Die Top 3 des Rennens können mit diesem Ergebnis sehr zufrieden sein

Formel 1 2010

— 29.08.2010

Spa: Sieg und WM-Führung für Hamilton!

Drei Regenschauer, zwei Safety-Car-Phasen: Lewis Hamilton triumphiert vor Webber und Kubica - Kollision zwischen Vettel und Button

"Hier kannst du das Wetter nicht buchen", wusste Norbert Haug schon vor dem heutigen Grand Prix von Belgien - und der Mercedes-Sportchef sollte recht behalten. Denn wie von den Meteorologen angekündigt kam es in Spa-Francorchamps zu drei Regenschauern (inklusive zwei Safety-Car-Phasen) und einem entsprechend spannenden Rennverlauf.

Den Sieg sicherte sich nach 44 Runden auf der 7,004 Kilometer langen Mutstrecke Lewis Hamilton (McLaren), der gleichzeitig die WM-Führung übernahm. Hamilton beglich damit eine alte Rechnung aus dem Jahr 2008, als er zwar als Erster über die Ziellinie fuhr, aber nachträglich auf Platz drei rückversetzt wurde. "Ich bin sehr glücklich. Nach so einem Wochenende zu gewinnen, ist großartig, denn solche Rennen sind immer eine Lotterie", jubelt der Ex-Champion.

Schlechter Start von Webber

Hamilton ging vom zweiten Platz aus gleich am Start in Führung, weil Polesetter Mark Webber nicht gut wegkam. "Mir war schon in der Aufwärmrunde etwas an der Kupplung aufgefallen", meint der Red-Bull-Pilot, der zunächst auf Rang sieben zurückfiel, aber Adrian Sutil (Force India) in einem "guten Fight" gleich nach Eau Rouge schnappen konnte. Doch am Himmel zeichnete sich zu jenem Zeitpunkt schon das erste von drei Regendramen des Nachmittags ab...

Beim Anbremsen der Bus-Stop-Schikane verpasste Hamilton mit Slicks bei leichtem Regen den Bremspunkt - und hinter ihm erging es Jenson Button (McLaren), Robert Kubica (Renault), Sebastian Vettel (Red Bull) und einigen weiteren Verfolgern genauso! Am spätesten bremste ausgerechnet Jubilar Rubens Barrichello (Williams), der Fernando Alonso (Ferrari) von weit hinten kommend abschoss und in seinem 300. Grand Prix nicht einmal eine Runde schaffte.

"Es war gar nicht so nass, als wir nach Blanchimont kamen. Als ich dann die Schikane anbremste, war es aber definitiv nass und ich konnte nicht ausweichen. So etwas kann passieren", sagt Barrichello. "Die Bedingungen waren schwieriger als sonst. Es regnet, dann kommt wieder die Sonne - ganz schwierig, da den Überblick zu behalten. Keiner weiß, wann es trocken ist. Das Jubiläum ist ein Grund zum Feiern, aber es ist natürlich schade, dass ich nicht ins Ziel gekommen bin."

Alonso: Volles Risiko, minimaler Erfolg

Wegen des Zwischenfalls kam das Safety-Car das erste Mal auf die Strecke. Für Alonso mit dem ramponierten Ferrari war das die ideale Gelegenheit, auf Regenreifen zu wechseln und zu riskieren, aber die Spitzenreiter, die nicht wechselten, lagen mit ihrer Einschätzung richtig: Der Regen verzog sich schnell wieder, sodass Alonso auf Slicks zurückrudern musste. Die Chancen auf den Sieg waren damit endgültig dahin.

An der Spitze baute sich Hamilton einen Vorsprung von ungefähr zehn Sekunden auf, während sich dahinter eine Fünfergruppe mit Button, Vettel, Kubica, Webber und Felipe Massa (Ferrari) bildete. Schnellster Mann in diesem Paket war Vettel, der hinter dem mit einem lädierten Frontflügel fahrenden Button immer ungeduldiger wurde und in Runde 16 bei der Anfahrt zur Bus-Stop-Schikane ein Manöver wagte, das mit einer Kollision endete!

"Ich war eindeutig schneller", schildert der Red-Bull-Pilot. "Ich wusste, dass ich auf der Geraden keine Chance habe, also musste ich es auf der Bremse versuchen. Mir ist ein kleiner Fehler unterlaufen, ich habe das Auto verloren. Der Regen war nicht das Problem. Als ich auf die Bremse ging, hatte ich noch ein bisschen Zug am Auto, und es gab eine Bodenwelle dort. Die habe ich erwischt. Damit habe ich meine und Jensons Chancen ruiniert, was natürlich keine Absicht war."

Vettel: Pleiten, Pech und Pannen

Für Vettel war das der Anfang vom Ende, denn nach dem Reparaturstopp wurde er für die Aktion mit einer Durchfahrstrafe belegt. Zehn Runden später schlitzte er sich bei einem Überholmanöver gegen Vitantonio Liuzzi (Force India) einen Reifen auf und musste fast eine komplette Runde um die Strecke rollen. Dass dann beim dritten und letzten Regenschauer auch noch der Poker mit den Full-Wets gleich doppelt in die Hose ging, änderte am Ergebnis nichts mehr.

Button blieb ein solches Chaos übrigens erspart, denn für ihn war gleich nach der Kollision Endstation: "Ich meine, dass ich meine Position fair verteidigt habe", ärgert er sich über den unverschuldeten Ausfall. "Keine Ahnung, was Sebastian da wollte. Ich bin wirklich niedergeschlagen, sehr enttäuscht. Die Durchfahrstrafe ist in Ordnung. Es war ein Rennunfall und seine Schuld, auch wenn er es sicher nicht absichtlich gemacht hat."

Einige tolle Überholmanöver

Zwischendurch wurde das bei trockenen Bedingungen nicht allzu aufregende Rennen immer wieder durch fantastische Überholmanöver bereichert - sehenswert zum Beispiel, wie Vitaly Petrov (Renault) außen in Les Combes an Nico Rosberg (Mercedes) vorbeiging, aber auch die Brechstangen-Attacke von Alonso gegen Liuzzi in der Bus-Stop-Schikane. Und ganz heimlich, still und leise schob sich ein alter Bekannter in seinem "Wohnzimmer" immer weiter nach vorne...

Comeback-Superstar Michael Schumacher tauchte nach dem Button/Vettel-Crash - noch ohne Boxenstopp - an sechster Position auf. Mercedes pokerte darauf, einen langen ersten Stint zu fahren, um eventuell gleich auf Regenreifen wechseln zu können und so einen Boxenstopp zu sparen. Diese Taktik ging sowohl für Schumacher als auch für Rosberg auf, denn alle anderen mussten heute mindestens zweimal an die Box kommen.

Die beiden gerieten sich übrigens gleich zweimal in die Quere, zum ersten Mal nach Rosbergs verlorenem Zweikampf mit Petrov in Runde elf. Schumacher nutzte die Gelegenheit und ging ebenfalls an seinem Teamkollegen vorbei, berührte dabei dessen Frontflügel leicht. Doch Rosberg bekam nach der zweiten Safety-Car-Phase in Runde 41 auf nasser Strecke an gleicher Stelle die Chance zum Konter und nutzte diese auch!

Kein Stunk bei Mercedes

"Nico", schildert Schumacher die beiden Situationen, "wurde einmal von Petrov aus der Bahn geworfen, das konnte ich nutzen. Nach dem Safety-Car musste ich dann wegen Kobayashi in Eau Rouge vom Gas, daher überholte mich Nico wieder. Ich habe versucht, noch dagegenzuhalten, aber da war nicht mehr allzu viel möglich. Aber das war faires Racing unter Teamkollegen." Rosberg nickt zustimmend: "Überhaupt kein Problem."

"Von 14 auf sechs für Nico und von 21 auf sieben für Michael - mehr kann man bei den Startplätzen kaum erwarten", freut sich Mercedes-Sportchef Haug. "Guter Job von Nico und Michael, guter Job von unserem Team, gute Strategie - aber unseren Speed müssen wir weiter verbessern." Und Schumacher ergänzt: "Schön, dass wir uns mit unserer vernünftigen Strategie nach vorne gearbeitet haben. Platz sechs und sieben - damit dürfen wir zufrieden sein."

Ganz vorne wurde es im Kampf um den Sieg noch einmal spannend, als nach dem Crash von Alonso (Dreher wegen eines nassen Randsteins) das Safety-Car ein zweites Mal auf die Strecke kam. Wenige Augenblicke davor hatte es wieder zu regnen begonnen. Die Top 4 blieben eine weitere Runde auf Slicks draußen, der fünftplatzierte Sutil bog aber geistesgegenwärtig in die Boxengasse ab, ebenso wie das Mercedes-Duo hinter ihm.

Schrecksekunde für Hamilton

Ein Poker, der beinahe aufgegangen wäre, denn in Malmedy rutschte Leader Hamilton tatsächlich von der Strecke! "Als es zu regnen begann, wusste ich nicht, wie schnell man fahren kann. Da kam ich von der Strecke ab, aber es hat trotzdem gereicht", lacht der nunmehr dreifache Saisonsieger. "Ich hoffte, dass Safety-Car würde noch länger draußen bleiben, aber ich habe das Auto auch so in einem Stück über die Ziellinie gebracht."

Allerdings schmolz Hamiltons Vorsprung noch einmal ordentlich zusammen; auf der Ziellinie trennten ihn nur 1,5 Sekunden von Webber. Der war beim letzten Boxenstopp wegen eines verpatzten Renault-Services endlich an Kubica vorbeigegangen. "Es begann zu regnen, Lewis kam von der Strecke ab und ich holte auf", so Kubica. "Ich musste am Lenkrad ein paar Dinge für den Regen umstellen, daher war ich unkonzentriert. Dieser Fehler hat uns den zweiten Platz gekostet."

Webber denkt an den WM-Kampf

Ein Ergebnis, mit dem Webber gut leben kann, schließlich liegt der Australier in der Fahrer-WM nur drei Zähler hinter Hamilton und vor allem 28 vor seinem Teamkollegen Vettel (3.). "Ich bin zufrieden mit dem zweiten Platz", betont der Routinier, der in den letzten vier Runden keine Dummheiten mehr riskierte. "An solchen Tagen kannst du auch ganz leicht leer ausgehen, wenn du nur einen kleinen Fehler machst, aber so haben wir gute Punkte mitgenommen."

"Mark ist heute ein brillantes Rennen gefahren", lobt auch Teamchef Christian Horner. "Er hatte keinen guten Start und wir wussten, dass die Mercedes-Motoren sehr stark sind. Aber nach der ersten Runde so ein blitzsauberes Rennen zu fahren, ist eine reife Leistung, noch dazu auf einer Strecke, die uns normalerweise nicht so liegt." Bei Vettel sei hingegen "alles schiefgegangen, was schiefgehen kann", bedauert der Brite.

Hamilton, Webber, Kubica und Massa kamen mit einem blauen Auge davon, obwohl sie den Wechsel auf Intermediates um eine Runde verschliefen, sodass für Regenspezialist Sutil "nur" Platz fünf blieb. Den empfindet er aber als "sehr schön. Wir haben jede Entscheidung richtig getroffen. Schon im Trockenen war das Auto gut, aber auch im Regen - je nach Zustand der Reifen. Als ich die beiden Mercedes überholt habe, fiel mir das mit unserem überlegenen Topspeed ganz leicht."

Nur vier Ausfälle

Rosberg, Schumacher, Kamui Kobayashi (Sauber), Petrov und Jaime Alguersuari (Toro Rosso) nahmen die weiteren Punkte mit; Liuzzi schrammte an diesen um 5,3 Sekunden vorbei. Nico Hülkenberg (Williams) fuhr in der Anfangsphase ein starkes Rennen, konnte sich aber nicht in den Top 10 konsolidieren und beendete den Grand Prix mit einer Runde Rückstand als 14., 4,8 Sekunden vor Pechvogel Vettel.

Insgesamt sahen trotz der schwierigen Bedingungen 20 von 24 gestarteten Autos die Zielflagge. Neben Alonso, Button und Barrichello erwischte es auch Bruno Senna (HRT), der gleich zu Beginn nach einem Dreher ausgangs Stavelot die Segel streichen musste. Bester Vertreter der drei neuen Teams war indes wieder einmal Lotus-Pilot Heikki Kovalainen auf dem 16. Platz, 1,7 Sekunden vor Lucas di Grassi (Virgin).

Für die Weltmeisterschaft bedeutet der heutige Rennausgang, dass sich Hamilton und Webber ein bisschen von den restlichen drei Titelanwärtern absetzen können - auch nach dem Grand Prix von Italien in Monza in zwei Wochen wird auf jeden Fall einer der beiden in Führung liegen. Bei den Konstrukteuren läuft indes alles auf einen Zweikampf zwischen Red Bull und McLaren hinaus. Sechs Rennen vor Schluss steht es 330:329...

Fotoquelle: xpb.cc

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