ist in jedem Sport so, auch beim Golfen, beim Snooker oder beim Rugby. Ich hoffe, dass ich da aus der Vergangenheit noch ein bisschen was gut habe! Aber man ist seines eigenen Glückes Schmied. Je härter du arbeitest, desto mehr Glück wird dir widerfahren."

Frage: "Genießt du es, darüber zu sprechen, dass du Weltmeister werden kannst?"
Webber: "Nicht wirklich. Vielleicht wenn es näher rückt, aber im Moment ist das noch zu weit weg. Wenn ich hier nicht ins Ziel komme, sitzt nächste Woche keiner mehr bei meiner Medienrunde. So läuft das."

Fotoquelle: xpb.cc

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