Das Thema flexible Frontflügel kann hoffentlich zu den Akten gelegt werden

Formel 1 2010

— 29.08.2010

Durch FIA-Tests: Frontflügel-Diskussion beendet?

McLaren und Mercedes sind zufrieden, dass sich die Red-Bull-Flügel nicht mehr so stark verbiegen - Helmut Marko sauer über Verdächtigungen

Die Diskussion um die angeblich flexiblen Frontflügel von Red Bull und Ferrari, die zuletzt in Budapest nach dem Auftauchen von Foto- und Videobeweisen immer hitziger geführt wurde, könnte ein Ende nehmen. Denn durch die verschärften FIA-Flexibilitätstests, die in Spa-Francorchamps erstmals greifen, scheint das Phänomen nun unterbunden zu sein.

"Am Freitag sah es nicht so aus, als würden sich die Flügel immer noch so stark verbiegen", zeigt sich Martin Whitmarsh mit den Maßnahmen der FIA zufrieden. "Die am Freitag gesammelten Beweise zeigen, dass die sich die Frontflügel-Endplatten dieser Autos anders als in den vorherigen Grands Prix verhalten, was Position und Steifigkeit angeht. Ich habe das selbst gesehen. Wir werden aber weiter ein Auge drauf haben."

Unterschied optisch erkennbar

"Die Biegung wurde reduziert, die war vorher stärker. Das ist aber nur eine Sache. Außerdem konnte man sehen, dass der zentrale Bereich des Flügels, der von den Hängestreben unterstützt wird, ebenfalls tiefer zu liegen schien als hier", erklärt der McLaren-Teamchef. "Ich war nicht zuversichtlich, dass das Problem schon hier gelöst werden kann, aber ich muss sagen, dass die Steifigkeit tatsächlich anders zu sein scheint als davor - aus welchem Grund auch immer."

Red Bull - und in einem weniger starken Ausmaß auch Ferrari - hatten einen Weg gefunden, die Frontflügel während der Fahrt abzusenken. Das verbessert die aerodynamische Effizienz, widerspricht aber dem Geist des Reglements. Dennoch war Red Bulls RB6 zu keinem Zeitpunkt illegal, denn die mehrfach durchgeführten Belastungstests, bei denen 50 Kilogramm auf den Frontflügel einwirken, wurden allesamt ohne Beanstandungen absolviert.

Auch Ross Brawn ist erfreut darüber, dass sich seit Budapest etwas geändert hat: "Wir alle können sehen, dass das, was in den letzten paar Rennen klar zu sehen war, hier nicht mehr der Fall ist. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber man sieht den Unterschied", betont der Mercedes-Teamchef. Inwiefern Red Bull und Ferrari durch die verschärften FIA-Tests eingebremst werden, ist unklar, aber Sam Michael von Williams glaubt, dass dieser Effekt "ein paar Zehntel" wert war.

"Ein Millimeter Bodenhöhe bedeutet einen Punkt Anpressdruck, ganz einfach", rechnet Whitmarsh vor. "Die Verlockung, hier Freiheiten auszunutzen, die das Reglement bietet, wird also immer da sein. Die FIA muss in so einem Fall aber schnellstmöglich handeln, denn manchmal ist es frustrierend, wenn solche Dinge ein, zwei oder sogar drei Rennen dauern, denn das hat dann eindeutig Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft."

Doch spätestens die Einführung eines weiteren Flexibilitätstests ab Monza, diesmal den Unterboden betreffend, sollte "diesem Trend ein Ende setzen", hofft Whitmarsh. Denn der neue FIA-Test wird so streng sein, dass selbst bisher unverdächtige Teams wie Williams ihre Autos marginal umbauen werden: "Wir müssen einige kleine Veränderungen vornehmen, aber andere wird es viel härter treffen", räumt Technikchef Michael ein.

Altes Thema in der Formel 1

Brawn hofft indes, dass das Thema nun erledigt ist: "Das war schon eine gewisse Ablenkung und möglicherweise war es auch ein bisschen unfair gegenüber den Teams, die dieses Jahr sehr gut sind. Hoffentlich müssen wir dann nicht mehr darüber sprechen, denn es war eine Ablenkung. Aber das ist die Natur der Formel 1 - so etwas passiert ständig. Ich erinnere nur an die Debatte über den Doppeldiffusor im Vorjahr. Wir gehen immer an die Grenzen des Erlaubten."

Bei Red Bull ist man indes verärgert darüber, dass die Erfolge immer wieder auf ein möglicherweise illegales Auto zurückgeführt werden. Schon am Saisonbeginn störten sich einige Gegner an der Bodenhöhe, nun steht also die Flexibilität im Vordergrund. "Ich kann die Anzahl der Kontrollen bei uns nicht mehr zählen", wundert sich Helmut Marko in der 'Kleinen Zeitung'. "Wir werden dauernd verdächtigt, dass unsere Autos nicht dem Reglement entsprechen würden."

"Aber das sind alles Hirngespinste ohne Basis", hält der Red-Bull-Motorsportkonsulent dagegen. "Auch der Frontflügel unserer Boliden hat trotz verschärftem Prüfverfahren allen Vorgaben entsprochen. Wenn Red Bull so viel Energie beim Beobachten anderer Teams verwenden würde, wie es einige Rennställe tun, dann hätten wir nicht ein so schnelles Auto. Das ist eben Teil der psychologischen Kriegsführung. Wir können damit aber locker umgehen."

Die Konkurrenz ist mit den von der FIA ergriffenen Maßnahmen nun aber zufrieden und hat daher auch nicht vor, selbst einen flexiblen Frontflügel zu entwickeln: "Wir konzentrieren uns im Moment nicht darauf, denn soweit wir es sehen können, entspricht das nicht dem Geist des Reglements", teilt Whitmarsh mit. "Wir verlassen uns lieber auf die sorgfältige Kontrolle dieses Bereichs, damit das nicht länger diskutiert werden muss. "

Fotoquelle: xpb.cc

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