Keine Sicht? Massa sitzt wegen seiner geringen Körpergröße sehr tief im Cockpit

Formel 1 2010

— 09.09.2010

Massa: "Konnte beim Start die weiße Linie nicht sehen"

Felipe Massa macht die tiefe Sitzposition für sein Startvergehen verantwortlich, rechnet in Monza mit Siegchancen und lobt den Rennkalender 2011

War es Absicht? Oder ein Versehen? Ein Amateurvideo deckte letzte Woche auf, dass Ferrari-Star Felipe Massa beim Grand Prix von Belgien nicht die korrekte Startposition eingenommen hatte. Stattdessen stand der Bolide ganz klar zu weit vorne, als die roten Lichter der Ampel erloschen sind. Noch kurioser ist aber, dass weder die Rennleitung, noch ein gegnerisches Team das offensichtliche Vergehen bemerkte - so kam der Brasilianer ungeschoren davon und wurde glücklicher Vierter.

"Ganz ehrlich - ich habe wirklich Glück gehabt, dass das während des Rennens niemandem aufgefallen ist", gibt er offen zu. Und rechtfertigt sich: "Ich bin glaube ich einer der Piloten, die am tiefsten im Cockpit sitzen. Außerdem ist die Front unseres Autos sehr hoch, also habe ich die Linie in der Startaufstellung nicht genau gesehen und fuhr deswegen ein bisschen zu weit nach vorne. Wenn ich etwas höher sitzen würde, könnte ich die Linien vielleicht besser sehen." Tatsächlich ist Massa mit seinen 1,66 Metern einer der kleinsten Formel-1-Piloten.

Massa hat WM noch nicht aufgegeben

Nachträglich hat er keine Strafe zu befürchten - er kann sich also voll und ganz auf den Grand Prix von Italien konzentrieren. Und der ist für Massa neben dem Heimrennen in Brasilien das wichtigste Rennen des Jahres. Der Druck ist enorm, die leidenschaftlichen Ferraristi erwarten eine starke Leistung ihres Teams. Für den 29-Jährigen ist Monza "das zweite Heimrennen". Auch wenn er im Titelkampf keine Rolle mehr spielt, will er nun seinem Team helfen, um in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft einen Erfolg einzuheimsen. Auch das wird keine leichte Aufgabe: Ferrari fehlen auf Leader Red Bull 80 Punkte, insgesamt sind noch 258 Zähler zu holen.

Massa weiß: "Wir hatten bis jetzt nicht die Saison, die wir uns erwartet haben. Also müssen wir ab sofort die maximalen Punkte einfahren. Die Situation ist nicht einfach, doch wenn wir uns jetzt gut schlagen, dann haben wir noch Titelchancen." Der perfekte Auftakt zu dieser Mission wäre freilich, den tausenden Ferrari-Fans im königlichen Park von Monza einen Sieg zu schenken. Doch ist das realistisch? Massa wagt keine Prognose: "Das ist eine dieser Strecken, wo wir nicht wissen, was wir erwarten dürfen. In dieser Saison war der Red Bull in fast jedem Rennen das schnellste Auto."

Die Leistungen von Ferrari waren hingegen eher unberechenbar: "Manchmal hatten wir hohe Erwartungen, konnten diese aber nicht erfüllen. Woanders rechneten wir damit, dass zum Beispiel McLaren sehr stark ist, doch dann waren wir besser. Man kann also kaum möglich, etwas voraus zu sagen, ehe wir am Freitag auf die Strecke gehen. Dennoch sind wir zuversichtlich und haben das Gefühl, dass unser Auto konkurrenzfähig genug ist, um hier um den Sieg zu kämpfen."

F-Schacht in Monza: Ferrari will sich nicht festlegen

Eines der größten Fragezeichen ist, ob die verschiedenen Teams das F-Schacht-System einsetzen werden: Der Sinn der McLaren-Erfindung ist es, den vom Heckflügel generierten Abtrieb auf der Geraden durch einen zusätzlichen Luftstrom zu zerstören, um mehr Topspeed zu erreichen. Da man in Monza aber generell mit Flügeln fährt, die sehr wenig Abtrieb erzeugen, könnte das System nutzlos sein. "Es ist nicht sicher, ob das System hier ein Vorteil ist", bestätigt auch Massa. "Wir werden es morgen ausprobieren und werden dann entscheiden, welchen Weg wir an diesem Wochenende gehen werden. Denn auch die Straight-Line-Tests, die wir letzte Woche gemacht haben, geben wenig Aufschluss darüber, wie das System auf einer echten Rennstrecke funktioniert."

Ähnliches gilt auch für den Simulator, in dem sich Massa auf die Rennen vorbereitet. Doch der Ferrari-Star erachtet ihn dennoch als sinnvoll: "Wir haben einige Male in dieser Saison Dinge im Simulator ausprobiert, die wir dann an einem Rennwochenende eingesetzt haben. Wir haben dadurch ein Verständnis für die Situation gewonnen. Ganz allgemein ist der Simulator sehr nützlich, auch wenn er die Realität nicht ersetzen kann."

Abgesehen davon, dass das Ferrari-Team in der Stallorder-Affäre von Hockenheim ohne Strafe davongekommen ist, ist Massa noch über einen anderen Beschluss der Weltratssitzung glücklich: der neue Kalender für die Formel-1-Saison 2011. Die Anzahl der Rennen wurde von 19 auf 20 erhöht, zudem findet das Saisonfinale in seiner Heimat Brasilien statt. "Es freut mich, dass wir mehr Rennen fahren", sagt er. "Das bedeutet zwar mehr Arbeit, doch das ist mein Job und ich genieße es. Ich entdecke gerne neue Rennstrecke wie Indien oder Südkorea. Außerdem sollte ein Sport wie die Formel 1 so global wie möglich sein. Natürlich sollte es ein Limit geben, doch ein zusätzliches Rennen nächstes Jahr ist schön und die Tatsache, dass das letzte Rennen in Brasilien stattfindet, ist definitiv eine gute Sache. Dadurch kann ich unmittelbar danach mehr Zeit zu Hause verbringen."

Fotoquelle: xpb.cc

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