Kamui Kobayashi hat mit einer anderen Strategie in Valencia vorne mitgemischt

Formel 1 2010

— 06.09.2010

Kobayashi: "Es ist überraschend gut gelaufen"

Vor einem Jahr stand die Karriere von Kamui Kobayashi vor dem Aus - Mittlerweile hat sich der Japaner in der Königsklasse etabliert

Im Motorsport kann sich alles rasch drehen. Vor einem Jahr war die Karriere von Kamui Kobayashi fast schon vorbei. Der Japaner hat zwar den Titel in der GP2-Asia im Winter 2008/09 gewonnen, aber in zwei Jahren in der GP2-Hauptserie gelang dem Toyota-Nachwuchsfahrer nur ein Sieg: Im Sprintrennen in Barcelona 2008. Die vergangene Saison war zum Vergessen. Kobayashi holte nur einen dritten Platz in einem Sprintrennen. Die Saison beendete er in der Meisterschaft auf Platz 16.

Das klang nicht nach dem Start einer Formel-1-Karriere, selbst Toyota hatte sich überlegt, das Programm mit dem Japaner nicht fortzusetzen Dann hatte Kobayashi Glück. Ironischerweise durch das Pech von Timo Glock, der ebenfalls die Höhen und Tiefen des Motorsports kennt. Der Deutsche hatte sich im Qualifying in Suzuka verletzt und fiel aus. Für ihn sprang Kobayashi bei den letzten beiden Rennen in Brasilien und Abu Dhabi ein.

2009 sind mehrere Ersatzfahrer eingesprungen, überzeugen konnte niemand. Doch mit zwei starken Vorstellungen und den ersten Punkten seiner Karriere hatte Kobayashi beide Beine in die Formel 1 gesetzt. Toyota wollte den 23-Jährigen für die folgende Saison ins Auto setzen, doch die Konzernspitze erklärte den Rückzug. Peter Sauber, der schon oft ein Gefühl für junge, unerfahrene Piloten bewiesen hat, sicherte sich die Dienste des Japaners.

"Das ist wirklich eine Überraschung. Vor zwölf Monaten hatte ich nicht daran gedacht, in dieser Situation zu sein", wird Kobayashi von 'Autosport' zitiert. "Meine GP2-Resultate waren wirklich schlecht. In den letzten beiden Rennen in den Toyota zu steigen war der Wendepunkt. Für mich ist ein Formel-1-Auto viel einfacher zu fahren. Ich fühle mich darin viel wohler. Ich weiß nicht warum, aber die Formel 1 ist etwas für mich."

Aber warum lief es in der GP2 nicht rund? In der Asien-Serie waren die Zutaten schließlich vorhanden, um den Titel zu gewinnen. "Ich habe keine Ahnung. Bei den Tests bin ich gute Zeiten gefahren. Es gab auch Tage, an denen ich die Bestzeit markiert hatte. Nach dem Titel war ich sehr zuversichtlich für 2009. Aber gleich beim ersten Rennen hatten wir Motorenprobleme und ich war zwei Sekunden zu langsam. Ich weiß nicht warum, aber das ganze Jahr verlief so."

Dann kam das plötzliche Formel-1-Debüt. "Es war eine schwierige Situation. Die Streckenbedingungen änderten sich ständig und es war nicht leicht", erinnert sich Kobayashi an Brasilien. "Ich habe in Formel-1-Autos immer großes Vertrauen. Das einzige Problem bestand darin, dass es in den acht Monaten, in denen ich nicht gefahren bin, viele Updates gegeben hat. Es war ein komplett anderes Fahrzeug als im Februar."

"Das hat mir etwas Sorgen bereitet, aber ansonsten war ich zuversichtlich. Die Geschwindigkeit war nicht so toll, aber ich wusste, ich kann mich aufgrund der Erfahrung bei einem weiteren Einsatz verbessern. In Abu Dhabi konnte ich mich verbessern und das Resultat war gut. Trotzdem habe ich noch einige Fehler gemacht."

Diese beiden Auftritte haben Sauber Eindruck gemacht. Beim Neustart seines Teams verpflichtete er gleich den Neuling. "Wenn man an einem jungen Fahrer interessiert ist, dann testet man ihn. Für mich waren seine Leistungen bei den beiden Einsätzen viel wertvoller und repräsentativ als ein Test."

"Auf der einen Seite war klar, dass er kaum Erfahrung hat, aber auf der anderen hat er eine clevere Aggressivität gezeigt. Er hat keinen Blödsinn gemacht, aber er war aggressiv. Japanische Fahrer stehen immer unter einem bestimmten Druck, mehr als andere Piloten. Als Japaner bei Toyota war er großem Druck ausgesetzt, mit dem er gut umgegangen ist."

"Die Entscheidung fiel aus dem Bauch heraus. Wir können uns keine Topfahrer leisten, aber selbst wenn wir das Budget hätten, dann würde ich trotzdem zu einem jungen Fahrer tendieren, denn es macht viel Spaß mit ihnen zu arbeiten."

Nach einem schwierigen Saisonauftakt ist Kobayashi in den vergangenen sieben Rennen fünfmal in die Punkte gefahren. "Zu Beginn legte ich nur wenige Kilometer zurück. In den ersten vier Rennen konnte ich nicht viel zeigen und es war schwierig, Erfahrung und ein Gefühl für die Reifen aufzubauen. Als wir in Barcelona und in der Türkei ins Ziel gekommen sind, habe ich mich an das Auto gewöhnt und konnte in den Rennen mehr relaxen. Es ist einfacher geworden."

"Das Schwierigste im ersten Saisondrittel war die Motivation des Teams. Ich machte mir Sorgen, aber als wir uns verbessert haben, lief es auch im Team besser. Wir haben jetzt eine gute Performance. Mit der Situation des Teams in der vergangenen Saison war es keine Überraschung, dass es schwierig wird, das ganze Potenzial gleich herauszuholen. Wir hatten in den Tests und den Trainings keine Probleme, aber trotzdem ist es schief gelaufen. Jetzt sind wir zufrieden und haben gute Möglichkeiten noch einige Punkte in den verbleibenden Rennen zu holen."

Am 10. Oktober steht der Grand Prix von Japan auf dem Programm. "Die Formel 1 wird in Japan immer besser. Für eine lange Zeit waren japanische Hersteller in der Königsklasse involviert. Sie haben ihren Mitarbeitern oder Sponsoren Tickets gekauft. Jetzt gibt es nur noch Bridgestone. Die Kartenverkäufe laufen aber gut und die Fernsehzahlen werden auch besser. Das ist mein Job, die Formel 1 in Japan populärer zu machen."

"Ich habe keinen Druck", sagt Kobayashi. "Ich erledige meine Arbeit und versuche das Beste. Ich kann nicht sagen, dass ich gewinnen werde, aber wenn ich hart arbeite und mich weiter verbessere, sind Siege möglich."

Fotoquelle: xpb.cc

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