Kann Vitaly Petrov auch in Monza einem Michael Schumacher Druck machen?

Formel 1 2010

— 06.09.2010

Renault will in Monza angreifen

Den F-Schacht voll ausnutzen und bestenfalls Mercedes in den Schatten stellen - so lauten die Renault-Ziele vor dem Grand Prix von Italien

Renault will den neu gewonnen Schwung aus Belgien am kommenden Wochenende in Monza bestätigen. Der F-Schacht der Franzosen half den Piloten auf den langen Geraden von Spa-Francorchamps. Ob dieses Element auch in Monza zum Einsatz kommen wird, ist derzeit noch unklar. Sicher ist, dass Robert Kubica und Vitaly Petrov mehr Punkte holen möchten als die Konkurrenz von Mercedes.

Für Kubica ist der Auftritt in Monza sogar eine Art Heimrennen. "Klar ist Polen meine Heimat", sagt die Renault-Speerspitze. "Während meiner Zeit im Kartsport, in der Formel-Renault und der Formel 3 bin ich jedoch stets für italienische Teams an den Start gegangen und habe auch über ein Jahr in unmittelbarer Nähe von Monza gewohnt. Logisch, dass ich mit dieser Gegend viele sehr schöne Erinnerungen verbinde."

"Wenn ich an meine bisherige Formel 1-Laufbahn denke, dann war diese historische Strecke immer gut zu mir. 2006 beispielsweise durfte ich hier erstmals aufs Podium steigen. Es stimmt schon, das kommende Wochenende besitzt für mich durchaus eine besondere Bedeutung", sagt Kubica, der sich auf die schnellen Abschnitte der italienischen Traditionsstrecke freut.

"Den krassen Gegensatz dazu bilden die langsamen Schikanen - entsprechend schwierig ist es, den Renault R30 so auszubalancieren, dass er hier wie dort tadellos funktioniert", so der Pole. "Der Große Preis von Italien ist das schnellste Rennen des gesamten Jahres, deswegen setzen wir auf eine aerodynamische Abstimmung mit wenig Luftwiderstand, was zeitgleich auch ein niedriges Level an Abtrieb mit sich bringt."

"In den vergangenen Jahren konnten wir in Monza immer in der Woche vor dem Grand Prix ausführlich testen und ein Gespür für das Auto entwickeln, das sich aus Fahrersicht sehr leicht anfühlt. Diese Chance haben wir diesmal nicht, also stehen uns knifflige Aufgaben bevor", meint Kubica. "Ebenfalls von großer Bedeutung ist der mechanische Grip des Wagens, der über die Bremsstabilität vor den Schikanen und das anschließende Herausbeschleunigen entscheidet."

Monza ist aus Sicht des Renault-Hoffnungsträgers immer eine besondere Erfahrung. "Ab und zu denke ich immer, ich würde im Könglichen Park einen ganz anderen Wagen fahren als jenen Renault R30, den ich die ganze Saison über bewege. Zu Beginn des Wochenendes kommt immer der Eindruck auf, die Hinterachse wäre sehr instabil - und daran wird sich bis zum Zieleinlauf am Sonntag auch nichts ändern."

"Du vermisst immer jenen Grip und jene Stabilität, die wir von anderen Strecken gewohnt sind. Dies stellt uns Fahrer vor eine große Herausforderung. Mir persönlich gefällt aber auch, dass es in Monza auf hartes und spätes Bremsen ankommt - aus den dort üblichen hohen Geschwindigkeiten heraus zahlt sich Präzision unheimlich aus. Nur wer dies perfekt beherrscht, trifft auch immer den Scheitelpunkt der Kurven und ist schnell unterwegs."

Trotz der großen Vorfreude auf das Rennen im Parco di Monza möchte Kubica sich vor dem Start des Wochenendes nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. "Es wird interessant zu beobachten, welche Autos in Monza schnell sind und welche nicht", sagt der Mann aus Krakau. "Spa-Francorchamps hat sehr anschaulich demonstriert, welche Formel-1-Renner mit dem sogenannten F-Schacht gut funktionieren und welche nicht. Unser System hat von Beginn an perfekt gearbeitet, wir waren sofort deutlich konkurrenzfähiger unterwegs und näher an der Spitze dran."

"Dieser Effekt zahlt sich im Königlichen Park möglicherweise weniger deutlich aus, da generell das Niveau an aerodynamischem Abtrieb viel geringer ausfällt - aber ein gewisser Vorteil bleibt auf jeden Fall. Mal sehen, wer den F-Schacht einsetzt und wer nicht - und zu welcher Gruppe Renault gehören wird. Diese Strecke ist immer für Überraschungen gut, also halte ich mich mit Prognosen lieber etwas zurück. Aber wenn sich unser Renault R30 so gut anfühlt wie in Belgien, dann sehe ich keinen Grund, warum wir nicht auch in Monza wieder vorne mitmischen sollten."

Auch Teamkollege Vitaly Petrov würde gern entsprechend vom Speed des R30 profitieren. Im vergangenen Rennen in Belgien gelang dies nur teilweise, weil der Russe nach einem verkorsten Qualifying von Startplatz 23 losfahren musste. "Das Ergebnis und die WM-Zähler sind okay, tatsächlich aber hätte es für mich noch besser laufen können", blickt Petrov zurück. "Mit einem besseren Resultat im Qualifying hätte ich noch mehr erreichen können. Der sechste Rang lag durchaus in Reichweite."

"Das Auto ließ sich sehr angenehm fahren, auf den Geraden waren wir dank des neu entwickelten F-Schachts pfeilschnell unterwegs. Dadurch konnten wir etwas mehr aerodynamischen Abtrieb einsetzen, was uns auch in den Kurven weiterhalf", so der Formel-1-Rookie. "Selbst in der ultraschnellen Senke von Eau Rouge habe ich den F-Schacht eingesetzt - auch wenn ich es schon etwas gewöhnungsbedürftig fand, durch diese Passage mit nur einer Hand am Lenkrad zu sausen."

Petrov wird in den verbleibenden sechs Saisonrennen viel lernen müssen. Einzig Monza ist dem Neuling bekannt, alle weiteren Strecken nicht. "Vor einem Jahr habe ich das GP2-Rennen aus der Pole Position in Angriff genommen und das Feld lange Zeit angeführt - leider wurde ich nur Zweiter, da ich aufgrund eines Unfalls vor mir Tempo rausnehmen musste", sagt Petrov mit Blick auf Monza. "Am Steuer eines Formel-1-Autos muss ich die Strecke praktisch neu erlernen und meinen Fahrstil dem Renault R30 anpassen."

"Monza ist aus meiner Sicht einfach großartig mit famosen Kurven wie die Parabolica oder die beiden Lesmos. Im Königlichen Park kommt es darauf an, sich keinen Fehler zu erlauben - schon der Verlust von wenigen Zehntelsekunden kann schnell fünf oder sogar noch mehr Positionen kosten. Das wird bestimmt ein spannendes Rennen", erklärt Petrov. "Mein Ziel ist klar definiert: Ein Platz unter den ersten Zehn."

Fotoquelle: xpb.cc

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