Die Ground-Effect-Cars (Foto: Lotus 79 von Mario Andretti) könnten zurückkehren

Formel 1 2010

— 02.09.2010

Reglement 2013: Comeback von Ground-Effect und Turbo!

Die Regelreform für 2013 könnte ein Erdbeben verursachen: Turbo-Comeback ist fast beschlossene Sache, Ground-Effect wird ernsthaft diskutiert

Ende 2012 läuft nicht nur das derzeitige Concorde-Agreement aus, sondern auch der Homologierungszyklus der aktuellen 2,4-Liter-V8-Motoren. Das bietet die Chance, ein völlig neues Reglement auf die Beine zu stellen, an dem hinter den Kulissen bereits seit Monaten gearbeitet wird. Nun sind die ersten Details davon durchgesickert.

Die Arbeitsgruppen werden geleitet von Rory Byrne und Patrick Head (Chassis) beziehungsweise von Gilles Simon (Motor). Letzterer präsentierte den Teams während der Sommerpause den ersten Entwurf. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' basiert dieser auf 1,6-Liter-Turbo-Vierzylindern mit ungefähr 650 PS Basisleistung und 3 bar Ladedruck. Zusätzlich sollen via KERS-Boost für eine Dauer von bis zu 30 Sekunden pro Knopfdruck 150 PS Extraleistung abgerufen werden können.

Um dem Umweltgedanken gerecht zu werden, ist auch Benzineffizienz ein wichtiges Thema. Diese soll nicht über eine maximale Tankmenge geregelt werden, sondern auf völlig neue Art und Weise: "Es wird eine maximale Durchflussmenge festgelegt, die nicht überschritten werden darf. Der Verbrauch wäre damit erheblich geringer als jetzt", erklärt Williams-Technikchef Sam Michael, der davon überzeugt ist, dass ein solches "Fuel-Flow-Meter" tadellos funktionieren würde.

Doch die wahrscheinlich noch revolutionärere Änderung betrifft die Chassisseite - nicht so sehr wegen der neuen Räder, die wie erwartet von 13 auf 15 bis 18 Zoll Felgendurchmesser vergrößert werden sollen, sondern wegen der Aerodynamik. Denn obwohl der aerodynamische Anpressdruck in den vergangenen Jahren von der FIA stets reduziert und beispielsweise Elemente wie der Doppeldiffusor für 2011 verboten wurden, könnte es ab 2013 genau in die entgegengesetzte Richtung gehen.

"Es ist noch nichts beschlossen, aber es wird darüber gesprochen, einen größeren Anteil des Anpressdrucks über den Diffusor zu generieren. Im Grunde wäre das dann so etwas wie ein Ground-Effect-Auto, genau wie in den 80ern", bestätigt Michael, der auch Details zu verbesserten Sicherheitsmaßnahmen preisgibt: "Außerdem sollen die Crashstrukturen vorne und an den Seiten verstärkt werden, indem zum Beispiel die Seitenkästen weiter nach vorne gezogen werden."

Ebenfalls angedacht werden zwei weitere interessante Ideen: So sollen die Autos künftig nur noch mit KERS-Power (ohne zusätzlichen Antrieb durch den Motor) durch die Boxengasse fahren dürfen, um im Interesse der in der Formel 1 vertretenen Automobilhersteller auf die besonders gesellschaftsrelevante Hybridtechnologie aufmerksam zu machen, und die Einführung von größeren Bremsen (einhergehend mit größeren Rädern) gilt schon fast als beschlossene Sache.

Fotoquelle: xpb.cc

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