Hermann Tilke: Sind seine Kurse Fluch oder Segen für die Formel 1?

Formel 1 2010

— 07.09.2010

Tilke wehrt sich gegen Kritik

Formel-1-Architekt Hermann Tilke verspricht in Zukunft bessere Strecken und erklärt, warum Kurse wie Spa heute nur noch schwer möglich sind

Bernie Ecclestones Rennstreckenarchitekt Hermann Tilke ist nicht unumstritten. Der Aachener zeichnet für moderne Grand-Prix-Kurse wie Schanghai, Istanbul oder Abu Dhabi verantwortlich - Anlagen, die durch viel Bombast für Aufsehen sorgten, aber für manche nicht die Ausstrahlung "klassischer" Rennstrecken wie Spa-Francorchamps oder Silverstone besitzen.

Doch die Kritik an Tilke ist teils unberechtigt: Beim Design der Kurse ist er den hohen Sicherheitsanforderungen der FIA und anderen Restriktionen unterworfen. Er rechtfertigt sich gegenüber 'Autosport': "Wir fangen nie mit einem weißen Blatt Papier an. Doch die Leute glauben das. Es ist schwierig, den Leuten zu erklären, was wir ursprünglich vorhatten, welche Restriktionen es gab und welche Mittel wir zur Verfügung hatten." Er geht ins Detail: "Du brauchst zum Beispiel heute die Auslaufzonen. Die FIA akzeptiert keine Strecken ohne sie. Große Auslaufzonen sind nicht ideal für die Sicht, die alten Kurse sind da ganz anders, weil die Leitplanken gleich neben der Strecke waren. Heute kannst du das nicht mehr machen."

Zu viele Zwänge

Doch damit nicht genug: "Man darf nicht vergessen: Die meisten Streckenbesitzer und -Investoren wollen auch Motorradrennen haben. Und bei den Motorrädern brauchst du noch größere Auslaufzonen, die noch dazu anders sind. Und in manchen Kurven, in denen du bei der Formel 1 keine Auslaufzonen brauchst, musst du sie für die Motorräder bauen. Und dann kritisieren mich die Leute und sagen: So eine Auslaufzone ist doch verrückt!"

Für viele Formel-1-Fans und Piloten ist Spa-Francorchamps die spektakulärste Strecke im Grand-Prix-Zirkus. Doch ist es überhaupt möglich, heute einen vergleichbaren Kurs zu bauen? Tilke holt aus: "Es ist möglich, doch ich denke nicht, dass jemand das Geld dafür hätte. Du brauchst außerdem die Höhenunterschiede: Viel Land, eine lange Strecke - und jeder Meter kostet Geld. Spa ist großartig, doch man darf nicht vergessen, dass es sich erst zu dem entwickelt hat, was es heute ist - es wurde nicht auf einmal gebaut. Es hat sich verändert, die Strecke war früher viel länger."

A1-Ring gibt Tilke recht

Eine von Tilkes ersten Rennstrecken war der A1-Ring in Österreich, der gerade von Red Bull wieder aufgebaut wird. Bis 1987 fuhr die Formel 1 am Österreichring - ein schneller, spektakulärer Kurs, der den Piloten alles abverlangte. Tilke ersetzte die Mutkurven durch enge Ecken und verkürzte die Strecke deutlich. Der damalige Williams-Pilot Jacques Villeneuve murrte bei den ersten Testfahrten 1996: "Als mein Vater hier fuhr, saß ich in der Bosch-Kurve auf der Tribüne und war beeindruckt: Was für eine Kurve! Und heute? Nur noch zweiter Gang."

Tilke erinnert sich: "Als wir die Strecke gebaut haben, sagte jeder: Was habt ihr gemacht? Eine furchtbare Strecke!" Doch nach einer Weile lernte die Formel 1 den A1-Ring schätzen, wie er bestätigt: "Alle änderten ihre Meinung, sogar die Fahrer mochten es. Es gab immer spektakuläre Rennen - nicht nur in der Formel 1, sondern auch in der DTM und überall. Man kann es nicht allen recht machen."

Ecclestone fördert Tilkes Abenteuerlust

Dennoch ist Tilke offen für neue Ideen und Vorschläge. Seine größte Inspiration? Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone. "Es werden viele Dinge besprochen und viele gute Ideen kommen von Bernie Ecclestone. Er hat einen guten Blick für sowas. Jetzt gehen wir viel mehr an die Grenze, als vor einigen Jahren, vor allem, was Höhenunterschiede und die Arten der Kurven angeht."

Davon wird man sich bei seinem neusten Projekt überzeugen können: Die Strecke in Austin, deren Pläne vor einer Woche präsentiert wurden, besticht durch unterschiedlichste Kurven, die Start-Ziel-Gerade geht vor der ersten Kurve steil bergauf.

Fotoquelle: xpb.cc

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