Mark Webber startet als Vierter in den Grand Prix von Italien in Monza

Formel 1 2010

— 11.09.2010

Webber: "Muss das passende Maß finden"

Mark Webber sieht sich nach dem Qualifying von Monza auf einem guten Weg: "Aber der Abstand ist überraschend groß" - Vorteil im Kampf gegen Lewis Hamilton

Wenn Red Bull und McLaren sich streiten, dann kann Ferrari glänzen. So lässt sich die Qualifikation von Monza zusammenfassen. Weder die favorisierten McLaren-Piloten noch einer der Red-Bull-Fahrer stand am Ende ganz vorne, sondern Fernando Alonso. Aus Sicht von Mark Webber ist dies kein Drama. Wichtiger ist dem Australier, dass er sich als Vierter auf Augenhöhe mit seinem Titelrivalen Lewis Hamilton befindet.

Frage: "Mark, dein Team ist mit der Gewissheit nach Monza gekommen, dass es für euch speziell hier schwierig werden könnte. Hat sich das nun im Qualifying so bestätigt?"
Mark Webber: "Ja. Ich hätte nicht gedacht, dass der Abstand so groß sein würde, aber die Positionen sind im erwarteten Bereich. Fernando ist extrem schnell. Jenson ist mit viel Abtrieb unterwegs. So etwas hat man in dieser Form hier auch noch nie gesehen. Unser Rückstand ist wirklich größer als wir gedacht hätten."

Frage: "Du hattest technische Probleme in den Trainings. Wie schwierig war es, in der Kürze der Zeit ein passendes Setup zu finden?"
Webber: "Wir haben gestern Abend viel umgebaut, weil ich am Freitag mit dem Auto nicht zufrieden war. Unsere Jungs haben da richtig gute Arbeit geleistet. Und wir haben richtig gelegen. Auf solch speziellen Strecken startest du nicht mit beiden Autos auf identischen Setupvarianten ins Wochenende. Man probiert es aus zwei Richtungen. Bei uns haben wir gegenseitig von einander profitieren können."

"Für mich lief es deswegen am Samstagmorgen zunächst wirklich ziemlich gut. Leider musste ich dann schon wieder am Streckenrand parken. Ich musste also ohne großartige Erkenntnisse über die weichen Reifen ins Qualifying gehen, was etwas frustrierend war. Im ersten Training lief es gut, es gab leichte Anpassungen für Freitagnachmittag. Dann war mir am Morgen aufgefallen, dass man mehrere gezeitete Runden auf den weichen Reifen drehen kann. Es ist aber natürlich immer schade, wenn man am Streckenrand ausrollt, aber ich persönlich konnte nichts dagegen tun."

Frage: "Wisst ihr die Ursachen seiner Defekte?"
Webber: "Gestern war es ein reines Sensorenproblem. Es wurde angezeigt, dass etwas am Kühlsystem nicht stimmt. Aber wir haben es uns angeschaut und es war alles in bester Ordnung. Es war nur der Sensor. So etwas hätte uns in Qualifying oder Rennen nicht zum Anhalten gezwungen, im Training stoppt man dann aber vorsichtshalber. Heute Vormittag war es etwas, das ich nicht verraten darf."

Frage: "Bist du überrascht, dass Lewis hinter dir steht?"
Webber: "Etwas schon, ja."

Frage: "Wie erwartest du das Rennen?"
Webber: "Hoffentlich wird es langweilig für mich. Ich möchte 53 langweilige Runden erleben und dann morgen Nachmittag ein gutes Ergebnis in der Tasche haben. Das sollte durchaus möglich sein. Aber wenn wir zu Beginn noch etwas nach vorne kommen können, dann ist vielleicht noch mehr drin. Mal sehen."

Frage: "Ist es nicht für den Titelfight eine tolle Startaufstellung?"
Webber: "Ja, aber man will immer mehr. Es ist sicherlich okay, dass Fernando, Jenson und Felipe vor mir stehen. Vor dem Rennwochenende hätte ich mich über die Aussicht, nichts auf Lewis zu verlieren, sicherlich gefreut. Aber Siege bringen dir nunmal einfach am meisten. Das Qualifying war jetzt okay. Mal abwarten, was morgen alles passiert."

Frage: "Sin deine Motorenprobleme morgen vielleicht noch ein Thema?"
Webber: "Vielleicht ein wenig. Wir müssen mal mit Renault sprechen und horchen, was die für sinnvoll halten. Aber wir kennen solche Situationen, kennen so etwas wirklich gut und wissen damit umzugehen."

Frage: "Lewis hat wenig Abtrieb und hohen Topspeed, du mehr Bremsbalance und wohl auf Dauer bessere Reifen. Was ist für das Rennen die bessere Variante?"
Webber: "Ich finde, dass Jenson gut dasteht. Er hat sich mit einem auf viel Abtrieb getrimmten Auto weit vorne qualifiziert - es gibt schlechtere Situationen als seine. Es kann natürlich aber auch sein, dass er mangels Topspeed früh im Rennen überholt wird. Aber ich kenne die genauen Topspeeds nicht so genau."

Frage: "Und zwischen dir und Lewis?"
Webber: "Ich glaube da liegt nicht viel dazwischen, vielleicht sind es drei oder vier km/h - das sind Peanuts."

Frage: "Wie stark schätzt du Ferrari ein?"
Webber: "Fernando war sehr schnell unterwegs, die sind definitiv stark. Die haben wohl für heute einen V10-Motor eingebaut und dann einen guten Job gemacht (lacht)."

Frage: "Die Kurven nach Start und Ziel sind immer knifflig. Ist das hier umso mehr der Fall?"
Webber: "Ja. Alle wissen, wir man sich hier nach vorne arbeiten muss. Der erste Teil der Strecke wird hart. Wir kennen das doch alle aus den Vorjahren. Wir waren auch in diesem Jahr schon auf einigen Strecken und haben dort schwierige Situationen erlebt. Es ist eben ganz anders als Copse in Silverstone, aber wir kriegen das schon hin."

Frage: "Wie siehst du euren Rennspeed im Vergleich zu McLaren hier auf der Highspeedstrecke in Monza?"
Webber: "Wir haben diesbezüglich nicht immer gut ausgesehen, aber wir haben gleichzeitig auch viele Rennen gewonnen. Diese Strecke ist einzigartig. Wenn am Auto die Balance nicht passt, dann kann es ein sehr schwieriger und langer Nachmittag werden. Vielleicht hat Jenson wirklich dort seine Vorteile. Wenn du Autos mit wenig Abtrieb mit viel Benzin bewegst, dann fühlt es sich oft furchtbar an. Aber ich habe in diesem Jahr schon Rennen gewonnen, wo sich mein Auto nicht toll anfühlte. Da überrascht man sich manchmal selbst. Wir müssen es morgen mal sehen."

Frage: "Wie steht es um die Reifen?"
Webber: "Die werden keine Probleme bereiten?"

Frage: "Wird es also lange erste Stints geben?"
Webber: "Mal sehen. Das hängt ja auch immer davon ab, ob die Gefahr läufst, irgendwo im Gewühl zu landen."

Frage: "Gehst du mit Blick auf den Titelkampf vorsichtig an die Sache heran?"
Webber: "Wenn ich vorsichtig wie meine Oma fahre, dann hilft mir das kaum. Aber gleichzeitig ist es enorm wichtig, dass man ins Ziel kommt. Muss muss das richtige Maß finden. In dieser Saison ist mir das meistens gelungen. Das will ich morgen so weiterführen."

Frage: "In Spa hatten einige Fahrer Probleme damit, die Hand zur Betätigung des F-Schachts vom Lenkrad zu nehmen. Ist das hier auch knifflig?"
Webber: "So etwas war in Belgien wirklich nicht einfach, wenn man direkt hinter einem Konkurrenten fuhr. Dann bewegte sich das Auto stark, da war es einhändig nicht ganz leicht. Hier wird das deutlich einfacher sein, ich erwarte keine Probleme."

Frage: "Nach den Trainings hatte man dich nicht unbedingt schneller als Sebastian erwartet, aber nun stehst du vor ihm. Ist das Ausdruck des guten Laufs, den du zweifellos hast?"
Webber: "Das hoffe ich doch. Ich kann nicht mehr tun, als in Schlüsselmomenten mein Bestes zu geben. Darauf kommt es an. Er war heute sicherlich auch nicht langsam, sondern bestimmt gut unterwegs. Aber manchmal entscheiden Kleinigkeiten. Heute lief es für mich gut, was man nach der mangelnden Vorbereitung gar nicht erwartet hatte."

"Manchmal ist eine kürzere Vorbereitungszeit aber auch besser, zumindest wenn es um die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren geht. Wenn wenig Zeit bleibt, dann wird weniger geredet und umso mehr gehandelt. Das hat bei mir jetzt prächtig funktioniert."

Frage: "Wie wichtig ist es, dass du vor Lewis stehst?"
Webber: "Das ist für uns nicht ganz schlecht. Lewis hat es morgen nicht einfach, wenn er das Rennen gewinnen will. Er kann sicherlich weitere Siege in der Zukunft feiern, aber nach dem heutigen Tag ist der Sieg gegen Fernando und Jenson nicht einfach zu erreichen. Das gilt für uns alle drei, also für Vettel, mich und Lewis. Ich bin schon überrascht, dass ich vor Lewis stehe. Aber heute gibt es keine Punkte. Wir schauen morgen mal."

Fotoquelle: xpb.cc

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