Bahn frei für weitere Platzwechsel: Fernando Alonso und Felipe Massa

Formel 1 2010

— 09.09.2010

FIA: Ferrari ist schuldig, aber...

Die FIA sieht zwar von Konsequenzen im Fall der Stallorder von Hockenheim ab, sieht Ferrari aber dennoch als schuldig an: Paragraf muss überarbeitet werden

Ferrari hat die Regeln gebrochen, aber der FIA fehlt letztlich die Handhabe, das Vergehen nachzuweisen. Das ist die kurze Zusammenfassung dessen, was der Automobil-Weltverband nun als Protokoll der Sitzung vom Mittwoch in Paris veröffentlicht hat. Aus dem neunseitigen Dokument geht hervor, dass das italienische Team alle Schuld von sich wies, den Vorfall als "Teamtaktik" verstanden wissen wollte.

Ferrari nannte in seiner ausführlichen Erklärung (160 Seiten lang) der Hockenheim-Vorgänge, die bereits vor einigen Wochen schriftlich an die FIA gesandt worden war, einige ungeahndete ähnliche Vorgänge bei anderen Teams. Heikki Kovalainen habe in seinen McLaren-Zeiten Lewis Hamilton vorbeiziehen lassen, der versuchte Positionswechsel von Mark Webber und Sebastian Vettel in Istanbul sei ebenfalls vergleichbar gewesen.

Aus der FIA-Erklärung geht hervor, dass die Teamchefs Frank Williams und Peter Sauber - dessen Team Ferrari-Motoren einsetzt - Ferrari in der strittigen Verhandlung zur Seite standen. Die beiden Verantwortlichen nahmen die Italiener in Schutz. Die Mitglieder des Motorsport-Weltrates kamen letztlich zu dem Schluss, dass Ferrari gegen Paragraf 39.1 des Sportlichen Reglements verstoßen habe, dies aber kaum stichhaltig belegbar sei.

"Bevor man jemanden verurteilt, muss man beweisen, dass eine Schuld vorliegt. Wir haben die Beteiligten befragt, und alle haben verneint, dass es eine Teamorder gab", so FIA-Präsident Todt gegenüber der 'BBC'. Der Franzose war der Sitzung - auch vor dem Hintergrund seiner Vergangenheit als Ferrari-Teamchef - fern geblieben. "Aus Sicht von Ferrari gab man Felipe Massa per Funk nur die für die Rennsituation relevanten Informationen", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichen FIA-Skript .

Die 15 anwesenden Mitglieder des World Motorsport Council (WMSC) - darunter auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone - wurden am Mittwoch in Paris Opfer der schwammigen Regelung zum Thema Stallorder. "Man sollte versuchen, eine Lösung zu finden, sowohl für die Fans, als auch für die Teams. Wie man das unter einen Hut bekommt, ist die große Frage", sagt Michael Schumacher, der sich dringend eine neue Regelung seitens der FIA wünscht. Diese sollte aus Sicht des Rekordweltmeisters allerdings nicht vorab in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

"Wenn die FIA das so entscheidet, dann ist das schon okay", meint Robert Kubica. "Ich wäre überrascht gewesen, wenn Ferrari höher bestraft worden wäre. Man muss sich mal überlegen, ob man das Verbot abschafft. Es gab schon oft Stallregie, wenn auch nicht so offensichtlich wie in Hockenheim. Ohne das Verbot müsste man es in Zukunft nicht mehr vertuschen. Es gibt so viele Möglichkeiten, einen Fahrer am anderen vorbei zu lotsen..."

"Ich bin froh, dass die FIA sich die Regel anschaut und vielleicht klärt", sagt Fernando Alonso, der von der plötzlichen Beschleunigungsschwäche am Fahrzeug seines zu jenem Zeitpunkt in Hockenheim führenden Teamkollegen Felipe Massa profitiert hatte. "Man sollte die Entscheidung der FIA respektieren. Für uns ist das jetzt Vergangenheit", hakt der Spanier den Vorfall schnell ab und blickt auf das sportliche Geschehen.

"Unsere Meinung tut nichts zur Sache. Es ist die Entscheidung der FIA. Wichtig ist, dass jetzt alle nach gleichen Regeln kämpfen", kommentiert Weltmeister Jenson Button. Sein McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton meint: "Ich habe das Glück, dass ich in einem Team bin, in dem es keinerlei Teamorder gibt. Jenson und ich dürfen das tun, was wir am liebsten tun: echte Rennen fahren."

Bei Red Bull kommt die Entscheidung der FIA verständlicherweise gar nicht gut an. Mit einem härteren Urteil wäre man Fernando Alonso eventuell als Konkurrenten um den Titel 2010 los geworden. "Wenn ein Team in den verbleibenden Rennen eine ähnliche Aktion vorhat, dann hat man nun einen Präzedenzfall geschaffen", meint Teamchef Christian Horner. "Sie haben 100.000 Dollar Strafe bezahlt - mehr ist nicht passiert."

"Wenn man genug Kleingeld hat, dann kann man sich so etwas leisten - wenn es sich denn wirklich lohnt", sieht auch Adrian Sutil künftigen Eingriffen Tor und Tür geöffnet. "Wenn eines deutlich geworden ist, dann ist es die Tatsache, dass man sich das Regelwerk noch einmal genau anschauen muss", fordert Horner Konsequenzen. Die FIA hat entsprechende Maßnahmen bereits angekündigt. "Man muss das Verbot abschaffen oder es transparent machen. Man kann auch nicht halb schwanger sein."

"Die Regelung ist aus meiner Sicht nicht gut formuliert", meint der Chef von Sebastian Vettel und Mark Webber. "Genau das war jetzt der Stolperstein. Also entweder formuliert man es besser, oder man streicht diesen Passus ganz." Bei Red Bull wird man - unabhängig von der künftigen Regelformulierung - nach wie keine Teamorder ausgeben, obwohl Vettel bereits 28 Punkte hinter Webber zurückliegt.

"Wenn ein Fahrer 60 Punkte vorne liegt, aber nur noch 75 Zähler zu holen sind, dann stellt sich die Frage nicht mehr", sagt Horner. "Das Punktesystem ist etwas trügerisch, da noch 150 Punkte zu holen sind. Es ist zu früh, um wirklich alles auf nur einen Fahrer zu setzen. Wir werden weiterhin all unsere Unterstützung beiden Fahrern gleichermaßen zukommen lassen."

Fotoquelle: xpb.cc

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